Heizungsbauer am Limit

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Die Nachfrage nach neuen Heizungen ist weiter sehr hoch. Manch Heizungsbauender spricht gar von einer "Hysterie".
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Wer eine neue Heizung will muss teilweise monatelang warten. Warum das nicht am Ukraine-Krieg liegt, dieser aber zu einem Umdenken vieler Hausbesitzenden geführt hat.

Aalen

Die Stornierungen begannen kurz nach Kriegsbeginn. „Einige Kunden, die noch vor wenigen Wochen eine Gas- oder Gashybridheizung bestellt haben, wollen diese nicht mehr“, erklärt Sven Geiger, Heizungs- und Sanitärfachmann und Innungsmeister im Ostalbkreis. Deren Devise laute: „Weg vom Gas um jeden Preis!“ Das liege nicht nur an den gestiegenen Gaspreisen oder dem Krieg – sondern auch am Verlust des Vertrauens in die Politik, berichtet Geiger. Das Problem: Wer jetzt umplant – oder überhaupt eine neue Heizung will – muss teilweise monatelang warten, denn die Heizungsbauer im Ostalbkreis arbeiten schon seit Jahren am Limit.

„Bereits vor der Corona-Pandemie war die Nachfrage groß, seit 2020 hat sie sich nochmals enorm erhöht“, berichtet auch Alexander Sachsenmaier, Inhaber des gleichnamigen Heizungs- und Bad-Spezialisten aus Göggingen. Das liegt zum einen am Trend, mehr ins Eigenheim zu investieren, zum anderen an den teilweise großzügigen Fördermöglichkeiten des Staates, der Häuslebesitzer den Umstieg aufenergiefreundliche Alternativen erleichtern soll.  „Die Nachfrage ist aktuell exorbitant hoch“, sagt Sachsenmaier. Klaus Zipser, Chef des gleichnamigen Betriebs aus Oberkochen, berichtet von einer „Hysterie, die sich durch die weiter steigenden Energiepreise noch verschärft hat“.

Die Folge: „Die Auftragsbücher sind voll, die Kapazitäten an der Grenze“, sagt Sachsenmaier. Auf einen ersten Beratungstermin müssen potenzielle Kunden teilweise Wochen bis Monate warten, auf den Einbau der neuen Heizung noch länger. Teilweise sei der Ton einiger potenzieller Kunden aggressiv, berichtet Sachsenmaier. Den Handwerkern indes sind die Hände gebunden. „Es gibt nun mal nicht so viele Handwerker, wie man aktuell benötigen würde“, erklärt Zipser. „Wir könnten bei der aktuellen Auftragslage Tag und Nacht arbeiten.“

Früher konnten sich Interessenten mehrere Angebote erstellen lassen und sich hernach in aller Ruhe entscheiden. Heute hat sich die Situation gedreht: „Angesichts der Preissteigerungen der Hersteller und der schwierigen Lieferthematik, sind unsere Angebote nur noch ein bis zwei Wochen gültig“, erklärt Innungsmeister Geiger, der in Ellenberg einen Betrieb mit zwölf Mitarbeitenden führt. In dieser Zeit müsse sich der Kunde entscheiden. Innerhalb der Innung denke man derzeit sogar über eine Angebotsgebühr für Interessenten nach, die bei Auftragserteilung wieder verrechnet werden würde. Das liegt nicht nur an den vollen Auftragsbüchern, sondern auch an der Preispolitik mancher Heizungshersteller, die den Handwerkern zu schaffen machen. Denn auch hier gilt: Die Preise steigen stetig, Gründe sind teurere Kosten für Rohstoffe wie Stahl oder eben für Energie. Beispiel: Der Preis für einen einfachen Heizkörper ist in den vergangenen zwei Jahren um bis zu 40 Prozent gestiegen. Laut Geiger hat die aktuelle Hysterie auch etwas mit der Subventionspolitik des Staats zu tun.

„Durch den plötzlichen Wegfall der Förderung für energieeffizientes Bauen im Januar fragen sich viele,wie lange es die Förderung für eine neue Heizung noch geben wird. Das Vertrauen ist einfach nicht mehr da“, sagt Geiger. Das erhöhe nochmals die Nachfrage.

Öl und Gas ade! Das sind die Alternativen

  • Für viele Häuslebauer gilt nun also die Devise: Raus aus Öl und Gas! Doch was sind die Alternativen? Grundsätzlich gilt, so Alexander Sachsenmaier: „Die Heizung muss zum Haus passen – und zum Kunden!“
    Jeder Heizungsbauer arbeitet deshalb mit einem eigenem Konzept.
  • Gas- und Ölheizungen sind für viele Kunden angesichts der Entwicklungen vor allem eins: tabu. Eine Alternative hierzu sind Hybrid-Anlagen, etwa aus Gas und Wärmepumpe, bei der die Gastherme erst zum Einsatz kommt, wenn die Temperaturen zu stark sinken.
  • Pelletsanlagen sind noch immer gefragt, allerdings steigen auch hier die Preise für den Rohstoff stark gestiegen, was etwa Innungsmeister Sven Geiger überhaupt nicht nachvollziehen kann. Zudem benötigen die Anlagen relativ viel Platz (ein Raum für den Kessel, einer für den Pellets-Tank), der nicht immer vorhanden ist. „Wer zuvor mit einer Ölanlage geheizt hat, ist hier also im Vorteil“ so Alexander Sachsenmaier. Allerdings hat sich die öffentliche Meinung zuletzt überraschend stark gedreht: Befürworteten vor einigen Jahren noch viele Naturschutzverbände Ausbau und Förderung der Pellets-Anlagen, sehen nun manche Holz als Energieträger kritisch. „Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Innungsmeister Geiger. „Vor allem in der Energiewende, weg von den fossilen Brennstoffen, könnten Pelletsanlagen dank ihrer sehr guten Effizienz eine Schlüsseltechnologie sein.“ Andererseits, so erklärt Klaus Zipser, erfordern sie „ein gewisses technisches Verständnis“, etwa bei der Entsorgung der Asche – oder im Fall der Kombination mit einer Scheitholzanlage, die man selbstbestücken muss.
  • Wärmepumpen sind vor allem für energetisch hochgerüstete Neubauten mit (ohnehin zur Pflicht werdenden) PV-Anlage attraktiv, die den benötigten Strom produziert. Bei Bestandsgebäuden entscheidet im Prinzip der energetische Zustand der Immobilie (und die Investitionsbereitschaft des Besitzenden) über das Heizungssystem der Wahl. Denn bei einem schlecht isolierten Altbau steigen die Stromkosten trotz effizienter Wärmepumpe schnell ins Unermessliche.

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