H+B Hightech: Mit Schwung in neue Märkte

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Die neu entwickelte 9-Gang Nabenschaltung "Nine" mit Planetengetriebe in der Hinterradachse im Einsatz.
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In wenigen Jahren hat die H+B-Gruppe einen Standort in Adelmannsfelden aufgebaut. Der Autozulieferer will mit neuen Produkten die Fahrrad- und Baubranche erobern.

Adelmannsfelden

Seit 2014 betreibt die H+B-Gruppe in Adelmannsfelden einen Standort. Die Geschäftsführer Robert Heine und Hilmar Wanner bauten in dieser Zeit aus einer neu gegründeten Firma den erfolgreichen Automobilzulieferer H+B Hightech. Trotz eines Rekordjahres 2019 hat das Unternehmen früh die Weichen gestellt, um sich mit strategischen Entscheidungen unabhängiger von der Branche zu machen, die sich nicht nur durch den Wandel zur Elektromobilität mitten im Strukturwandel befindet. Nun erschließt das Unternehmen neue, wachsende Märkte: Mit einer Getriebenabe will die Firma Schwung in den Fahrradmarkt, mit einem Fassadenprofilsystem in die Bauindustrie bringen.

Die Entscheidung, sich breiter aufzustellen, fiel bereits 2018: Damals lag der Schwerpunkt der Firma auf der Herstellung von Komponenten für die Nockensteuerung in Verbrennungsmotoren. Die Geschäfte liefen glänzend, doch Wanner und Heine entschieden, sich unabhängiger von der Technologie zu machen – und eine neue Getriebenabe für den Fahrradbereich zu entwickeln. „Bei der Getriebenabe „NINE“ handelt es sich um eine 9-Gang Nabenschaltung mit Planetengetriebe in der Hinterradachse“, erklärt Heine. Bedeutet für den Fahrradfahrenden: Kein Ritzel putzen, schmieren und Gänge justieren – und weniger Ärger und Kosten. „Das Getriebe ist wartungsfrei und verschleißarm und wird gleichzeitig den steigenden Drehmomenten moderner Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs gerecht“, ergänzt Wanner. Die Adelmannsfeldener haben mit der Entwicklung des Getriebes, das für ein Drehmoment von bis zu 250 Newtonmeter ausgelegt ist, 2020 begonnen. Der erste funktionsfähige Prototyp wurde 2021 gefertigt. „Das Feedback der Hersteller ist sehr gut. Wir planen, die Produktion in den nächsten Jahren auf 250.000 Stück im Jahr auszubauen“, so Wanner.

Der Fahrradmarkt wächst seit Jahren, die Mobilitätswende lässt die Nachfrage weiterwachsen. „Uns als High-Tech-Produzenten kommt entgegen, dass die Qualitätsansprüche bei den Herstellern hoch sind. Hier profitieren wir von unserer Erfahrung mit Kunden im Automobilbereich“, so Heine. Bei der Produktion setzen die Adelmannsfeldener auf eine hohe Fertigungstiefe, viele Komponenten werden vor Ort produziert, bei zugekauften Komponenten setzt man verstärkt auf Made in Germany. „Im Markt gibt es ähnliche Tendenzen. Viele Hersteller setzen auf heimische Zulieferer, da die vergangenen Jahre auch die Lieferketten in dieser Branche zum Wanken gebracht haben“, so Wanner. „Viele Unternehmen wollen ihre Abhängigkeit von Fernost reduzieren.“ Für die Montage der Getriebenabe hat die Firma in Adelmannsfelden einen zweiten Standort (wo einst die inzwischen insolvente BeTec ihren Stammsitz hatte) aufgebaut. Auf einer Gesamtfläche von 4000 Quadratmetern werden die Komponenten fertig montiert. 2023 soll das erste Fahrrad mit der Getriebenabe auf den Markt kommen.

Auch die Baubranche hat die H+B Hightech GmbH in den Blick genommen, genauer gesagt: die Fassaden von Gebäuden. Den eigenen Standort schmückt bereits eine futuristische anmutende Front mit viel Glas, gehalten von H+B-Elementen. „Standard-Fassadenlemente ermöglichen Architekten und Planern nur einen begrenzten Gestaltungsspielraum“, führt Heine aus. Deshalb hat H+B Hightech ein neues Fassadenprofilsystem entwickelt. Darüber hinaus ist die Firma für die Baubranche in den Bereichen Materialbeschaffung und Anarbeitung tätig. Eines der imposanten Objekte:  In Hamburg wird gerade eines der weltweit größten Freiformdächern mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern installiert. Für die Stahlkonstruktion, die das Dach trägt, sind die Adelmannsfeldener der Hauptlieferant, unter anderem von Rohren, Stahlplatten und 4500 komplexer gefräster Aluminiumkonten. „Wir stellen uns gern solchen Herausforderungen“, sagt Wanner.

Die Produktion läuft am rund 6000 Quadratmeter großen Stammsitz größtenteils voll automatisiert ab. „Wir haben in den vergangenen Jahren in die Modernisierung und Automatisierung sowie Industrie 4.0 investiert“, erklärt Heine, der gleichzeitig Vorstandsmitglied der Heine+Beisswenger-Gruppe ist, zu der das Unternehmen gehört. Ebenso früh eingestiegen ist die Firma in den 3-D-Druck. Die gesamten Investitionen in die zwei Standorte, die insgesamt über rund 10.000 Quadratmeter Produktionsfläche verfügen, beziffern die Geschäftsführer auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag seit der Gründung der H+B Hightech. Der Umsatz lag 2021 bei mehr als 35 Millionen Euro.

Bei den Investitionen profitierte die H+B Hightech GmbH von der Rückendeckung der Mutterfirma, der H+B-Gruppe mit Sitz in Fellbach. Das 1901 gegründete Unternehmen, das sich inzwischen in vierter Generation familiengeführt ist, ist im Stahl- und Metall-Großhandel zu Hause und beschäftigt knapp 600 Menschen. Vor knapp zehn Jahren stieg das Unternehmen mit Tochterfirmen in die Produktion ein. Aktuell beschäftigt H-B Hightech rund 100 Menschen und ist damit der größte gewerbliche Arbeitgeber in Adelmannsfelden. 

Die neue Getriebenabe "Nine" erscheint unter der neu entwickelten Dachmarke 3x3 von H+B Hightech.
Blick auf die Fassade des Stammsitzes von H+B Hightech in Adelmannsfelden.
Der neu gegründete, zweite Standort von H+B Hightech in Adelmannsfellden.

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