Kursbremse Gaspreis: Das müssen Anleger jetzt wissen

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Börsenkurse

Aktienexperte Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, nimmt Stellung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten.

Aalen

Der Krieg und die Ukraine und die Folgen haben starke Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, äußert sich zur aktuellen Lage.

Herr Fischer, seit unserem letzten Gespräch Anfang März haben sich die Börsen kaum vom Fleck bewegt. Eine Entspannung der russischen Invasion der Ukraine und dessen Folgen für die Energieversorgung Europas scheint nicht in Reichweite. Der deutsche Leitindex DAX notiert seither bei etwas über 13 000 Punkten. Folgt dieser Seitwärtsbewegung ein weiterer Ausbruch nach unten?

Herbert Fischer: "Die Tiefststände der großen Indizes verzeichneten wir in der Jahreshälfte. Seit diesem Zeitpunkt haben sich die Kurse der Indizes: DAX; Euro Stoxx50 und Dow Jones um circa 8 Prozent erhöht. Beim S&P 500 waren es 11,6 Prozent, beim Nasdaq 100 waren es 14,2 Prozent. Vergleichbar war es auch bei unserem WAC-Fonds mit 8 Prozent. Unüblich positiv ist die Reaktion der Kurse auf die Zinserhöhung der EZB. Die Börsenweisheit, dass Zinserhöhungen schädlich für die Börse sind, hat sich nicht bewahrheitet. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird die Beherrschbarkeit der Energiekrise sein."

Der historisch hohen Inflation im Euroraum hat nun die Europäische Zentralbank letzte Woche den Kampf angesagt. Mit der stärksten Leitzinsanhebung seit Euro-Einführung folgt die EZB den Zentralbanken der USA und Großbritanniens. Ist dies der Befreiungsschlag?

"Inflation ist meist die Folge eines Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage. Preise steigen, wenn sich ein bestimmtes Warenangebot verknappt. Gerissene Lieferketten und der Krieg in der Ukraine, verbunden mit Sanktionen gegen Russland und deren Gegenreaktion im Energiesektor, gehören zu den Hauptverursachern. Die genannten Faktoren behindern die klassische Wirkung der Inflationsminderung durch steigende Zinsen. Nicht grundlos prognostiziert aktuell das ifo-Institut einen weiteren Anstieg der Inflation in Deutschland bis auf 10,5 Prozent."

Mit großem Medienecho wurde vergangene Woche bekannt, dass der Volkswagenkonzern seine Sportwagentochter Porsche im Herbst an die Börse bringen möchte. Was ist von diesem IPO zu erwarten?

"Es lohnt ein kleiner Rückblick. 2009 wollte der Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den großen VW-Konzern übernehmen und hatte sich verzockt. Porsche musste von VW gerettet werden. Grundsätzlich bedeutet eine IPO (Börsengang) für das Unternehmen einen erleichterten Zugang zu frischem Kapital und eine erhöhte Liquidität der Unternehmensanteile. Mit der geplanten Maßnahme befreit sich das Autowerk Porsche weitgehend aus dem Einfluss des VW-Konzerns und die Familien Piëch und Porsche verstärken ihren Einfluss auf den Sportwagenbauer."

Trotz der angespannten Lage an den weltweiten Finanzplätzen strömen eine Vielzahl von jungen Menschen an die Börse. Entscheidender Unterschied zu vorherigen Anleger-Generationen ist die Beachtung der sogenannten ESG-Kriterien von Finanzprodukten. Diese haben eine ökologische, soziale und nachhaltige Unternehmensführung im Fokus. Investieren Sie unter Einhaltung der ESG-Kriterien?

"Nachhaltige Fonds und ETFs sind eine weitere Bereicherung der breiten Palette an Investmentfonds. In der Zusammensetzung dieser Fonds finden wir Aktien, die auch wir im Depot haben. Bei der Auswahl neuer Aktien für unser Depot meiden wir Aktien aus dem Bereich der Wehrtechnik, sind aber aufgeschlossen für die Auswahl unter ESG-Kriterien. Unser Grundsatz bleibt die breite Streuung auf verschiedene Bereiche und Branchen."

Laut vielen Experten steht uns ein kalter Winter bevor. Wirtschaftsminister Robert Habeck (B90/GRÜNE) schwört die Bürger bereits aufs Sparen ein und hofft auf die Wirkung der entworfenen Gasumlage. Welche Auswirkung hätte die Verschärfung der Gaskrise auf Wirtschaft und Börse?

"Die Auswirkung wäre enorm negativ. Der extrem angestiegene Gaspreis ist bereits eine Bedrohung für kleinere und kapitalschwache Betriebe. Sollten Gaslieferungen ausbleiben, kommt es nicht nur zum Produktionsstillstand, sondern auch zur Zerstörung von Produktionsanlagen, zum Beispiel in der Glas- und Stahlindustrie. Vergleichbar schwierig ist es auch in der Stromversorgung beim aktuellen Preisanstieg. Ob mit der schwerfälligen deutschen Bürokratie rechtzeitig und ausreichend geholfen wird, bleibt abzuwarten." Von Matthias und Wilfried Kapfer

Herbert Fischer.

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