Mit Gmünder Uhren die verlorene Zeit finden

+
Lukas Lutz (links) und Leif Müller.
  • schließen

Start-up-Serie: Lukas Lutz und Leif Müller haben die Uhrenfirma „Zeitbild“ gegründet. Gründer gräbt das vergessene Design seines Vaters aus.

Schwäbisch Gmünd

Der Gmünder Lukas Lutz und der Stuttgarter Leif Müller haben das Start-up Zeitbild gegründet und verkaufen Wanduhren. Wanduhren? „Es hat nicht unbedingt jemand auf die nächste Uhr gewartet“, räumt Lutz ein. Aber der 34-jährige Unternehmer will ja nicht nur eine Uhr erfolgreich am Markt platzieren, „sondern vor allem eine Story“. Er möchte zum Nachdenken über das Thema Zeit anregen, „in die Kreativitätswelt eintauchen“ und dabei einen alten Plan seines Vaters verwirklichen: Jener hat die drei Wanduhren, die es nun zu kaufen gibt, vor fast 32 Jahren entworfen.

Vor drei Jahren, erinnert sich Lukas Lutz, entdeckte er im Elternhaus die Prototypen-Scheiben. Was sei das denn? Die Antwort: Entwürfe für Bahnhofsuhren, die der Grafikdesigner Hans Rüdiger Lutz 1991 geschaffen hat. „Damals war der Kosmos der guten Bedingungen nicht da“, sagte ihm sein Vater. Dann war eben jetzt der richtige Zeitpunkt, dachte sich Lukas Lutz und fand in Leif Müller einen Gleichgesinnten für sein Start-up.

Verständnis von Zeit grafisch umgesetzt

99 Uhren sind jetzt fertig – exakt 33 Stück von jedem der Modelle „Invent“, „Perform“ und „Dream“. Anfang Dezember haben die zwei Firmengründer sie in Stuttgart vorgestellt, einige Exemplare sind schon über den flugs eingerichteten Webshop verkauft worden. „Wir wollen keine Home-24-Shop werden, auch nicht das große Geld verdienen, aber es soll sich tragen“, verrät Lutz, der vor einigen Jahren noch ein weiteres Unternehmen gegründet hat. Während jenes – Engineering und Beratung rund um Batterien – 25 Beschäftigte hat und den Großteil seiner Zeit aufsaugt, soll mit der Zeitbildmanufaktur GbR, kurz Zeitbild, eher Nachdenken über diese Zeit verbunden sein.

Nach Abitur in Gmünd, Studium der Chemie und Physik in der Schweiz, Stationen in Kalifornien, Paris, Oxford und Stuttgart lebt Lutz nun wieder in seiner Heimatstadt. An den väterlichen Prototypen faszinierte ihn die Idee, die aus den alten Skizzen deutlich wurde: „Wir Menschen nehmen Zeit nicht in Sekunden und Millisekunden wahr, sondern in Zeiteinheiten. Gib mir mal eine Sekunde, es ist fünf vor zwölf, kurz vor drei.“ Dieses Verständnis von Zeit setzen die Zeitbild-Uhren in grafische Muster um. Zahlen sucht man vergeblich.

Im befreundeten Leif Müller – der Sohn des Ex-Fußballstars Hansi Müller ist als Musikproduzent und DJ in der Stuttgarter Kreativszene kein Unbekannter – fand er einen Mitstreiter. Schwieriger als gedacht war dann aber der Weg vom Entwurf zur Uhr. Und mit zwei Jahren auch länger.

Siebdrucker in Reutlingen, Manufaktur im Schwarzwald

Schließlich stießen die beiden auf einen Reutlinger Siebdrucker, der hauptsächlich im künstlerischen Bereich tätig ist. Dessen Team schaffte es auch, die Vorlage in eilne exakte CAD-Druckdatei umzusetzen. Im Schwarzwald fanden Lutz und Müller die Firma „Schär Zeiger, Uhrenteile und Komponenten“ als Produzenten: „Dort scheint die Zeit in den Sechzigerjahren stehengeblieben“, merkt Lukas Lutz an. Großen Wert legten die beiden auf nachhaltige Materialien für die Uhren selbst und ihre Verpackungen.

Es klappte: Zwei Tage nach der Präsentation waren schon zehn Bestellungen im Webshop aufgelaufen. Lutz und Müller fuhren die ersten Uhren kurzerhand selbst aus – in einem Radius zwischen Heidenheim und dem Schwarzwald. Weitere Exemplare gehen nun per Post auf die Reise. Die Gründer denken schon weiter. Sie haben Kontakt aufgenommen mit Künstlern, die Entwürfe für weitere Wanduhren gleicher Größe realisieren. Die Uhren in kleinen Auflagen sollen Sammlerstücke sein. Gleichzeitig möchten die Gründer Zeitbild zu einer Plattform machen: für die Beschäftigung mit dem Thema Zeit.

Zurück zur Übersicht: Innovation

Kommentare