Industrie: Bloß kein zweiter Lockdown

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Die Firmen in der Region möchten den Betrieb aufrecht erhalten. Symbolfoto: pixabay
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Die Unternehmen der Region haben die erste Pandemie-Welle mit Kurzarbeit und Sicherheitsmaßnahmen gut hinter sich gebracht. Nun droht die zweite.

Aalen

Die Covid-19-Infektionen steigen, die Politik verschärft die Präventionsstrategie: Angesichts der Entwicklung warnen Vertreter der Industrie vor einschneidenden Maßnahmen. "Ein zweiter Lockdown wäre existenzgefährdend für zahlreiche Unternehmen in Deutschland", zitieren Zeitungen der Funke-Mediengruppe aktuell Dieter Kempf, den Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Die Industrieunternehmen verschiedener Branchen in der Region bereiten sich auf unterschiedliche Szenarien vor. "Wir sehen mit großer Sorge auf den aktuellen Pandemieverlauf", sagt Dr. Jörg Rieger, geschäftsführender Gesellschafter beim Metallkonzern RUD aus Aalen: "Jede weitere Schwächung der Wirtschaft durch lokale oder gar flächendeckende Lockdowns in unseren Märkten würde die doch derzeit spürbare leichte Erholung gefährden." Bislang sei der Konzern dank Konsequenz in der Umsetzung der Schutzmaßnahmen für die Belegschaft und Sicherheitsmaßnahmen ohne größeren Schaden durch die Pandemie gekommen. Auch wirtschaftlich hätten sich die Folgen bisher in Grenzen gehalten: "Dabei zahlt sich aus, dass wir angesichts der sich schon länger wahrnehmbaren Eintrübungen in den bisherigen Schlüsselindustrien schon frühzeitig weitere, vielversprechende Nischen und Absatzmärkte erschlossen und uns mit neuen Produkten und Dienstleistungen dort etabliert haben", so Rieger. Bei den Arbeitsplätzen sieht Rieger in der Kurzarbeit das entscheidende Überbrückungsinstrument, fügt aber hinzu: "Wir stellen zudem infolge von Prozessoptimierungen die Schwerpunktsetzung vereinzelter Mitarbeiter auf den Prüfstand und passen diese im Einklang mit dem Betriebsrat an die konjunkturbedingten Herausforderungen an."

"Die Krise wird die Weltwirtschaft noch mehrere Monate in Atem halten", heißt es von Varta. Das eigene Geschäft sieht der Ellwanger Batteriehersteller jedoch nicht negativ beeinträchtigt: "Wir produzieren seit Beginn der Corona-Krise weiter durchgehend sieben Tage die Woche im Dreischichtbetrieb", teilt das Unternehmen mit. Umsatzeinbrüche seien nicht zu verzeichnen. "Ob Kunden von Corona betroffen sein werden, müssen wir abwarten", so ein Varta-Sprecher.

Wir sehen mit großer Sorge auf den aktuellen Pandemieverlauf.

Dr. Jörg Rieger RUD

"Voith befand sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Coronakrise in einer äußerst robusten Verfassung", heißt es von dem Maschinenbauer, der alleine am Stammsitz Heidenheim 4000 Menschen beschäftigt. "In Zeiten wie diesen zahlen sich unsere breite sektorale und geografische Positionierung, regional aufgestellte Lieferketten und eine solide Bilanz aus. Auch wenn die Krise sich natürlich in unserem Zahlenwerk niederschlägt, sind wir daher zuversichtlich, dass Voith weiter gut durch die Krise kommen wird und wir gut positioniert sind, um unseren nachhaltigen und profitablen Wachstumspfad fortzusetzen", sagt ein Konzernsprecher. Mit dem Ziel, die Anzahl der in den Betriebsstätten anwesenden Mitarbeiter zu reduzieren, habe Voith das mobile Arbeiten ausgeweitet oder Arbeitszeitkonten und Urlaubstage abgebaut. Der Konzern: "Zudem haben wir umfangreiche Hygiene- und Verhaltensregeln propagiert, Geschäftsreisen auf ein absolutes Minimum beschränkt und gleichzeitig digitale Wege der Kommunikation mit unseren Kunden und untereinander stark ausgeweitet."

Für Weleda, Schweizer Hersteller von Naturkosmetik und Arzneimitteln mit 1000 Mitarbeitern am Standort Schwäbisch Gmünd, ist eine länderübergreifende Task Force, die zweimal wöchentlich kommuniziert, für Covid-Präventionsmaßnahmen zuständig. "Derzeit wird wieder verstärkt Home-Office eingeführt", so ein Unternehmenssprecher. Bis April seien die Geschäfte bei Weleda relativ ruhig gelaufen, dann sei es speziell im Bereich Arzneimittel zu einer "Delle" gekommen. Der Weleda-Standort im französischen Huningue musste wegen des strengen Lockdowns sogar für längere Zeit geschlossen werden. "Wir erwarten nicht die Geschäftszahlen für dieses Jahr, die wir vorher erhofft hatten", räumt der Sprecher ein. Nach "moderater Kurzarbeit" im Juli und August werde bei Weleda nun wieder voll gearbeitet. Die Lieferketten hätten bislang – auch dank Vorratshaltung – keine Probleme bereitet: "Wir sorgen ohnehin vor, da wir bei unseren Rohstoffen auf die Natur und das Wetter angewiesen sind", so der Konzernsprecher. Für die kommenden Wochen hoffe man auf einen "vernünftigen und flexiblen Umgang" mit der Situation.

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