Ifo-Chef Clemens Fuest: AKW-Laufzeiten verlängern

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Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Institutes, hielt den Festvortrag in der Papierfabrik Palm.
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Ökonom fordert beim Jubiläum der Papierfabrik Palm, das "Wirtschaftsmodell Deutschland" radikal umzukrempeln.

Aalen. Wie kommt Deutschland aus der beispiellosen Wirtschaftskrise? Prof. Dr. Clemens Fuest, Finanzexperte und Präsident des Münchner Ifo-Instituts forderte in seiner Festrede zum 150-jährigen Bestehen der Papierfabrik Palm, das "Wirtschaftsmodell Deutschland" radikal umzukrempeln. Angesichts von Inflation, Angebotsverknappung und wirtschaftlicher Schrumpfung riet er dazu, eingeschlagene Wege wie die Dekarbonisierung und die starke Außenhandelsorientierung zu überdenken.

"Wir können das Energieproblem nur lösen, wenn wir mehr Energie produzieren", sagte Fuest und sprach sich vehement für eine Laufzeitverlängerung der bestehenden deutschen Kernkraftwerke aus. Dadurch, so habe das Ifo-Institut errechnet, würde der Strompreis um vier Prozent sinken. Ebenfalls solle Deutschlands mögliche "erhebliche" Kapazitäten für Erdgas-Fracking nutzen: "In Deutschlands heißt es, Kernkraftwerke und Fracking sollen andere Länder betreiben, aber den Strom und das Flüssiggas möchten wir haben", so Fuest.

Deutschlands Außenhandelsorientierung nach dem Motto "Wenn es China gut geht, geht es uns gut", sei "ökonomisch tadellos": "Leider kommt uns nun die Politik dazwischen", so der Ökonom. Sein Wunsch sei dagegen eine "durchdachte, strategische Außenhandelspolitik auf europäischer Ebene", die mit einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben einhergehen müsse.

Die deutsche Energiewende-Politik nahm Fuest ebenso ins Visier: "Derzeit wird die großartige Vision verfolgt: Wasserstoff für die Grundlast, dazu erneuerbare Energien und sonst nichts. Aber keiner weiß, ob das klappt." Es gelte stattdessen, erst neue die Systeme aufzubauen und dann die alten abzuschalten: "Alle sagen, wir müssen dekarbonisieren. Aber wir müssen vor allem über den nächsten Winter kommen."

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