Heidenheimer Volksbank trotzt schwierigem Umfeld

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Ulrich Hasenmaier, Oliver Conradi, Elke Müller-Jordan
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Niedrigzins, Pandemie und Einlagenflut sind Herausforderungen: Genossenschaftsbank muss beim Zinsergebnis Federn lassen, hält die Dividende für die Mitglieder aber stabil.

Heidenheim

Zwar hat die Heidenheimer Volksbank die Corona-Pandemie gut gemeistert. Doch die extrem gestiegene Sparneigung der Deutschen und die anhaltende Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank machen der regionalen Genossenschaftsbank das Leben schwer. Dieses Fazit haben Vorstandsvorsitzender Oliver Conradi und seine Vorstandskollegen Elke Müller-Jordan und Ulrich Hasenmaier anlässlich der diesjährigen Vertreterversammlung im September gezogen. Unter dem Strich bleiben jedoch ein solides Ergebnis, ein konstanter Jahresüberschuss und eine stabile Dividende für die die Mitglieder.

Die Bilanzsumme als entscheidende Kennzahl für die Größe einer Bank ist auch im Jahr 2020 weiter gewachsen: um rund 80 Millionen Euro beziehungsweise 6,4 Prozent auf nunmehr 1,319 Milliarden Euro. Das liegt zum einen an einem weiteren Plus bei den Kundeneinlagen, zum anderen daran, dass die Heidenheimer Volksbank in hohem Maß Corona-Hilfen und KfW-Fördermittel an ihre Kunden durchgereicht hat.

Um fast sechs Prozent sind die bilanziellen Kundeneinlagen gestiegen. Die Menschen konnten während des Lockdowns weniger konsumieren und haben – auch aus Unsicherheit – Anschaffungen aufgeschoben. Also wurde das Geld auf dem Konto geparkt. So stieg die Sparquote in Deutschland vergangenes Jahr von 10,9 auf 16,2 Prozent des verfügbaren Einkommens, wie Conradi ausführte. Im ersten Quartal 2021 schnellte sie sogar auf 22 Prozent hoch. „Deshalb freut es mich auf der einen Seite für unsere Sparerinnen und Sparer, dass sie über ein Rekordvolumen von 1,05 Milliarden Euro an Bankeinlagen verfügen“, sagt Conradi.

Richtig glücklich ist er über diesen Rekord aber nicht: Schließlich gilt bei der EZB auch weiterhin für Geschäftsbanken ein Negativzins von minus 0,5 Prozent. „In den Jahren 2019 und 2020 haben uns die Negativzinsen schon mit je rund 250.000 Euro belastet- und diesen Wert haben wir im ersten Halbjahr 2021 mit rund 242.000 Euro beinahe bereits Mitte des Jahres erreicht“, ärgert sich der Vorstandsvorsitzende, der von einer „Einlagenflut“ bei deutschen Banken spricht. Der Einlagenüberschuss der deutschen Banken habe Ende 2020 bei einer Billion Euro gelegen. Das wiederum habe Zahlungen über vier Milliarden Euro Zahlungen für Guthaben verursacht.

Im Provisionsgeschäft betrug der Überschuss 11,4 Millionen Euro. Er lag damit Pandemie-bedingt knapp unter dem bisherigen Rekordergebnis vom Vorjahr.

Rekord im Dienstleistungsgeschäft

„Dafür steuern wir 2021 beim Dienstleistungsgeschäft wieder auf ein Rekordjahr zu“, freut sich Conradi. In diesem Bereich werden als einziger Wermutstropfen weniger Kleinkredite vermittelt, während Wertpapiere, Aktien, Investmentfonds und Bausparverträge boomen. Besonders mit Aktien und Wertpapieren wollen immer mehr Kunden dem realen Vermögensverlust entgegensteuern. Alleine in den ersten acht Monaten dieses Jahres verzeichnete die Heidenheimer Volksbank mehr als 2000 neue Wertpapiersparverträge und 850 Fondsneukunden.

Die Bank gab auch mehr Kredite aus als im Vorjahr. Das bilanzielle Kreditvolumen stieg netto um 13 Millionen auf aktuell 761 Millionen. Weil gleichzeitig viele Kredite getilgt wurden, musste die Bank für diesen Zuwachs sogar 190 Millionen Kredit-Neugeschäft generieren. Beim Zinsüberschuss, der wichtigsten Einnahmequelle, musste die Heidenheimer Volksbank Federn lassen. Die Negativzinspolitik, ein Dividendenverbot bei Beteiligungen und vorzeitige Darlehensrückzahlungen ließen hier den Überschuss schrumpfen. Er fiel um 1,4 Millionen Euro auf knapp 18,3 Millionen Euro. Leicht gestiegen sind die Personalkosten, darunter besonders die Aufwendungen für die Altersversorgung wie auch die Sachkosten. In diesem Bereich schlug die Sanierung der bankeigenen Tiefgarage in Heidenheim für einen Millionenbetrag zu Buche.

Der Jahresüberschuss blieb mit 2,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr konstant. Ihren Mitgliedern zahlt die Heidenheimer Volksbank wie schon im Vorjahr eine Dividente von 0,5 Prozent auf die Geschäftsguthaben. Abhängig davon, wie stark sie verschiedener Bankdienstleistungen nutzen, erhalten die Mitglieder außerdem einen Bonus, der die Dividende auf bis zu 8 Prozent erhöhen kann. Durchschnittlich erhält jedes Mitglied 1,31 Prozent Dividende.

„Wir haben die solide Eigenkapitalposition erneut gestärkt“, betont Conradi. Mit einer Kernkapitalquote von 19 Prozent liege man deutlich über den aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen. „Das ist das entscheidende Engpasskriterium für die Zukunft“, so der Bankchef.

Für das laufende Jahr sieht Conradi keine Besserung beim Zinsergebnis. Man werde hier angesichts der anhaltenden Negativzinspolitik „weiter Federn lassen.“

Hohe Ausbildungsquote mit 12,6 Prozent

Sieben Bankkaufleute und ein Student der Dualen Hochschule haben zum 1. September dieses Jahres ihre Ausbildung bei der Heidenheimer Volksbank begonnen. Die Ausbildungsquote stieg damit auf 12,6 Prozent. Die Zahl von insgesamt 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern blieb gegenüber dem Vorjahr konstant .

Die Heidenheimer Volksbank unterhält zehn stationäre Geschäftsstellen. Dazu kommt der sogenannten Zaster-Laster, eine mobile Geschäftsstelle, die regelmäßig elf Stellen im Landkreis anfährt. „Während der 18 Monate in der Pandemie haben wir unsere Geschäftsstellen niemals geschlossen“, betont Conradi.

Nach langer Zeit ohne Preiserhöhungen hat die Heidenheimer Volksbank zum 1. April Kontoführungsgebühren für ihr Onlinekonto erhöht. Das Urteil des Bundesgerichtshofs Ende April, wonach Kunden ihre Zustimmung zu einer AGB-Änderung nicht automatisch erteilen, wenn sie nicht widersprechen, hat auch Auswirkungen auf die Heidenheimer Banker. Mehr als 85 Prozent der Kunden hätten bereits ihre Einverständniserklärung zur AGB-Änderung online oder per Post erteilt, so Conradi Mitte September, der in Kürze mit einem Anstieg des Anteils auf 90 bis 95 Prozent rechnete. Nur 0,5 Prozent der Kunden hätten hier Geld von der Bank zurückgefordert, an diese seien im Durchschnitt 20,46 Euro zurückgezahlt worden.

Auch im Lager der baden-württembergischen Genossenschaftsbanken gibt es immer häufiger Zusammenschlüsse zu großen Einheiten. Bei der Heidenheimer Volksbank sind Fusionen derzeit jedoch kein Thema, sagt Vorstandschef Oliver Conradi: „Es gibt hier aktuell keinerlei Aktivitäten, auch nicht im nächsten Jahr. Aber der Druck steigt.“

Kennzahlen für 2020:

Bilanzsumme : 1,319 Mrd. Euro (2019: 1,239 Mrd.)

Kundenkreditvolumen: 952 Mio. Euro (2019: 921 Mio.)

Kundenvolumen: 3,13 Mrd. Euro (2019: 3,02 Mrd.)

Bilanzgewinn: 2,13 Mio. Euro (2019: 2,14 Mio.)

Mitarbeiter: 221

Mitglieder: 36.337

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