Ideen aus der Politik für das Handwerk

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HKW-Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich.
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Die Direktkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien haben sich auf Einladung der Handwerkskammer in Schwäbisch Gmünd getroffen: Dabei traten Differenzen hervor.

Schwäbisch Gmünd

Rund 25 500 Menschen arbeiten in den 4100 Handwerksbetrieben im Ostalbkreis. Was sich diese von den Politikern wünschen, haben Vertreter der Handwerkskammer Ulm mit Direktkandidaten der Landtagswahl erläutert. Die Veranstaltung aus der Kreishandwerkerschaft Schwäbisch Gmünd wurde online live übertragen. Bei vielen Unterschieden: Alle sprachen sich für eine Stärkung der handwerklichen Bildung, den Ausbau der Netzversorgung und Bürokratieabbau aus.

"Wir wollen über Landespolitik reden, nicht über Bundes- oder Europapolitik, und wir wollen auch keine Philosophie machen", stellte Moderator Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer klar, nachdem der Aalener AfD-Kandidat Jan-Hendrik Czada bereits in der Vorstellungsrunde von "Einwanderung in die Sozialsysteme" gesprochen hatte.

Auch Edgar Horn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, und die Kreishandwerksmeister Alexander Hamler (Schwäbisch Gmünd) und Katja Maier (Aalen) gestalteten die Diskussionsrunde mit.

Den Wunsch nach einem landesweiten ÖPNV-Jahresticket für Azubis und Meisterschüler zum Preis von 365 Euro – in neun anderen Bundesländern gibt es dies bereits – unterstützten sämtliche Kandidaten. Unterschiede traten beim Thema Bildung hervor.

Während sich Tim Bückner (CDU, Gmünd) für eine Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung aussprach, um die Werkrealschule zu stärken und dabei Zuspruch von Chris-Robert Berendt (FDP, Gmünd) erfuhr, widersprach Dr. Carola Merk-Rudolph (SPD, Aalen): "Man kann nicht ein zehnjähriges Kind in eine Schublade stecken." Gemeinschaftsschulen lehnt Ruben Rupp (AfD, Gmünd) als "Gleichmacherei" ab, wogegen sich Martina Häusler (Grüne, Gmünd) für die Stärkung dieser Schulart aussprach. Besonders gelte es, so Häusler, junge Frauen für handwerklich-technische Berufe zu begeistern.

Alexander Asbrock (Grüne, Aalen) präsentierte gleich mehrere Ideen, um das Handwerk auf der Ostalb zu stärken: einen an Zukunftsthemen wie KI und Robotik orientierten "Grünen Campus des Handwerks" und eine Cluster-Initiative Speichertechnologie.

Wir wollen über Landespolitik reden.

Dr. Tobias Mehlich Handwerkskamemr Ulm

Breitband und Bürokratie

CDU-Kandidat Bückner mahnte Verbesserungen bei der Infrastruktur an: "Das Handwerk, gerade das Baugewerbe, ist auf gute Straßen angewiesen".

Bis 2025 soll es nach dem Programm von Bündnis 90/Die Grünen keine weißen Flecken mehr auf der Breitband- und Mobilfunkkarte im Land geben. Das hob Asbrock hervor. Jakob Unrath (SPD, Gmünd) regte zu diesem Zweck die Gründung einer Infrasturkturgesellschaft an. "Wir wollen Gigabit, Glasfaser und 5G-Ausbau flächendeckend", forderte hingegen Manuel Reiger (FDP), der auch staatliche Gebäude als Standorte für Mobilfunkmasten ins Gespräch brachte.

"Gebündelte Fördermaßnahmen", die Prozesse vereinfachen, sieht Grünen-Kandidatin als probates Mittel, um dem Handwerk Bürokratie zu ersparen. FDP-Mann Berendt plädierte hier für eine Überarbeitung des Unternehmenssteuerrechts und eine Senkung der Grundsteuer, sein Parteikollege Rieger forderte mehr "Generalklauseln" statt detaillierter Vorgaben: "Es muss wieder Normalität einkehren." Tim Bückner (CDU) regte an, bei neuen Verordnungen nach dem Prinzip "One-in-one-out" eine bisherige zu streichen. Für Ruben Rupp (AfD) muss das Land mit Bundesratsinitiativen beim Abbau überregulierender Gesetze aktiv werden.

Für eine Abgabe für Betriebe, die nicht ausbilden, die den Ausbildungsbetrieben zugute kommt, zeigten Häusler (Grüne) und Unrath (SPD) durchaus Sympathie, während sie Reiger (FDP) "in dieser Pauschalität" ablehnt und von Rupp (AfD) ein kategorisches "Nein" zu hören war. Bückner (CDU) schlug stattdessen eine Ausbildungsprämie vor, die vorbildhaften Betrieben ausbezahlt werden könne.

HKW-Hauptgeschäftsführer Tobias Mehlich.
Kreisgeschäftsführer Edgar Horn.
Kreishandwerksmeisterin Katja Maier.
Kreishandwerksmeister Alexander Hamler

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