Immer mehr Menschen sind arbeitslos

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Die Zahl der Arbeitslosen in Ostwürttemberg steigt weiter.

In der Coronakrise stellen Betriebe kaum noch Beschäftigte ein. Die Zahl der Kurzarbeiter ist auf einem Höchststand. Der Raum Ellwangen kommt bei der Arbeitslosigkeit relativ glimpflich davon.

Aalen

Die Arbeitslosigkeit in Ostwürttemberg ist auch im Mai deutlich angestiegen – eine Folge der Coronakrise. 10 447 Menschen in der Region sind derzeit ohne Arbeit. Das sind 715 mehr als im April und 3097 mehr als vor genau einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 4,1 Prozent und damit so hoch wie seit Langem nicht mehr.

"Die Tatsache, dass die Zunahme an Arbeitslosen im Mai niedriger ausgefallen ist als noch im Vormonat, stellt noch kein Signal für eine Trendwende zum Positiven dar", bewertet Elmar Zillert, Chef der Aalener Arbeitsagentur diese Entwicklung. Wie bereits im Vormonat ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ostwürttemberg im Mai etwas moderater ausgefallen als im Land.

Betriebe stellen nicht mehr ein

Hier erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um 8,0 Prozent. Entsprechend kletterten die Arbeitslosenquoten in Ostwürttemberg um 0,2 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent und im Land um 0,3 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent.

Das größte Problem sind offenbar nicht flächendeckende Massenentlassungen, sondern die Tatsache, dass die Betriebe kaum noch einstellen: Nur 453 Personen wechselten im Mai aus der Arbeitslosigkeit in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das waren 90 Personen weniger als noch im April und 260 Personen oder 36,5 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Die saisonübliche Frühjahrsbelebung blieb aus.

Im Ostalbkreis erhöhte sich die Zahl der arbeitslos Gemeldeten um 457 Personen (7,3 Prozent) auf 6680 Arbeitslose (Arbeitslosenquote: 3,7 Prozent). In Heidenheim nahm sie um 258 Personen (7,4 Prozent) auf 3767 Personen (Quote: 5,1 Prozent) zu.

Während die Arbeitslosigkeit in der Geschäftsstelle Ellwangen gegenüber April um 1,7 Prozent und im Vorjahresvergleich um 19,8 Prozent anstieg, kletterte die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen im Bereich der Hauptagentur Aalen allein im abgelaufenen Monat um 9,4 Prozent.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich hier die Zahl der Arbeitslosen mit einem Plus von 51,9 Prozent mehr als verdoppelt.

Mehr in der Grundsicherung

Den tatsächlichen Umfang der Kurzarbeit können wir erst mit einer Verzögerung beziffern.

Elmar Zillert Arbeitsagentur Aalen

Die Arbeitslosigkeit ist sowohl im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Alg I) in den Dienststellen der Arbeitsagentur als auch bei der Grundsicherung (Hartz IV) in den Jobcentern angestiegen. Bei der Arbeitsagentur waren mit 6012 Arbeitslosen 423 Personen (7,6 Prozent) mehr arbeitslos gemeldet als noch im Vormonat – und 58,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Grundsicherung empfangen nun 4435 Personen, 25 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Im Mai wurden den Agenturen und den Jobcentern in Ostwürttemberg 539 neue Stellen gemeldet. Das sind zwar etwas mehr als im April, aber knapp 60 Prozent weniger als im Mai vor einem Jahr. Nicht zuletzt aufgrund der Covid-19-bedingten Kontaktbeschränkungen – persönliche Beratungen an der Schule oder in der Arbeitsagentur waren seit Mitte März nicht mehr möglich – liegt die Zahl der seit 1. Oktober gemeldeten Bewerber um eine Ausbildungsstelle zum Ende des abgelaufenen Monats mit 2126 um 14,6 Prozent niedriger als noch im Vorjahr. 617 dieser Bewerber sind derzeit noch nicht mit einer Ausbildungsstelle, einem Schulplatz oder einem anderen Angebot versorgt.

Die Schere bei Azubi-Stellen

Diesen Bewerbern stehen aktuell noch 1836 offene Ausbildungsstellen zur Verfügung. "Trotz der Auswirkungen der Pandemie haben wir im Ausbildungsbereich rechnerisch auch weiterhin deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber", so die Arbeitsagentur. Im Mai reichten 351 Betriebe eine Anzeige auf Kurzarbeitergeld bei der Arbeitsagentur ein. Demzufolge sind in Ostwürttemberg mehr als 60 000 Personen von Kurzarbeit betroffen. Diese Zahlen sind jedoch nur Planungswerte der Betriebe. "Den tatsächlichen Umfang der Kurzarbeit können wir erst mit einer Verzögerung von drei Monaten beziffern. Denn so lange haben die Betriebe Zeit, den real entstandenen Ausfall abzurechnen", so Elmar Zillert.

60 000 in Kurzarbeit

Die Kurzarbeit erweise sich in der aktuellen Krise weiterhin als geeignetes Instrument, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Arbeitslosigkeit werde vermieden und den Betrieben blieben eingearbeitete Fachkräfte für die Zeit nach der Krise erhalten.

Gleichzeitig trügen die beschlossenen Erhöhungen der Kurzarbeitergeld-Leistungen dazu bei, die negativen Folgen eines Verdienstausfalls der betroffenen Arbeitnehmer durch länger andauernde Kurzarbeit abzufedern.

Appell an Beschäftigte

Elmar Zillert appelliert insbesondere an die Beschäftigten in Kurzarbeit: "Da wir uns in einem Strukturwandel befinden, würde ich mir wünschen, dass der Arbeitsausfall in den Betrieben von den Beschäftigten noch mehr genutzt wird, um ihre Kenntnisse an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes anzupassen. Auch hier steht die Agentur den Betrieben und Beschäftigten mit Beratung und bei Erfüllung der Förderungsvoraussetzung auch mit finanzieller Unterstützung zur Verfügung."

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