IHK: „Lockdown durch die Hintertür“

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Die IHK in Heidenheim.

Die IHK Ostwürttemberg kritisiert die geplante Novellierung der Corona-Verordnung. „2G-Plus-Regel ist ein Schlag ins Gesicht.“

Heidenheim. Die IHK hat sich zur geplanten Neufassung der Corona-Verordnung geäußert – und kritisiert die geplanten Veränderungen, unter anderem die 2G+-Regel, scharf. „Gastronomische Betriebe sind, genauso wie Hotellerie, Freizeit-wirtschaft, Reisebranche und Dienstleister, nicht die Pandemietreiber, gleichwohl ist der IHK Ostwürttemberg und den Unternehmern die Ernsthaftigkeit der aktuellen Lage bewusst“, so die Kammer in einer Mitteilung. „Die 2G-Plus-Regeln bedeuten einen Lockdown durch die Hintertür.“

Die betroffenen Branchen und deren Betriebe hätten alles getan, um für ihre Gäste und Kunden den Besuch sicher zu machen und stets alle politischen Anforderungen umgesetzt. So haben in der Region laut IHK alle Restaurants schon seit fast zwei Wochen die 2G-Regelung eingeführt, ohne Treiber des Pandemiegeschehens zu sein. „Die angekündigte 2G-Plus-Regel ist nun ein Schlag ins Gesicht der Branche und bedeutet in der Geschäftspraxis einen Lockdown durch die Hintertür“, betont Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg. Vor allem die Kurzfristigkeit der Umsetzung sei für die Betriebe der betroffenen Branchen kaum wirtschaftlich sinnvoll realisierbar. „Reservierungen für das Wochenende sind angenommen, Ware ist eingekauft und bereits vorbereitet, das Personal ist eingeteilt.“ Gerade das so wichtige Advents- und Weihnachtsgeschäft sei nun zum zweiten Mal in Folge kaum mehr möglich. Zudem stehen im ländlichen Raum aktuell zu wenige Testkapazitäten zur Verfügung, sodass auch geimpfte Gäste ihre Reservierungen für das Familienessen im Restaurant an diesem Sonntag wohl absagen müssen.

Die Verschärfungen in der Veranstaltungsbrache treffen viele Unternehmen erneut sehr hart. Von den Schaustellern, über die Eventagenturen und Messebauer bis hin zu den Caterern. Sie alle können zum wiederholten Male ihrer Arbeit nicht oder nur unter erheblich erschwerten Bedingungen nachgehen. „Sie stehen am Rande ihrer Existenz. Die Intensität der Maßnahmen, gekoppelt mit der unglaublichen Kurzfristigkeit, machen ein seriöses und verantwortungsvolles Wirtschaften unmöglich“, beklagt Rentschler.

Die IHK weist auch darauf hin, dass viele Händler im Non-Food-Bereich mit den 2G-Vorgaben aktuell bereits mit massiven Umsatzeinbußen kämpfen. Erneut würden, so IHK, Vollsortimenter bessergestellt, die ihr Non-Food-Sortiment weitgehend ohne Einschränkungen verkaufen dürfen. Außerdem verlagerten durch die einseitigen Vorgaben aus der Politik die Umsätze weiter in Richtung Online-Handel und schwächten damit die stationären Einzelhändler in der Region nochmals. „Sollte die Politik auch im Handel über eine Verschärfung zu 2G-Plus nachdenken, dürfte dies zu massiven Wettbewerbsverzerrungen in der regionalen Handelslandschaft führen“, so die IHK weiter.

Die Betriebe aller betroffenen Branchen bräuchten nun erneut unbürokratisch und schnell auskömmliche finanzielle Hilfen vom Bund und vom Land. Nur so bestehe überhaupt eine Chance, dass sie den Corona-Winter wirtschaftlich überleben. Insofern ist aus Sicht der IHK die Verlängerung der Überbrückungshilfe IV auf Bundesebene eine zwingend notwendige Maßnahme, die nun dringend durch die Corona-Hilfen des Landes Baden-Württemberg flankiert werden müssen.

Die IHK in Heidenheim.

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