In der Krise richtig sparen

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Selcuk Özer.
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Die Corona-Krise belastet viele Unternehmen. Versicherungsexperte Selcuk Özer gibt Tipps, wie Firmen mit Versicherungen Geld sparen.

Aalen

Liquidität schaffen und Risiken absichern muss kein Widerspruch sein. "Gerade in der Krise müssen Firmen flüssig bleiben", sagt Selcuk Özer, der in Aalen ein Versicherungsmaklerunternehmen betreibt und an drei Standorten mehr als 2100 Firmenkunden beraten hat und 6500 Verträge betreut. Dabei nimmt der Experte vor allem die Versicherungsbeiträge seiner Kunden ins Visier. Denn hier schlummert Einsparpotenzial.

Betriebshaftpflichtversicherung. Diese wird bekanntlich nach der Höhe des Umsatzes eines Unternehmens berechnet. "Wenn sich die Erlöse in der Krise reduziert haben, sollte das dem Versicherer umgehend gemeldet werden", sagt Özer. So ließen sich schon für das laufende Geschäftsjahr Beiträge senken – die der Versicherer relativ schnell erstattet. "Auch für das kommende Jahr sollte bereits die Umsatzprognose der aktuellen Entwicklung angepasst werden", so Özer. Betriebe können so bereits fürs das kommende Jahr planen.

Inhalts-/Feuerversicherung. Nicht nur der Umsatz kann in der Krise sinken, auch Wert oder Quantität der vorgehalten Waren und Vorräte in einer Produktion zurückgehen oder zumindest schwanken. "Wichtig ist, hier die Versicherungsbeiträge an den aktuellen Warenbestand anzupassen", erklärt Özer. Hier lässt sich monatlich Geld sparen. Für die Versicherer ist das kein ungewöhnlicher Vorgang. "Bei Eisdielen ist das zum Beispiel die Regel."

Betriebsunterbrechungsversicherung. Deren Höhe wird nach dem Jahresrohertrag ermittelt. Dieser lag bei vielen Betrieben vor der Krise teilweise weit über dem aktuellen Niveau. Für die kommenden Monate lässt sich durch eine entsprechende Mitteilung an den Versicherer Liquidität schaffen. "Dabei sollten Firmen Umsatz und Wareneinsatz immer im Blick behalten."

Betriebliche Altersvorsorge. "Innerhalb der Kurzarbeit können Firmen die Beiträge stilllegen", erläutert Özer. Das gilt für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Diese "Corona-Pause" nutzten bereits einige Firmen. "Viele wissen aber nicht, dass das überhaupt möglich ist", so Özer.

Essenziell ist, die eigenen Risiken zu identifizieren.

Selcuk Özer Sel Versicherungsmakler

Betriebsschließungsversicherung. Diese Versicherung betrifft vor allem Hotellerie und Gastronomie - und führte im Frühjahr zu Konflikten, da einige Konzerne die Zahlung an die Betriebe, die wegen der Pandemie schließen mussten, verweigert hatten. Nun zeichnet sich die Lösung ab: Viele Firmen bekommen für bis zu 30 (in Einzelfällen 60) Tage rund 15 Prozent des vereinbarten Tagessatzes (in Einzelfällen bis 70 Prozent) zurück.

Kfz-Flotte. In der Pandemie boomt das Home-Office, die Pendelei entfällt, Dienstfahrten und -reisen werden seltener. Das schlägt sich auf den Kilometerstand vieler Firmenwägen nieder. Özer rät deshalb, die Versicherungen so schnell wie möglich anzupassen und so Beiträge zu sparen. "Eine weitere Option ist die Erhöhung des Selbstbehalts, da bei weniger gefahrenen Kilometer auch die Gefahr eines Schadens geringer sein dürfte."

Allgemein sollten Firmen die Entwicklung im Versicherungsbranche genau im Blick behalten. Viele Versicherungskonzerne bieten den Firmen zahlreiche Hilfestellungen. Dazu gehören nicht nur neue Versicherungen und neue Tarife. "Viele Versicherer bieten Stundungen der Beiträge oder die Verlängerung von Zahlungsfristen", macht Özer deutlich. Die Intention dahinter ist klar: "Die Versicherer haben nichts davon, wenn der Kunde pleitegeht." Und stets, erst recht in der Krise, gelte: Vergleiche zwischen den Versicherern einholen und gegebenfalls wechseln.

Risiken. Wegen der Corona-Krise steigt indes nicht nur der Liquiditätsbedarf. "Essenziell ist zudem, die eigenen Risiken zu identifizieren und entsprechend zu reagieren", rät Özer. Der Experte empfiehlt in jedem Fall eine Rechtsschutzversicherung. Die sei vor allem ratsam, wenn es wegen der Krise zu Kündigungen kommt, gegen die sich Mitarbeiter wehren. "Weiter sollten Firmen den Abschluss einer Forderungsausfall- oder Kreditversicherung intensiv prüfen, damit insolvente Kunden nicht zu einer Gefahr fürs eigene Unternehmen werden."

Kommt es dennoch zu einem Insolvenzverfahren, hilft eine vorab abgeschlossene sogenannte D&O-Versicherung, auf deutsch: Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, die ein Unternehmen für seine Organe und leitenden Angestellten abschließen kann. Und: Özer rät, jenes Risiko im Blick zu behalten, das viele Betriebe trotz der Digitalisierung noch immer sträflich ignorieren - und das gerade in Zeiten vermehrten Home-Offices immer drängender wird: die Cyber-Kriminalität. "Angriffe aus dem Netz können Firmen in den Ruin stürzen", mahnt Özer und empfiehlt dringend eine entsprechende Absicherung.

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