Hartmann: Umsatz und Ergebnis unter Druck

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Umsatz Hartmann Heidenheim 3-spaltig

Die Nachfrage nach Desinfektionsprodukten ist nach Rekorden in der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen. Krankenhäuser und Pflegeheime sparen.

Heidenheim. Der Heidenheimer Medizin- und Hygieneproduktehersteller Hartmann hat seine Halbjahreszahlen verkündet. Nicht alle Ergebnisse machen die Konzernlenker glücklich. Die rückläufige Umsatz- und Ergebnisentwicklung gegenüber den Vorquartalen sei aber erwartungsgemäß aus, teilt Hartmann mit.

"Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Geschäftsentwicklung der Hartmann-Gruppe hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2021 nicht an Bedeutung verloren", heißt es in einer aktuellen Mitteilung: "Umsatz und Ergebnis sind erwartungsgemäß unter Druck geraten." So seien die 2020 deutlich sichtbaren positiven Corona-Sondereffekte im Verlauf des ersten Halbjahres 2021 erheblich zurückgegangen.

Insbesondere bei Desinfektionsprodukten und Schutzbekleidung ist die Nachfrage nach den Höchstständen im Vorjahr gesunken. Gleichzeitig hätten die negativen Corona-Effekte weithin Bestand: Der Budget- und Kostendruck in den Gesundheitssystemen verschärfe sich weiter und wirke sich ebenso auf den Geschäftsverlauf aus wie die noch immer niedrige Zimmerbelegungsrate in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Nur die zum Ende des ersten Halbjahres langsam zunehmende Zahl von Operationen und der dadurch wieder steigende Bedarf an Produkten für die Wundversorgung wiesen auf eine leichte Erholung hin. Die steigenden Rohstoff-, Fracht- und Logistikkosten haben sich ebenfalls negativ auf die Entwicklung der Geschäftssegmente ausgewirkt.

Hartmann-Vorstandschefin Britta Fünfstück betont: „Der Kosten- und Budgetdruck in den Gesundheitssystemen wächst deutlich. Die weitere konsequente Umsetzung des Transformationsprogramms von Hartmann ist deshalb essenziell für unseren langfristigen Erfolg.“Konzernweit sank der Umsatz im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf 1,153 Milliarden Euro. Während der Bereich Wundmanagement um rund zehn Prozent zulegte, gab es in den Bereichen Inkontinenzmanagement, weitere Konzernaktivitäten und am stärksten beim Infektionsmanagement Umsatz. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) lag bei 148,2 Millionen EUR, die bereinigte Ebitda-Rendite bei 12,8 Prozent. Damit setzte sich die rückläufige Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Vergleich zu den Vorquartalen erwartungsgemäß fort.

Beim Wundmanagement wiesen steigende Anzahl an Operationen und eine wieder zunehmende Frequenz von Arzt- und Apothekenbesuchen auf den Beginn einer leichten Erholung hin. Besonders positiv entwickelten sich die Sortimente zur modernen Wundbehandlung.

Den Rückgang beim Infektionsmanagement führt Hartmann auf eine gesunkene Nachfrage nach Desinfektionsprodukten gegenüber 2020 zurückz. Zudem sei auch die Nachfrage im Bereich der Schutzbekleidung rückläufig gewesen. Die positive Entwicklung bei Untersuchungshandschuhen hätte das nachlassende Geschäft in den weiteren Produktgruppen des Segments nicht kompensiert.

Die nur sehr langsam steigende Bettenauslastung führt zu einer unverändert schwachen Nachfrage nach Pflegeprodukten in Krankenhäusern und Altenheimen im Bereich Inkontinenzmanagement: Für Wachstumsimpulse hätten Produktlösungen für die ambulante Versorgung inkontinenter, aktiver Menschen gesorgt.

Bei den weiteren Konzernaktivitäten setzten sich die durch die Pandemie getriebenen Trends des ersten Quartals 2021 fort. Beispielsweise unterliegen Sportvereine und -veranstalter immer noch deutlichen Einschränkungen, die zu einem geringeren Bedarf an Produkten für Sportverletzungen führen. Bei CMC Consumer Medical Care führte die reduzierte Nachfrage nach Kosmetikprodukten zu rückläufigen Umsätzen. Der Kneipp-Gruppe ist es hingegen im ersten Halbjahr 2021 sehr gut gelungen, den Trend zu einem höheren Gesundheitsbewusstsein zu bedienen und seine Umsätze zu steigern.

  • Ausblick
  • Der ungewisse Verlauf der Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen sorgten auch in der zweiten Jahreshälfte für eine hohe Prognoseunsicherheit, so der Konzern. Hartmann geht von einem weiteren Rückgang der positiven Sondereffekte und anhaltenden beziehungsweise nur langsam nachlassenden negativen Effekten aus. Zudem rechnet das Unternehmen mit teils stark erhöhten Fracht- und Logistikkosten sowie steigenden Rohstoffpreisen und Materialkosten. Aufgrund aktueller Berechnungen bestätigt das Unternehmen die im Geschäftsbericht 2020 veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2021 mit einem moderaten organischen Umsatzrückgang und einem rückläufigen bereinigten Ebitda von 210 bis 260 Millionen Euro.

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