Immobilien: Preise steigen weiter

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Ein Haus im Grünen ist noch immer der Traum vieler Menschen. Das lässt die Preise weiter steigen - der Pandemie zum Trotz.
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Die Corona-Krise kann dem Boom bei Wohnimmobilien bisher nichts anhaben. Auch in der Region steigen die Preise weiter – allerdings mit Unterschieden.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Die Finanzpolitik des billigen Geldes und der Wunsch vieler Menschen nach dem eigenen Heim lässt die Immobilienpreise weiter steigen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts kosteten Wohnimmobilien in Deutschland zwischen Juli und September 2020 durchschnittlich 7,8 Prozent mehr als noch im Vorjahr – es war der stärkste Preisanstieg seit dem vierten Quartal 2016. Wie schon in der Vergangenheit fällt der Anstieg in den mittleren Großstädten mit 10,2 Prozent am stärksten aus.

Doch nun boomt auch das Umland: Die Preise für Häuser in sogenannten "dichter besiedelten ländlichen Kreisen" zogen im Schnitt um 9,7 Prozent, bei Wohnungen lag der Anstieg bei 7,1 Prozent. Im Ostalbkreis ist die Nachfrage nach Immobilien weiter auf hohem Niveau – die Preise steigen, allerdings nicht überall gleich stark. "Der Immobilienmarkt zeigt sich in Corona-Zeiten sehr stabil", erklärt Michael Rieger, Bereichsleiter Baufinanzierung und Immobilien bei der VR-Bank Ostalb. "Die Preise für Wohnimmobilien sind immer noch auf sehr hohem Niveau." Preissteigerungen seien weiter zu beobachten, auch wenn diese nicht mehr so hoch ausfielen wie in den Vorjahren.

Lage

"Bei sämtlichen Objektarten im wohnwirtschaftlichen Bereich waren im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr steigende Preise erkennbar", erläutert Stefan Wiedmann, Geschäftsführer der Klaus & Wiedmann Immobilien in Schwäbisch Gmünd. Michael Eisen, Vertriebsleiter bei der Kreissparkassen-Tochterfirma S Immobilien Ostalb, konstatiert für 2020 eine "sehr stabile Nachfrage bei Immobilien zur Selbstnutzung". Allerdings entwickelten sich Nachfrage und Preise laut Eisen nicht überall in der Region gleich. "Vor allem im Großraum Schwäbisch Gmünd kam es im Sommer zu einem deutlichen Anstieg der Anfragen", erklärt Eisen weiter. Entsprechend stiegen die Preise im Jahresverlauf um bis zu zehn Prozent – und damit etwas stärker als in Aalen sowie anderen Gebieten des Kreises. Das liegt unter anderem an der Lage am Rand des Stuttgarter Speckgürtels, laut Eisen und Wiedmann kämen viele Interessenten für Immobilien im Gmünder Raum aus dem unteren Remstal sowie dem gesamten Stuttgarter Raum.

Unterschiede

Vor allem im Großraum Schwäbisch Gmünd kam es im Sommer zu einem deutlichen Anstieg der Anfragen.

Michael Eisen S Immobilien Ostalb

Doch auch der östlichere Landkreis erfreut sich weiter großer Beliebtheit. "In Aalen ist die Nachfrage weiter intakt und hoch, allerdings gab es durch die vielen Neubauprojekte etwa auf dem Stadtoval zu einer Entspannung des Angebots", sagt Eisen. Insgesamt ist die Nachfrage im gesamten Ostalbkreis weiter höher als das Angebot.

Laut Michael Rieger gibt es trotz der gestiegenen Immobilienpreise im Umland noch immer ein preisliches Stadt-Land-Gefälle. "Die Preise sind in ländlichen Regionen schon immer niedriger. Dies liegt am höheren Angebot und der niedrigeren Nachfrage." Letztere sei aber weiter hoch. "Man kann den Eindruck gewinnen, dass Homeoffice und Kontaktbeschränkungen den Stellenwert des Eigenheims noch erhöht haben", erklärt Rieger. Ebenso sind Wohnimmobilien für viele Kapitalanleger weiterhin ein interessantes Investment, etwa zur Altersvorsorge.

Bei Gewerbeimmobilien ist die Marktlage weniger einheitlich: Während die Nachfrage nach Logistikflächen weiter steige, zeigt sich laut Rieger bei Handels- und Büroflächen eine "eher verhaltene Entwicklung". Dies sieht er als direkte Folge der Pandemie, des Wachstums des Online-Handels und der fortschreitenden Digitalisierung. Die Preise im vergangenen Jahr für Gewerbeimmobilien waren "stabil", wie Eisen erklärt. Nicht nur im Logistik- sondern auch im Produktionsbereich sei die Nachfrage größer als in den anderen Branchen gewesen.

Ausblick

"Die Menschen wünschen sich auch weiterhin, in den eigenen vier Wänden zu wohnen", so Rieger. Zudem locken weiter niedrige Zinsen. Das dürfte beim Blick auf die Politik der EZB weiter so bleiben. Dem Trend entgegenwirken könnte eine angespanntere Lage auf dem Arbeitsmarkt. "Für das laufende Jahr sehen wir grundsätzlich einen weiterhin stabilen Immobilienmarkt", sagt Wiedmann. Sollte die Pandemie länger anhalten, müsse man jedoch von einem Umsatzrückgang ausgehen. Im Bereich der Gewerbeimmobilien dürfte nicht nur viel von der wirtschaftlichen Entwicklung der Firmen in der Region abhängen – sondern ebenso, ob sich der Trend von 2020 weiter fortsetzen wird: mehr Logistikflächen, weniger Einzelhandels- und Büroflächen. Rieger: "Hier hängt viel davon ab, ob und wie sich das Verbraucherverhalten wegen der Pandemie nachhaltig verändert."

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