IG Metall: Warnstreiks möglich

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Kai Burmeister (links) und Josef Mischko von der IG Metall werfen der Arbeitgeberseite vor, die Corona-Pandemie auszunutzen, um tarifliche Standards auszuhöhlen.
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In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie verhärten sich die Fronten. Nächste Verhandlungsrunde am 25. Februar.

Aalen

In den aktuellen Tarifverhandlungen der südwestdeutschen Metall- und Elektroindustrie gibt sich die IG Metall Aalen-Schwäbisch Gmünd kämpferisch. Gebe es in der nächsten Verhandlungsrunde am 25. Februar keine Annäherung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband Südwestmetall, so seien mit Ablauf der Friedenspflicht am 1. März Warnstreiks angesagt: Das betonte der kommissarische 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ostalb, Kai Burmeister.

Zwei bisherige Verhandlungsrunden sind ohne Ergebnis verlaufen. Vor allem die Forderung der IG Metall nach einer Lohnsteigerung von vier Prozent oder einem teilweisen Entgeltausgleich, wenn ein Betrieb krisenbedingt die Arbeitszeit reduziert, weisen die Arbeitgeber zurück. Forderungen der Arbeitgeber wie Einschnitte bei den Schichtzulagen oder Vereinbarungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld künftig nur noch mit Betriebsräten einzeln auszuverhandeln, sind aus Sicht der Gewerkschaft untragbar.

"Wir sind auf Kampf gebürstet und werden unsere Tarifverträge mit Zähnen und Klauen verteidigen", bekräftigt Josef Mischko, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Aalen, die rund 12 000 Mitglieder zählt.

Die Arbeitgeber, so Burmeister und Mischko, wollten die Corona-Pandemie nutzen, um "tarifliche Standards zurückzudrehen und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern". Dabei gehe es einigen Betrieben gar nicht schlecht. Das zeigten aktuell nicht nur die Rekordzahlen des Daimler-Konzerns. Auch eine Umfrage unter Betriebsräten der Ostalb habe gezeigt, dass sowohl Auftragseingänge als auch Aussichten als überwiegend normal oder gut eingestuft würden.

Wir sind auf Kampf gebürstet.

Josef Mischko IG Metall Aalen

"Unser Ziel ist, mit allen durch die Krise zu kommen und Entlassungen zu verhindern", umreißt Burmeister das Anliegen. Zu diesem Zweck strebt die Gewerkschaft Zukunftstarifverträge an, die Unternehmen auch für die kommende Transformation gut aufstellen. Transformation, so der Gewerkschafter, könne nicht einfach Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa bedeuten.

Gleichzeitig fordert die IG Metall, das Entgeltvolumen für 12 Monate um 4 Prozent anzuheben: entweder über mehr Lohn oder einen Teilentgeltausgleich bei Arbeitszeitabsenkung, wenn Beschäftigung gesichert wird. Die Metall- und Elektroarbeitgeber fordern dagegen eine Nullrunde und möchten Lohnerhöhungen erst zulassen, wenn die Wirtschaft wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat. Das sei "rückwärtsgewandt", so die Gewerkschafter. Weitere Forderungen sind tarifliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und für dual Studierende sowie die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten.

Derzeit laufe eine Informationskampagne in den Betrieben. Warnstreiks indes, seien auch unter Einhaltung der aktuellen Corona- und Abstandsregeln möglich – bei Beschäftigten im Homeoffice auch in digitaler Form. Einen Aktionstag auf der Ostalb hat die IG Metall für den 25. Februar geplant: Dieser überschneide sich nun zufällig mit der nächsten Verhandlungsrunde.

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