Lage der Wirtschaft spitzt sich zu

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Politischer Austausch bei der IHK in Heidenheim.

Die regionalen Bundestagsabgeordneten sind bei der IHK zu Gast – und bekommen wenig Erfreuliches aus der Wirtschaft zu hören. Lob für die Zukunftsoffensive, die selbst in Berlin Thema ist.

Heidenheim

Zu einem politischen Austausch kamen die regionalen Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier, Roderich Kiesewetter und Ricarda Lang (digital zugeschalten) und Vertretenden der IHK zusammen. Dabei war nicht nur die sich immer weiter zuspitzende konjunkturelle Lage in der regionalen Wirtschaft ein wichtiges Thema – denn auch, dass sich die Region mit der Zukunftsoffensive auf den Weg gemacht hat, hat sich inzwischen bis nach Berlin herumgesprochen.

IHK-Präsident Markus Maier ging zunächst auf die aktuelle besorgniserregende Lage der Unternehmen in Ostwürttemberg ein: „Die Ergebnisse unserer aktuellen Konjunkturumfrage zeigen: Geschäftslage und Geschäftserwartung sind so getrübt wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Nur noch jedes dritte Unternehmen beschreibt seine wirtschaftliche Lage als ‚gut‘. Im Frühjahr waren es noch 50 Prozent der Unternehmen.“ Das größte wirtschaftliche Risiko stellen die Energie und Rohstoffpreise (86,2 Prozent) dar. Mit etwas Abstand folgen Fachkräftemangel und Inlandsnachfrage (jeweils 56 Prozent).

Markus Frei, Mitglied der IHK-Vollversammlung und Vorstandschef der KSK Ostalb, ergänzte, dass sich auch in Finanzbranche und Immobilienwirtschaft eine dramatische Lage abzeichne. Die Herausforderungen bringen die Unternehmen der Region sukzessive in Liquiditätsengpässe und der Immobiliensektor sei seit Sommer am Boden. Unternehmen könnten die gestiegenen Preise nicht weitergeben und kämpften mit großen Gewinnrückgängen. „Auch die Bauwirtschaft ist unter Druck, bei dem jetzigen Preisniveau sind keine Neubauten mehr möglich. Und das bei der angespannten Wohnungssituation“, so Frei.

IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler ist zuversichtlich, dass mit der Initiative „Zukunft Ostwürttemberg“ Lösungen gefunden werden. „Transformation ist anstrengend, aber machbar.“ Um die Krise zu meistern, gelte es, sich zu unterstützen und zu kooperieren. Unterstützung seitens der Politik sei für die Zukunftsinitiative unerlässlich. „Ostwürttemberg soll Modellregion werden und so werden wir gemeinsam Strategien für Forschung und Innovation entwickeln und auch die Rahmenbedingen für die Unternehmen schaffen.“

IHK-Präsident Maier unterstrich: „Wirtschaft braucht Politik und Politik braucht Wirtschaft.“ Weitere Themen waren Fachkräftesicherung, Energie und Wasserstoff. Für die Fachkräftesicherung in der Region und bei seinem Unternehmen machte sich Dr. Christian Müller, Vizepräsident der IHK und Zeiss-Vorstand, stark. Zeiss habe die duale Ausbildung verstärkt und investiere weiter in der Region. Doch ohne genügend Wohnraum und funktionierende Mobilität sei es schwierig, Fachkräfte zu gewinnen. Zudem bereite die Entwicklung der Studierenden in den Ingenieurberufen große Sorgen. Um wieder Zeit in Innovationen und Entwicklungen stecken zu können, sei eine Entbürokratisierung notwendig: „Hiervon kommt bei den Unternehmen aber bislang wenig an. Im Gegenteil: Wir sehen aktuell einen bedrohlichen Trend zu mehr Regulierung und Bürokratisierung, der viele Unternehmen in einer ohnehin schon sehr herausfordernden Zeit zusätzlich stark belastet.“

MdB Leni Breymaier bat um Beispiele für die Bürokratiehemmnisse in den Unternehmen und sagte Unterstützung beim Einwanderungsgesetz zu. „Aber lassen Sie mich vor allem der IHK und Ihren Partnern den herzlichsten Glückwunsch zur Initiative Zukunft Ostwürttemberg aussprechen, hier werde ich in Berlin von vielen darauf angesprochen und bin stolz Teil dieser Region zu sein“, so Breymaier. MdB Roderich Kiesewetter sagte: „Welch Meisterstück uns in der Region mit der Initiative Zukunft Ostwürttemberg gelungen ist.“ MdB Ricarda Lang war digital zugeschaltet und unterstrich: „Wir müssen die nächsten Jahre im Blick haben und uns weder bei Energie, noch Technologien abhängen lassen.“

Gesprächsthemen waren darüber hinaus Abbau von Hürden, wie Einreisereglungen bei Auszubildenden oder die Anerkennung von Abschlüssen. Aber auch die Erreichbarkeit und Bearbeitungsdauer bei Botschaften seien ein Hemmschuh, wie auch die in Baden-Württemberg noch geltenden Studiengebühren, so die Vertreter der IHK. Bei der EATA in Ellwangen waren Kiesewetter und Rentschler sich einig: Hier muss es schnell gehen und sie muss bekannt werden – über Ellwangen hinaus.

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