Hensoldt-Vorstandschef Müller: Wir sind voll auf Kurs

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Am Standort in Oberkochen beschäftigt die Hensoldt AG derzeit 600 Mitarbeiter.
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Massive Investitionen, ein neuer Ankeraktionär und 500 neue Jobs: Die Hensoldt AG sieht sich auf einem guten Weg.

Oberkochen

Die Ausgaben für Verteidigungssysteme und Rüstung steigen weltweit, davon profitiert die Hensoldt AG mit Sitz in Taufkirchen und großem Standort in Oberkochen. "Für die kommenden Jahren haben wir Aufträge mit einem Wert von knapp zehn Milliarden in der Pipeline", erklärte Thomas Müller, Vorstandschef des Herstellers von Rüstungselekronik, bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen des Geschäftsjahres 2020. Begleitet wird das Wachstum von Investitionen in Forschung und Entwicklung – und der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen an allen Standorten rund 500 neue Jobs geschaffen. Auch am Standort Oberkochen stieg die Zahl der Mitarbeiter um 60 auf nunmehr knapp 600. "Wir haben das vergangene Jahr trotz Pandemie unbeschadet überstanden", so Müller. Das liegt auch am größten Auftrag in den vergangenen Jahrzehnten.

Für ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro entwickelt Hensoldt das Radarsystem der neusten Generation des Kampfflugzeugs Eurofighter. Der aktuelle Auftragsbestand liegt bei rund 3,4 Milliarden Euro. "Damit haben wir aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht", ist Müller optimistisch.

Der Umsatz steigt im Jahr 2020 um etwas mehr als acht Prozent auf 1,207 Milliarden Euro. "Wir wachsen – und wir werden operativ immer besser", sagt Müller. Die bereinigte Ebitda-Marge, also das Verhältnis von reinem Gewinn zu Umsatz, liegt bei 18,2 Prozent, wie Finanzchef Axel Salzmann erklärt. Die eigene Nettoverschuldung, die nach der Übernahme durch Investor KKR vor einigen Jahren sprunghaft gestiegen war, hat Hensoldt weiter zurückfahren können. 20 Prozent des Jahresüberschusses will die AG an ihre Aktionäre ausschütten, das entspricht einer Dividende von 13 Cent je Aktie. "Wir sind voll auf Kurs", betont Salzmann.

Wir haben das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Thomas Müller Vorstandschef Hensoldt AG

Vorstandschef Müller ist ebenfalls zufrieden: "Wir haben eine starke operative Performance gezeigt und unsere Erwartung bei allen relevanten Kennziffern erreicht oder übertroffen. Damit schaffen wir uns den finanziellen Spielraum, um weiter in unser Kerngeschäft sowie wichtige Zukunfts- und Schlüsseltechnologien zu investieren."

Hensoldt war im vergangenen Jahr an die Börse gegangen. Das Papier hatte sich nach durchwachsenem Start zuletzt gut entwickelt. Vor einigen Monaten war auch der Bund bei dem bayrischen Rüstungselektronikproduzenten eingestiegen, hält nun 25,1 Prozent der Anteile. Für Müller ist das "ein Vertrauensbeweis. Und es unterstreicht die Bedeutung Sensorik als Schlüsseltechnologie unseres Landes." Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen auf 87 Millionen Euro. "Hensoldt wird weiter in Technologie, Portfolio und Nachhaltigkeit investieren", sagt der Vorstandschef. 2020 hat das Unternehmen den südafrikanischen Radarspezialisten Tellumat sowie die Datenanalysten von Sail Labs in Österreich übernommen. Weitere Zukäufe schließt Müller nicht aus.

Hensoldt profitiert aktuell unter anderem davon, dass vor allem europäische Länder künftig wieder mehr Geld für Verteidigungstechnik und Rüstung ausgeben wollen. Auch der Anteil der Elektronik in den Geräten und Fahrzeugen wird immer größer. So bestand das Kampfflugzeug Tornado vor einigen Jahren noch zu einem Viertel aus Sensoren und Co, beim aktuellen Eurofighter liegt der Anteil bei fast 50 Prozent.

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