Kein Interesse an großen Logistikflächen

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Thomas Häfele
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Wie Neresheims Bürgermeister Thomas Häfele die aktuelle Entwicklung der örtlichen Wirtschaft sieht. Von Bernhard Hampp

Neresheim

Thomas Häfele leitet seit 2018 als Bürgermeister die Geschicke der Härtsfeldstadt. Im Interview mit Wirtschaft Regional berichtet er über Neuigkeiten am Wirtschaftsstandort Neresheim.

Frage: Zum Zeitpunkt des letzten Neresheimer Standortporträts in der Wirtschaft Regional im Sommer 2019 war von einer Pandemie noch keine Rede. Was hat sich sonst am Wirtschaftsstandort Neresheim getan?

Häfele: Sehr wichtig für den Wirtschaftsstandort ist das neue Gewerbegebiet „Im Riegel Nord“, für das jetzt der Bebauungsplan verabschiedet worden ist. Nun beginnt Mitte April die Erschließung. Gegenüberliegend dem bestehenden Gewerbegebiets Riegel, auf der anderen Seite der Landesstraße, entstehen zehn Hektar neue Gewerbeflächen.

Wie groß ist das Interesse an diesen Flächen?

Es gibt eine ganze Reihe von Interessenten, darunter sind Neresheimer Unternehmer, die sich vergrößern oder aus den Teilorten herziehen möchten, aber auch Firmen von außerhalb. Wenn alle Interessenten tatsächlich Grund erwerben, sind wir schon wieder ausverkauft.

Nicht weit von Neresheim, beispielsweise zwischen Nattheim und Oggenhausen , entstehen große Logistikparks. Ist so etwas auch im Neresheimer Gewerbegebiet denkbar?

In diese Richtung ist in Neresheim nichts geplant. Wir haben auch kein Interesse an so einer Ansiedlung, da sind sich Verwaltung und Gemeinderat einig. Das sind riesige Flächen, die belegt werden, und kaum Arbeitsplätze, die entstehen.

Was sind aktuelle Bauvorhaben und Investitionen der Neresheimer Unternehmen?

Wenn man zurückblickt seit dem letzten Standortporträt hat sich im Gewerbegebiet einiges getan. So konnte die Firma GtA in der bereits bestehenden Halle die Produktionsfläche erweitern und das Bürogebäude aufstocken. Die Firma Safety First² setzte einen Neubau um. Die Firma OBN, Objektbau Neresheim hat eine große Halle direkt an der L1084 errichtet. Und auch die Firma Concept & Service hat sein Gebäude im Gewerbegebiet um ein Stockwerk erweitert. Ebenso stehen Betriebserweiterungen bei der Firma Modellbau Keller sowie Firma Wagner an. Zudem ist die Firma EYPro ins Gewerbegebiet gezogen und hat sich dabei vergrößert

Mit der Seelig +Co Feinblechbau musste im März 2020 ein Neresheimer Unternehmen Insolvenz anmelden und die Sanierung in Eigenverwaltung beantragen. Ende 2021 dann die Nachricht, dass zwei regionale Investoren den Betrieb übernehmen.

Wir sind froh, dass diese Angelegenheit ein gutes Ende genommen hat. Jochen Weiss und Markus Konold haben das Unternehmen übernommen und die Arbeitsplätze am Standort Neresheim konnten alle gehalten werden.

Große Erweiterungspläne gibt es auch bei der Samariterstiftung in Neresheim.

Ja, hier wurde bereits im vergangenen Jahr das Richtfest gefeiert. Das ehemalige Haus am Sohl war stark in die Jahre gekommen, umso mehr freuen wir uns über die Standorttreue und das Bekenntnis zu Neresheim: Der gesamte Wohnbereich und die Werkstätten werden komplett neu gebaut.

Neresheim ist ein starker Standort für soziale und medizinische Einrichtungen. Wie hat sich hier die Pandemie ausgewirkt?

Die Pandemie hat sicherlich viele Dinge in diesem Bereich komplizierter und angespannter gestaltet. Viele Pflegekräfte sind ausgefallen, aber die Arbeit wurde nicht weniger. Das gilt für das Pflegeheim im Samariterstift, ebenso wie Sozialstation und das Fachkrankenhaus.

Hat die Stadt Neresheim wegen Corona auch weniger Gewerbesteuer eingenommen?

Da hatten wir keine großen Rückgänge, was sicherlich auch an den verschiedenen Hilfspaketen lag. Aber angesichts der anhaltenden Sorgen mit der Pandemie und dem Ukraine-Krieg ist es nicht ausgeschlossen, dass es dieses oder nächstes Jahr zu Verschlechterungen kommt.

Wie weit sind die Pläne für ein weiteres medizinisches Zentrum, zusätzlich zum Ärztehaus, gediehen?

Mittlerweile ist das Grundstück nahe dem bestehenden Ärztehaus an einen Investor verkauft. Ende vergangenen Jahres wurde der Vertrag unterschrieben. Wir hoffen, dass zeitnah in die Planungen eingestiegen wird und ein weiteres medizinisches Zentrum, am besten mit Fachärztinnen und Fachärzten, entsteht.

Ein Dauerbrenner ist die Belastung der Neresheimer Altstadt durch den Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße B 466. Kommt eine Umgehung?

Wir haben das Thema aktiv angegangen. Im vergangenen Jahr hat der Neresheimer Gemeinderat eine Resolution verabschiedet. Der Kreistag hat sich im November einstimmig hinter die Stadt Neresheim gestellt und deshalb haben wir jetzt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Geprüft werden soll, ob die in den 1980-er Jahren geplante Trasse, die eine Umfahrung von Neresheim und Ohmenheim vorsieht, umsetzbar ist.

Das Veranstaltungsprogramm in Neresheim – wie andernorts – hat in der Pandemie gelitten. Geht es wieder verstärkt los?

Wir konnten auch während der Pandemie vieles umsetzen, etwa im vergangenen Sommer das Programm „Blühendes Neresheim“ mit Konzerten im Stadtgarten oder das Landesmusikfestival im September, das wir mit einem guten Hygienekonzept umgesetzt haben. Jetzt wird es wieder ein Gesamtjahresprogramm geben, in den vergangenen Wochen waren bereits das Tourneetheater Stuttgart und die Band „Füenf“ zu Gast. Im Juni gibt es das Sommer-Open-Air mit DJ Ötzi und Anna-Maria Zimmermann. Und Ende Juni können wir hoffentlich im dritten Anlauf unser Stadtfest wieder feiern.

In neuem Glanz erstrahlt das Freibad Kösingen, das im Sommer wiedereröffnet wurde.

Ja, es wurde nun eine größere Sanierung als ursprünglich geplant. Zunächst sollten ja nur das Becken und die Technik auf Vordermann gebracht werden. Dann haben wir aber die Pandemie-Zeit genutzt, um auch das gesamte Gebäude mit Kiosk, Umkleiden und Toiletten zu sanieren. Insgesamt hat die Sanierung 2,4 Millionen Euro gekostet.

Wann ist dieses Jahr die Eröffnung?

Die Schwierigkeit ist leider, dass unser Bäder-Betriebsleiter uns in Richtung Gotha verlässt, um dort Bäder-Geschäftsführer zu werden. Ein Nachfolger ist bereits eingestellt, muss aber erst eingearbeitet werden. Im schlimmsten Fall wird es Juli, wir hoffen, aber schon zu Pfingsten zu starten.

Wie ist der aktuelle Stand beim Kloster Neresheim?

Momentan ist das Tagungshaus geschlossen. Die Abtei ist im Gespräch mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart wegen einer möglichen Sanierung des Tagungshauses. Im April wird das leerstehende Tagungshaus allerdings zunächst Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen. Zunächst sind bis zu 65 Personen vorgesehen.

Welche Investitionen in Betreuung und Bildung stehen an?

Bei den Kindergärten haben wir das gleiche Problem wie fast alle Gemeinden, dass Betreuungsplätze fehlen. Vergangenes Jahr wurde die Kinderkrippe in Ohmenheim gebaut, sie ist mittlerweile voll besetzt. Außerdem wurde in Schweindorf der Naturkindergarten eröffnet, auch er füllt sich zunehmend. Wir sind gerade an der Überlegung für einen neuen Kindergarten mit mindestens zwei Gruppen. Die Verwaltung schlägt vor, ihn in Neresheim im Gebiet Sohlhöhe, in der Nähe des bestehenden evangelischen Kindergartens zu bauen. Die Sanierung der Härtsfeldschule mussten wir bisher aus finanziellen Gründen schieben, nun lässt sie sich aber nicht mehr schieben. Der Kostenrahmen mit circa zwölf Millionen Euro ist nicht ohne: Wir sind gerade dabei, verschiedene Förderungen zu klären und ein Finanzierungskonzept zu erarbeiten.

Wie geht es mit der Breitbandversorgung weiter?

Die vergangenen Jahre sind wir mit der Übergangstechnologie FTTC (Breitband bis zum Verteilerkasten) vorangeschritten. Nun werden im Rahmen des Weiße-Flecken-Programms alle Grundstücke mit Glasfaser erschlossen, in denen die Übertragungsrate schlechter als 30 Mbit/s ist. Die Investition beträgt hier rund sieben Millionen Euro. Anschließend folgt das Graue-Flecken-Programm, das auch die Anschlüsse betrifft, die langsamer als 100 Mbit/s sind. Hier sprechen wir von einem Volumen von 20 Millionen Euro. Davon werden jeweils 90 Prozent gefördert – anders würde es auch gar nicht gehen.

 

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