IHK: Wirtschaft stabiler – Gründungsdynamik positiv

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IHK Gruendungsintensitaeten

Sorge gilt Lieferketten und Pandemie-Entwicklung

Heidenheim.

Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hellt sich nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg zunehmend auf. Vor allem die Industrie erholt sich schnell. Stark betroffene Branchen sind aber weiter unter Vor-Corona-Niveau.

Erfreulich sei jedoch die Entwicklung der Gründungsintensität in Ostwürttemberg, die sowohl im Jahr 2020 als auch im 1. Halbjahr 2021 gestiegen ist. Zudem ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auch dank der Corona-Hilfsprogramme aktuell niedrig. Die IHK bewertet die aktuelle wirtschaftliche Situation aber weiterhin als fragil. Teils massive Probleme in den Lieferketten und die unsichere Entwicklung der Corona-Pandemie sowie die an Fahrt gewonnene Transformation durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit stellten die regionale Wirtschaft vor Herausforderungen.

Die IHK Ostwürttemberg sieht aktuell bei den Unternehmen eine zunehmend positive Stimmung. So habe sich die wirtschaftliche Lage bei vielen Unternehmen in den letzten Monaten deutlich verbessert. Vor allem die Industrie und die unternehmensnahen Dienstleister hätten bei der Geschäftslage weiter deutlich zugelegt. Die besonders durch die Corona-Pandemie betroffenen Branchen, wie Teile des Handels und der Dienstleister sowie die Gastronomie und Hotellerie sind zwar auf Erholungskurs, haben aber nach Einschätzung der IHK in weiten Teilen noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht.

Die befürchtete Welle bei den Unternehmensinsolvenzen sei bisher allerdings ausgeblieben. Hier gibt die IHK aber noch keine Entwarnung, denn nach wie vor gebe es erhebliche Risiken, die aktuell noch durch laufende Corona-Hilfsprogramme abgefedert würden. „Insbesondere der letzte Lockdown hat bei der Liquidität und der Eigenkapitalausstattung vieler Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen. Auch die immer noch bestehenden Herausforderungen in den Lieferketten wie auch die aktuell geringen Fortschritte bei den Impfquoten und die damit verbundene Sorge eines erneuten Lockdowns belasten die Geschäftserwartungen der kommenden Monate. Auch die Transformationsprozesse durch die Megatrends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen“, so Thorsten Drescher, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg.

Corona-Hilfsprogramme weiter nutzbar

Die staatlichen Corona-Hilfsprogramme von Bund und Land stehen den Unternehmen weiter zur Verfügung. Alleine an Corona-Zuschüssen wurden bisher bundesweit rund 51 Milliarden Euro ausbezahlt. Der Antragsstau ist nach Beobachtung der IHK weitgehend abgearbeitet. Noch bis 31. Oktober können die Überbrückungshilfe III für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 und die Überbrückungshilfe III plus für Juli bis September 2021 beantragt werden. Für die Soloselbstständigen gibt es die Neustarthilfe und die Neustarthilfe plus für die gleichen Förderzeiträume. Aus Landesmitteln in Baden-Württemberg kann der Tilgungszuschuss Corona II von Schaustellern, Marktkaufleuten, Veranstaltungs- und Messebranche sowie hart betroffenen Bereichen des Sports wie etwa Fitnessstudios auch bis zum 31. Oktober 2021 beantragt werden. Auch die Härtefallhilfe Baden-Württemberg steht weiter zu Verfügung. Alle Infos hierzu hat die IHK auf www.ostwuerttemberg.ihk.de, Seitennummer 4944674, zusammengestellt.

Hohe Gründungsdynamik

Erfreulich sei die Entwicklung im Bereich Gründungen und Nachfolgen. So habe die Zahl der Gewerbeanmeldungen je 1000 Einwohner, die sogenannte Gründungsintensität, sowohl im Jahr 2020 wie auch im ersten Halbjahr 2021 zugenommen. Die Gründungsintensität in Ostwürttemberg legte von 5,8 im Jahr 2019 auf 6,1 im Jahr 2020 zu. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen insgesamt legte im Vergleich zum Vorjahr im Jahr 2020 um 5,3 Prozent zu. Dieser Trend hält auch im 1. Halbjahr 2021 an. Auch hier stieg die Zahl der Gewerbeanmeldungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nochmals um 12,3 Prozent. Die Gründungsintensität zum ersten Halbjahr 2021 liegt in Ostwürttemberg bei 3,1 und damit auf gleichem Niveau wie 2020.

Auch im Bereich Unternehmensnachfolgen bleibt die Dynamik hoch: Mit 143 Nachfolgen im ersten Halbjahr 2021 ist auch hier ein Zuwachs von 8,3 Prozent zu verzeichnen. Auch in Ostwürttemberg ist der Trend zu Nebenerwerbsgründungen ungebrochen. Im Jahr 2000 war mehr als jede zweite Gründung in der Region eine Nebenerwerbsgründung. Im ersten Halbjahr 2021 war deren Anteil sogar bei 61,8 Prozent. Markus Schmid, Leiter Team Gründung & Unternehmensservice: „Der Rückgang von Gründungen, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl eine wirtschaftliche Substanz erwarten lassen, hält seit Jahren an. Wir dürfen daher mit unseren Anstrengungen in der Start-up Region Ostwürttemberg nicht nachlassen und müssen Menschen mit Gründungsideen unterstützen.“

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