Stimmung im Handwerk trübt sich ein

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Die Auftragslage in den Handwerksbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee ist verglichen mit dem Vorjahresquartal im Abwärtstrend.

Handwerksbereiche unterschiedlich betroffen – Konjunktur schwächt sich im dritten Quartal 2022 ab – gebremster Personalaufbau im Gebiet der Handwerkskammer Ulm.

Aalen.

Verzögerte Lieferzeiten beim Material, hohe Energiepreise und die Kaufzurückhaltung der Kunden machen den Handwerksbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee zu schaffen. Das zeigen die aktuellen Daten der regelmäßigen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ulm.

Die Geschäftslage ist in den Handwerken sehr unterschiedlich. Insbesondere in den Bau- und Ausbaugewerken beschreiben zwei von drei Handwerksbetrieben (62 Prozent) ihre Geschäftslage in den Monaten Juli bis September weiterhin als gut. Von einem schlechten Geschäftsverlauf in den vergangenen Monaten sprechen 12 Prozent. Es seien insbesondere Handwerksbetriebe in den energieintensiven oder konsumorientierten Gewerken der Dienstleistungs- und Nahrungsmittelgewerbe sowie im Bereich des gewerblichen Bedarfs, beispielsweise der Feinwerkmechaniker oder Gebäudereiniger, so die Kammer in einer Mitteilung. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren 67 Prozent mit ihrer Geschäftslage zufrieden gewesen und 7 Prozent unzufrieden. „So eine große Spanne unterschiedlicher Situationen in den Betrieben hatten wir noch nie. Insgesamt aber nehmen die Zukunftssorgen unserer Betriebe zu“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Klar ist: Die Stimmung im regionalen Handwerk hat sich eingetrübt. Die konjunkturellen Sorgen der Betriebe haben im dritten Quartal zugenommen. Die Geschäftsentwicklung ist nach wie vor durch Preissteigerungen, Materialknappheit und Lieferengpässe gebremst. Diese anhaltenden Belastungen schwächen die Geschäftserwartungen ab: Von einer Verbesserung der Geschäftslage gehen aktuell 18 Prozent (Vorjahr: 28 Prozent) der Befragten aus. 60 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung. Etwas mehr als jeder fünfte Betrieb (22 Prozent) befürchtet hingegen, dass sich die Lage verschlechtern wird (Vorjahr: 10 Prozent).

Schwieriges Jahresende erwartet

Die Auftragslage in den Handwerksbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee ist verglichen mit dem Vorjahresquartal im Abwärtstrend: rund 23 Prozent (Vorjahr: 37 Prozent) berichten von einem gestiegenen Auftragsvolumen in den Monaten Juli bis September. Die Anzahl der Handwerkerinnen und Handwerker, die im dritten Quartal einen Rückgang beim Auftragseingang zu verkraften haben, verdoppelt sich nahezu von 15 Prozent im Vorjahr auf knapp 29 Prozent.

Die Betriebe erwarten insgesamt ein schwieriges Jahresende 2022. Knapp 29 Prozent erwarten in der näheren Zukunft Auftragseinbußen – das sind doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum (14 Prozent). Ein Auftragsplus für die Monate Oktober, November und Dezember erwarten ebenfalls rund 29 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker (Vorjahr: 40 Prozent). Insgesamt zeigen sich die Handwerksbetriebe e jedoch zuversichtlicher als der Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg. „Zu dieser Marktunsicherheit kommt für die Betriebe die Unsicherheit bei der Energiepreisbremse und möglicher finanzieller Unterstützungen. Wir haben da nicht unendlich Zeit. Diese Entlastungen für die betroffenen Betriebe müssen jetzt schnell und einfach umgesetzt werden“, so Mehlich.

Unsicherheiten behindern Personalaufbau

Die Auslastung in den Handwerksbetrieben ist im dritten Quartal 2022 unterschiedlich, aber zusammengefasst positiv: Rund 19 Prozent der Betriebe sind über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet (Vorjahr: 16 Prozent), gut 43 Prozent sind nahezu voll ausgelastet (Vorjahr: 47 Prozent). Rund 15 Prozent haben noch Kapazitätsfreiräume, im Vorjahresquartal waren es knapp 13 Prozent. Die in den Sommermonaten übliche Personalaufstockung im Handwerk ist in diesem Jahr geringer ausgefallen: So haben 16 Prozent der Befragten in den vergangenen drei Monaten ihre Beschäftigtenzahl erhöht und 13 Prozent ihre Belegschaft verkleinert. Als Gründe geben die Handwerksbetriebe im Gebiet der Handwerkskammer die unsicheren äußeren Rahmenbedingungen an. In vier von fünf Betrieben (82 Prozent) wird die Belegschaft zum Jahresende unverändert bleiben. Knapp 10 Prozent wollen qualifizierte Fachkräfte einstellen (Vorjahr: 18 Prozent), während 8 Prozent damit rechnen, dass sie ihre Beschäftigtenzahl verkleinern werden (Vorjahr: 5 Prozent). 

Konjunktursituation im Ostalbkreis

Im Ostalbkreis beurteilen 52 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, eine schlechte Geschäftslage geben 11 Prozent an. 16 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den nächsten Wochen, 25 Prozent mit einer Verschlechterung. 54 Prozent der Betriebe haben aktuell eine Auslastung von 80 Prozent oder höher. 79 Prozent der Betriebe wollen ihre Fachkräfte im Betrieb halten; einige planen zusätzliches Personal einzustellen, auch wenn die Dynamik hier etwas nachgelassen hat. „Eine Ausbildung kann auch im Herbst noch gestartet werden. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist und bleibt groß. Personal wird gesucht und viele unserer Handwerksbetriebe wollen ausbilden. Interessierte junge Menschen, die sich für eine handwerkliche Ausbildung interessieren, finden in unserer Region eine passende Stelle“, sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Ostalbkreis, Edgar Horn.

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