Hensoldt auf Weltraummission

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Hensoldt Optronics und das Max-Planck-Institut für Astronomie Heidelberg (MPIA) haben mit den bei Hensoldt gefertigten Kryomechanismen und den spektral aufspaltenden Optiken entscheidende Beiträge zu zwei Instrumenten an Bord des "James Webb"-Weltraumteleskops geleistet.
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Das James-Webb-Teleskop soll bis in die Zeit des Urknalls blicken. Auch Technik von der Ostalb ist bei der Reise ins Weltall mit dabei.

Oberkochen

Rund 29 Tage dauert die 1,5 Millionen Kilometer lange Reise in die Tiefen unseres Sonnensystems, dann soll das James-Webb-Teleskop tiefer ins Weltall blicken als bislang möglich – und unter anderem „das erste Licht“ erforschen, welches uns aus dem frühen Universum erreicht. Das soll zum Beispiel den Forschern Rückschlüsse auf die Entstehung der ersten Sterne, Galaxien und Planeten im Universum erlauben. Und: Aus den Beobachtungen erhoffen sie sich Erkenntnisse über sogenannte Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Mit dabei auf dieser ambitionierten Mission ins All: Technik des Oberkochener Unternehmen Hensoldt Optronics.

Die Firma hat in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Astronomie Heidelberg (MPIA) mit den sogenannten Kryomechanismen und den spektral aufspaltenden Optiken Beiträge zu zwei Instrumenten mit den Namen „MIRI“ und „NIRSpec“ des Teleskops beigesteuert. Beide Geräte wurden in Europa entwickelt. Das Nahinfrarot-Instrument NIRSpec wurde zum Beispiel von Airbus in Ottobrunn und Friedrichshafen gebaut. Die Spiegel im Innern von MIRI wurden wiederum vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena angefertigt. Das Gerät ist so empfindlich, dass es Kerzenlicht im Abstand von etwa einer Milliarde Kilometer wahrnehmen kann.

Die Anforderungen an das Teleskop und seine Instrumente sind immens. Während des Starts am ersten Weihnachtstag vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana wurden sie zunächst mit einem Vielfachen der Erdbeschleunigung belastet. Danach kühlen die Instrumente im All bis nahe an den absoluten Temperatur-Nullpunkt von -273 Grad Celsius ab. Nachdem sich das Teleskop am Zielort in rund 1,5 Millionen Kilometern, der vierfachen Entfernung zwischen Mond und Erde, entfaltet hat, richten sich der 6,5-Meter große Hauptspiegel des Teleskops und seine astronomischen Instrumente über einen Zeitraum von rund sechs Monaten selbst aus. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit wurde eine so komplizierte Prozedur im All ferngesteuert. Insgesamt 59 einzelne Vorgänge sind existenziell für die Mission. Das Observatorium soll die Wissenschaftler danach in die Lage versetzen, Galaxien in mehreren Milliarden Lichtjahren Entfernung mit höchster Auflösung zu beobachten.

Das „Webb“ ergänzt dabei das Hubble-Teleskop. Der Neuling ist dem seit mehr als 30 Jahren im All arbeitenden Auge ins Weltall aber in verschiedener Hinsicht überlegen, da es auf Spektrografie spezialisiert ist. Damit lässt sich sehr schwaches Licht aus den Tiefen des Weltalls in seine Spektralfabriken zerlegen. Während Hubble für den „sichtbaren“ Teil des Weltalls zuständig ist, sieht Webb das Licht längerer Wellenlängen, etwa Infrarot- bzw. Wärmestrahlung. Das Webb könnte zum Beispiel die Wärmestrahlung eines Insekts auf dem Mond von der Erde aus aufspüren. Mit dieser Technik wollen die Forscher die Frühzeit des Universums nach dem Urknall vor rund 13,8 Milliarden Jahren studieren. Sie hoffen zudem, mit dem Webb chemische Elemente zu finden und zum Beispiel die Atmosphäre von Exoplaneten analysieren zu können. Ließe sich hier Sauerstoff nachwesen, könnte das ein Indiz für die Existenz von Leben sein.

„Mit einem entscheidenden Beitrag zum Teleskop beweist Hensoldt Optronics seine Fähigkeit als hochmodernes europäisches Technologiezentrum in Bezug auf Design, Entwicklung, Produktion und Test von Weltraum-Optronik- und Elektroniklösungen“, teilt das Unternehmen mit. Das Engagement im Raumfahrtgeschäft reiche bis zur Mondlandung und Apollo 11 zurück. Seitdem hat das Oberkochener Unternehmen etwa Technik für Erdbeobachtungsmissionen geliefert und ist auch bei der JUICE-Mission der Esa mit an Bord, die im Sommer 2022 starten und die Eismonde des Jupiters vermessen soll.

  • Die Mission
  • Das Projekt ist nach James Webb benannt, der die NASA in den 1960er-Jahren führte.
  • 30 Jahre dauerte die Entwicklung des Teleskops, das rund zehn Milliarden US-Dollar gekostet hat und eine Kooperation der Weltraumagenturen Nasa, Csa aus Kanada, Esa aus Europa und vielen weiteren Partnern ist.
  • Der erste Start war für das Jahr 2007 geplant, seither hat sich dieser bis zum 25. Dezember 2021 immer wieder verschoben.

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