Im Kfz-Gewerbe droht ein harter Tarifkonflikt

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Im Kfz-Gewerbe drohen ab 1. Juni Warnstreiks.

Die Löhne von 55 000 Mitarbeitern des Kfz-Gewerbes werden nun verhandelt. Die IG Metall will vier Prozent mehr Geld und stellt sich auf zähe Verhandlungen ein.

Aalen

Vor der ersten Verhandlungsrunde im Kfz-Gewerbe an diesem Dienstag hat die IG Metall ihre Forderungen bekräftigt. Die Gewerkschaft will vier Prozent mehr Geld für die kommenden zwölf Monate für die rund 55 000 baden-württembergischen Beschäftigten der Branche. Zudem fordert die IG Metall eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, die Möglichkeit zwischen mehr Geld und mehr freier Zeit zu wählen sowie die Fortführung des aktuell geltenden Manteltarifvertrags. Dies hat der Vorstand der IG Metall bestätigt. Der aktuelle Entgelt-Tarifvertrag läuft bis zum 31. Mai, ab dem 1. Juni sind Warnstreiks in den Betrieben möglich.

„Lediglich der Loyalität und dem Engagement der Beschäftigten im Kfz-Handwerk ist es zu verdanken, dass in der Covid-19-Pandemie die wirtschaftliche Situation der Branche konstant bis steigend ist“, erklärt Cynthia Schneider, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Aalen und Schwäbisch Gmünd. „Deshalb haben alle Beschäftigten gute Tarifverträge und gute Arbeitsbedingungen verdient. Dazu gehört, mehr Zeitsouveränität zu erhalten, das bedeutet, selbst zu entscheiden, anstatt Geld mehr Freizeit zu nehmen. Die Forderung nach 4 Prozent mehr Geld ist mehr als angemessen!“

Die Tarifrunde droht konfliktreich zu werden. Vor wenigen Wochen hat der Arbeitgeberverband wesentliche Teile des Manteltarifvertrags zum 31. Mai gekündigt – ohne die IG Metall vorher zu informieren. „Die Arbeitgeber haben diese Tarifrunde mit einem Konflikt begonnen, in den kommenden Wochen bekommen sie die Antwort darauf“, erklärt Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg.

Die Arbeitgeberseite wies die Kritik damals zurück – und verwies auf die derzeitige wirtschaftlich angespannte Lage in de Betrieben. Andres Göritz von der Tarifgemeinschaft erklärte: „Rund 20 Prozent Minus bei den Neuwagenzulassungen und ein Rückgang des Neuwagenverkaufs im Januar um 60 Prozent und im Februar 2021 um 58 Prozent jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat laut einer aktuellen ZDK-Blitzumfrage unter mehr als 2.000 Betrieben - teilweise sind noch weit höhere Auftragseinbrüche je nach Automarke und Betrieb zu verzeichnen.“ Das Kfz-Gewerbe habe im Gegensatz zur Industrie nicht durchproduzieren können.

Cynthia Schneider gibt sich zuversichtlich. „Die Stimmung in den Betrieben ist aufgeheizt, die Teilkündigung des Manteltarifvertrags und der damit verbundenen Arbeitszeitregeln stößt bei den Beschäftigten auf Unverständnis“, sagt die Gewerkschafterin, die zudem Mitglied in der Verhandlungskommission zuversichtlich ist. „Auf diese Art und Weise lassen wir uns von den Arbeitgebern nicht unter Druck setzen, im Gegenteil: Mit ihrem Verhalten bestärken sie uns im Einsatz für gute Arbeitsbedingungen im Kfz-Handwerk.“ Verhandlungsbegleitend würden die Beschäftigten der Mercedes-Benz-Niederlassung in Schwäbisch Gmünd am Dienstag eine „aktive Mittagspause unter Einhaltung der Corona Maßnahmen starten“. Unter dem Motto „Ohne Mampf kein Kampf“ gibt es für alle Beschäftigten Pizzen. Kai Burmeister, erster Bevollmächtigter der IG Metall Schwäbisch Gmünd und Aalen ist während der Aktion vor Ort.

Die Forderung nach vier Prozent mehr Geld ist mehr als angemessen!“

Cynthia Schneider,, Gewerkschaftssekretärin IG Metall

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