Hartmann-Chefin Britta Fünfstück setzt auf gesundheitsbewusste Endverbraucher

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Kneipp-Geschäftsführer Alexander Schmidt, Hartmann-Vorstandsvorsitzende Britta Fünfstück und Finanzvorstand Stephan Schulz (von links) gaben Auskunft.

Konzern-Tochter Kneipp steigert Umsatz mit Pflegeprodukten.

Heidenheim. Qualität, Zeitgewinn, Einfachheit und Wirtschaftlichkeit – diese vier Kriterien sollen die Produkte und Dienstleistungen erfüllen, mit denen Britta Fünfstück den Hartmann-Konzern in die Zukunft steuern will. Die 1972 im österreichischen Linz geborene Managerin hat zu Jahresbeginn die Nachfolge von Andreas Joehle als Vorstandsvorsitzende der Paul Hartmann AG angetreten.

Sie fand ein Unternehmen vor, das nach ihren Worten "in wachsenden, attraktiven Märkten" unterwegs ist. Kein Wunder: Die weltweiten Gesundheitsausgaben steigen einer Prognose zufolge zwischen 2017 und 2022 von 7,7 auf 10,05 Billionen US-Dollar. Von diesem Kuchen möchte Hartmann mit seinen etwa gleich starken Geschäftssegmenten Wundmanagement, Inkontinenzmanagement, Infektionsmanagement sowie weiteren Konzernaktivitäten ein Stück abhaben. Den relativ größten Anteil am Umsatz macht mit 32,2 Prozent der Handel mit Inkontinenz-Produkten aus – das Geschäft wuchs im vergangenen Jahr nochmals um 4,3 Prozent.

In den drei Feldern Pflege, Endverbraucher und Digitalisierung möchte Fünfstück Innovationen vorantreiben. Als Beispiel nannte sie die Sensorbox – ein Regal für Verbandmaterial und ähnliches in Kliniken und Heimen, das mit optischer Sensorik ausgestattet ist. Das Regal erkennt selbst, welche Materialien zur Neige gehen und nachbestellt werden müssen, das Pflegepersonal wird entlastet. In der Erprobung sei eine intelligente Software, die anhand von Patientendaten vor der Gefahr einer Sepsis (Blutvergiftung) warnt. An Endverbraucher richtet sich das Produkt Sterilium zur Hand- und Oberflächen-Desinfektion, das bisher in Kliniken eingesetzt wird und nun auch in Apotheken erhältlich ist. Patienten und Gesundheitsbewusste, die "immer selbstbestimmter" würden, sich informierten und Produkte auswählten, sieht Fünfstück als Zielgruppe.

An die gesundheitsbewusste Privatklientel richten sich auch die Produkte der Marke Kneipp, die seit 2008 komplett der Hartmann-Gruppe gehört. Kneipp-Geschäftsführer Alexander Schulz präsentierte den Hersteller von Gesundheitsprodukten, der einst als wirtschaftliches Sorgenkind im Konzern galt, als starke Marke. So sei der Umsatz von Kneipp seit 2008 jährlich um acht bis zehn Prozent gewachsen und liege nun bei 150 Millionen Euro.

Umsatzziele bescheiden

Bei Produkten für die Badewanne wie etwa Badesalz sei Kneipp seit Jahren unangefochtene Nummer Eins in Deutschland. Bei Fußpflegeprodukten, Duftkerzen und Duftstäbchen befinde sich Kneipp an dritter Stelle, bei Duschprodukten an sechster Stelle und bei den erst 2018 eingeführten Lippenpflegeprodukten bereits jetzt auf Platz 7. In Zukunft soll der Kneipp-Schriftzug nicht nur im Badezimmer, sondern auch in Küche, Schlaf- und Wohnzimmer der Konsumenten zu lesen sein, so skizzierte Schmidt seinen Wunsch.

Für die Hartmann-Gruppe insgesamt gab Finanzvorstand Stephan Schulz bescheidene Ziele aus: Der Umsatz solle 2019 moderat wachsen, das Ebit zwischen 102 und 112 Millionen Euro – also nochmals unter dem Vorjahresergebnis – liegen. Die "Kriegskasse" mit der Hartmann Firmen zukaufen könnte, bezifferte er auf rund 700 Millionen Euro: Allerdings werde dieser Betrag eher nicht in eine einzige Akquisition fließen. ham

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