IHK-Ausschuss diskutiert Klimapolitik

+
In einer hybriden Ausschusssitzung diskutierten im digiZ (v.l.) Dominic Lutz; Dr. Andreas Zielonka, Institutsleiter des Forschungsinstituts Edelmetalle + Metallchemie in Schwäbisch Gmünd; Markus Hofmann; Ulrich Begemann; Prof. Dr. Markus Hölzle und Jürgen Widmann, Geschäftsführer der EVO Informationssysteme GmbH in Durlangen mit den online zugeschalteten Mitgliedern des IHK-Ausschusses.

Experten aus Berlin und Ulm fordern eine praxisnahe und ideologiefreie Diskussion über die Energieversorgung in Deutschland sowie eine globale Klimapolitik mit strategischen Partnern weltweit.

Aalen. Wie sollte eine wirksame Klimapolitik aussehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der IHK-Forschungs- und Innovationsausschuss im Aalener Digitalisierungszentrum DigiZ. Um Treibhausgasemissionen zu reduzieren, bedarf es effizientere Klimaschutzmaßnahmen ohne kleinteilige, kostspielige Steuerung einzelner Technologien, lautet eine Kernaussage von Ulrich Begemann, Mitglied im Fachausschuss für Industrie und Forschung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin, sowie Prof. Dr. Markus Hölzle, Vorstandsmitglied am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in Ulm. „Wasserstoff und elektrischer Strom sind von zentraler Bedeutung, da diese Energieträger ohne Emissionen von CO2 hergestellt werden können.“ Beide Experten informierten nun den regionalen Ausschuss der IHK.

„Um die Klimaschutzziele zu erreichen, ist die Transformation unserer Energiesysteme notwendig. Sie erfordert die Mitwirkung von Unternehmen, Industrie, Verkehr, Politik und Gesellschaft.“ Mit diesem Statement unterstrich der Geschäftsführer von Gaugler & Lutz in Ebnat und Vorsitzender des Ausschusses, Dominic Lutz, dass sich die Herausforderungen zum Erreichen der Klimaschutzziele nur gemeinschaftlich lösen lassen. Im Anschluss informierte Ulrich Begemann über die Leitlinien einer wirksamen Klimapolitik. Begemann machte klar, dass trotz Wirtschaftswachstums die Treibhausgasemissionen in der EU seit 1990 stetig fallen. Gleichzeitig nehmen die Emissionen bei nahezu allen anderen Industrienationen zu. Nicht zielführend sei eine ideologisch motivierte Klimaschutzpolitik, die zu überhöhten Kosten führe, so Begemann. Stattdessen plädiert er für eine sektorübergreifende, technologieoffene und global ausgerichtete Klimapolitik. Begemann: „Für die erfolgreiche Dekarbonisierung brauchen wir Verbündete und strategische Partner auf der ganzen Welt“. Deshalb müssten Deutschland und die EU Vorbild sein, um Klimapolitik so zu gestalten, dass Klimaschutz kosteneffizient und ohne Wettbewerbs- und Wohlstandsverlust umgesetzt werden kann.

Zudem informierte Markus Hölzle über die Herstellung und Speicherung sowie die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten von Wasserstoff. Er erklärte ebenso, dass die aktuelle Diskussion über die Energieversorgung Deutschlands nicht zielführend, da oftmals ideologisch geprägt, sei. Hölzle: „Es gibt eine Zerrissenheit zwischen höheren Zielen und fehlender Technologie. Oft werden auch Fakten ignoriert. Einer davon ist, dass Deutschland nie energieautark sein wird.“

Um sowohl die Energieversorgung sicherzustellen als auch gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen, sei der Wasserstoff das zukünftige Rückgrat und Bindeglied der Energieversorgung. „Wasserstoff ist ein Multitalent und kann effektiv Überschussstrom speichern. Bei Strommangel wird der Wasserstoff dann wieder in Strom zurückverwandelt. Strom und Wasserstoff werden die wichtigsten Energieträger der Zukunft sein.“, so Hölzle.

Zum Abschluss informierte Markus Hofmann, Technologietransfermanager bei der IHK Ostwürttemberg, über die Arbeit der Task Force Wasserstoff des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). Diese habe sich zum Ziel gesetzt, den Dialog über mögliche Lösungen für die Erzeugung und den Einsatz von Wasserstoff zu fördern und die nachhaltige Energiewende in verschiedenen Industriesektoren zu unterstützen.

Eine ideologisch motivierte Klimaschutzpolitik ist nicht zielführend.“

Ulrich Begemann, DIHK

Der IHK-Ausschuss Forschung und Innovation

IIm Forschungs- und Innovationsausschuss engagieren sich derzeit 23 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft. Sie beraten die IHK-Vollversammlung zu forschungs- und innovationspolitischen Fragen.

Neben dem Austausch über aktuelle Entwicklungen ist es Ziel der Ausschussarbeit, die Region Ostwürttemberg als innovativen und forschungsstarken Standort weiterzuentwickeln.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

WEITERE ARTIKEL

Kommentare