KfW-Förderstopp: „Eine mittlere Katastrophe“

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Der Traum vom Eigenheim wird immer teurer: Nicht nur die steigenden Baukosten belasten Häuslebauer, nun fällt auch die KfW-Förderung weg.
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Ende Januar hat die Regierung die Förderung für den energiesparenden Wohnbau eingestellt. Die Folgen könnten drastisch sein – auch im Ostalbkreis.

Aalen

Für viele Häuslebauer kam die Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel: Am 24. Januar verkündete das Bundeswirtschaftsministerium den kurzfristigen Stopp der KfW-Fördermaßnahmen für energiesparenden Wohnbau. Einige Tage später dann eine halbe Rolle rückwärts: Bereits gestellte Anträge, 4000 davon von privaten Bauherren, werden noch bearbeitet. Der Topf ist jedoch auf eine Milliarde Euro und für die Förderung von KfW40-Vorhaben beschränkt. Alle, die die ursprünglich noch bis 31. Januar laufende Förderung beantragen wollten, gehen leer aus. Ein Nachfolgeprogramm wird es zwar geben, doch das dürfte noch eine Weile dauern.

Auch Bauherren im Ostalbkreis sind davon betroffen. „Die Förderung war ein sehr prominentes Programm mit hohen Volumina“, erklärt Olaf Hepfer, Vorstandsmitglied bei der VR-Bank Ostalb. Zwar seien der Bank laut seinem Vorstandskollegen Ralf Baumbusch „keine Projekte bekannt, die sich deshalb verschoben haben“, doch werde man die Folgen des Förderstopps erst in den kommenden Wochen konkret spüren. Jürgen Hornung von der VR-Bank Ellwangen wiederum berichtet von einigen Vorhaben im Ellwanger Raum, die „nun in der Luft hängen“. Er sagt: „Bauherren benötigen stabile Rahmenbedingungen und Verlässlichkeit. Beide ist angesichts des Förderstopps nicht gegeben.“

Klar ist: Die Förderung für KfW-55-Projekte wäre zum 31. Januar ohnehin ausgelaufen. Das haben die Banken ihren Kunden auch frühzeitig kommuniziert. „Wir haben empfohlen, die jeweiligen Anträge so früh wie möglich einzureichen“, erklärt Holger Kreuttner von der Kreissparkasse Ostalb. „Teilweise wollten Kunden den Zuschussantrag allerdings über ihren Architekten bzw. Energieberater direkt stellen“, so Kreuttner. „Ob dies immer rechtzeitig gelungen ist können wir nicht beurteilen. Das wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.“

Einen Baustopp auf den Baustellen im Kreis fürchten die Banken nicht. „Die Nachfrage nach Immobilien ist im Kreis deutlich höher als die Nachfrage“, erläutert Baumbusch. Zudem, so Kreuttner, seien „laufende und bereits bewilligte Projekte nicht betroffen“. Allerdings gebe es „einen gewissen Unmut über die Art und Weise und die Kurzfristigkeit der Kommunikation durch die Regierung“.

Nicht nur private Bauherren sind von dem Aus für die Förderung betroffen. Bei einigen geplanten Mehrfamilienhäusern werde laut Jürgen Hornung von Investoren nun die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Projekte überprüft. „Das kann im Endeffekt zu steigenden  Verkaufspreisen oder Mieten führen“, so Hornung. Oder dazu, dass sich Investoren für einen geringeren Baustandard entscheiden.

Keine Überraschung also, dass kommunale Bauträger wie die Gmünder VGW von dem Aus  massiv betroffen sind. „Der Förderstopp ist eine mittlere Katastrophe“, sagt Geschäftsführer Celestino Piazza. Am Ende werde das Aus vor allem die Mittelschicht auf der Suche nach Wohnraum treffen – in Form von steigenden Preisen bei Kauf oder Miete. Piazza rechnet vor: Der Kaufpreis einer 85-Quadratmeter-Wohnung im KfW-40-Standard steige ohne Förderung um 430 Euro pro Quadratmeter, bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung sogar um 600 Euro. Bei einem Reihenhaus fehlten bei KfW-40 nun 37 500 Euro. Bei Projekten der VGW, deren Konzept die spätere Umwandlung von Reihenhäusern in zwei Wohnungen als Option vorsieht, wäre es sogar das Doppelte. Hinzu kämen die Baukosten, die im Jahr 2021 um 15 Prozent gestiegen seien und die immer höheren Energiekosten, etwa für Strom oder Gas.  „Wie soll eine junge Familie das alles finanzieren können?“, fragt Piazza. Über die versprochene Förderung von einer Milliarde Euro sagt er: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Das reicht niemals aus, davon wird in der Fläche kaum etwas ankommen.“

Auch für die VGW selbst hat der Förderstopp Konsequenzen. Eigentlich wollte das Unternehmen einen neuen Bauhof errichten, hier würden 1,1 Millionen Euro an Förderung fehlen, für ein Projekt mit 24 Wohneinheiten kommt Piazza auf einen fehlenden Zuschuss von 900 000 Euro. Entsprechend seien die Folgen für den Mietwohnungsbau die Folgen dramatisch. „Die Kaltmiete würde sich um 80 Cent bis 1 Euro pro Quadratmeter und Monat erhöhen.“

Eigentlich wollte die VGW in den kommenden zehn Jahren 100 Millionen Euro investieren. Jetzt sagt Piazza: „Bei uns muss jedes Projekt auf den Prüfstand.“ Ähnliches erwartet er von anderen Investoren. Mit einem neuen Förderprogramm rechnet er nicht vor 2023. „Ich bin gespannt wie sich das auf den Immobilienmarkt und auch die Baukonjunktur auswirkt“, sagt er und zieht ein Fazit: „So kann man keine Politik machen.“

Wie soll eine junge Familie das alles finanzieren können?"

Celestino Piazza, VGW-Chef über Immobilienpreise
  • Alternativen zur gestoppten Förderung
  • Alternativen. Wer ein Vorhaben mit dem Standard EFH 55 geplant hat, muss sich nach anderen Optionen umschauen. Wer in diesem Jahr nach EFH 40 bauen will und seinen Antrag bis zum 24. Januar eingereicht hat, kann vom Fördertopf profitieren, der aber auf eine Milliarde Euro begrenzt ist. Anschließend soll es ein Folgeprogramm für die Förderung geben. Auf die künftigen Förderbedingungen müssen Bauherren noch warten – oder sich Alternativen suchen. „Auch Bundesländer, Regionen und Kommunen bieten lukrative Förderungen für klimafreundliche Neubauten“, so Oliver Adler von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. So gebe es bei der L-Bank Baden-Württemberg bis zu 240.000 Euro als zinsloses Darlehen für Familien, wenn der Neubau entsprechende Energieeffizienzkriterien erfüllt.
  • Banken kontaktieren. „Regionale Förderungen ersetzen die KfW-Programme nicht, können aber die Budgetlücke verkleinern und geben planerische Sicherheit. Noch ist unklar, wie schnell die KfW neue Förderprogramme auflegt“, so Adler. „Zuverlässige Informationen zu diesen Förderungen erhalten angehende Immobilienbesitzer bei lokalen Banken und Energieberatern.“
  • Steuern sparen. Ein weiterer Weg ist die Steuerrückerstattung: Ob Wärmedämmung, Fenster- oder Heizungstausch – sind die Anforderungen erfüllt, lassen sich laut Adler bis zu 20 Prozent der Kosten für die energetische Sanierung mit der Steuererklärung geltend machen. „Welcher Weg für die betroffenen Bauherren jetzt der richtige ist, hängt von der Art und dem Umfang des Vorhabens ab. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und mit dem Baufinanzierungsberater oder dem Energieberater nach einer neuen Lösung zu suchen“, rät Adler.

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