Leicht-Chef: „Für einfache Dinge sind wir nicht gemacht“

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Stefan Waldenmaier ist seit April 2002 Vorstandschef der Leicht AG, feiert also das 20-jährige Jubiläum. Seither ist das Unternehmen, das zur Welle Holding gehört, stetig gewachsen. 2021 feierte die Firma ihr 90-jähriges Bestehen. Derzeit arbeiten rund 730 Menschen für Leicht an den Standorten in Waldstetten und Schwäbisch Gmünd. Der Umsatz lag 2021 bei rund 160 Millionen Euro.
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Leicht-Chef Stefan Waldenmaier über das neue Werk in Gmünd, den Küchenmarkt und Investitionen am Stammsitz in Waldstetten. 

Waldstetten. Der Küchenbauer Leicht hat massiv in den Ausbau einer neuen Fabrik in Schwäbisch Gmünd investiert. Im Interview erklärt Vorstandschef Stefan Waldenmaier, ob sich die Investition auszahlt, wieso der Stammsitz in Waldstetten nun umgebaut wird und warum der Online-Handel für den Küchenbauer überhaupt keine Rolle spielt.

Wie ist Leicht durch die Corona-Krise gekommen? Wie hat sich diese auf Geschäft und Standorte ausgewirkt?

Stefan Waldenmaier: Wenn man die Corona-Krise als Zeitraum von Frühjahr 2020 bis jetzt definiert, sind wir bis dato sehr gut durch diesen gekommen. Wir sind auf 160 Millionen Euro Umsatz gewachsen, von 149 Millionen Euro im Jahr 2019 kommend. Leicht hat also ein sehr gutes Wachstum von acht bis zehn Prozent in dieser Zeitspanne hinter sich. Das hat gepasst. Allerdings hatten wir Corona-bedingt Lieferprobleme. Vor allem in der Vorlieferantenszene gab es immer wieder Produktionsausfälle und Materialabrisse, was auf unsere Fertigung negative Auswirkungen hatte, weil rechtzeitig bestellte Ware eben nicht rechtzeitig in der Produktion eingetroffen ist. Das führte manchmal zu unvollständigen Lieferungen. Wir haben hier also einiges zu tun. Zudem hatten wir wegen der Pandemie teilweise zwar mit einem erhöhten Krankenstand in der eigenen Produktion zu kämpfen, aber diese Auswirkungen waren weit weniger gravierend als die strapazierten Lieferketten. In Summe sind wir aber gut durch die zwei Jahre gekommen.

Die Lieferkettenproblematik beschäftigt die Wirtschaft. Ist für Leicht absehbar, wann diese endet?

Die Verfügbarkeit an Ware ist jetzt stabil, aber die Preissteigerungen sind außergewöhnlich und extrem herausfordernd: Wir haben durchweg höhere Preise in den Bereichen Papier, Stahl, Energie und allen voran bei den Holzwerkstoffen. Hier lagen die Preise fast 40 Prozent oberhalb des Niveaus zu Beginn der Pandemie. Das führt dazu, dass wir selbst die Preise erhöhen mussten, jedoch waren wir nicht in der Lage, die gestiegenen Kosten in diesem Ausmaß an unsere Kunden weiterzugeben, wie wir es aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich hätten tun müssen. Als Folge ist eine Belastung auf der Ergebnisseite durchaus sichtbar.

Ist diese Preisproblematik ein temporäres Problem oder wird sich diese fortsetzen?

Nach allem, was wir hören, ist noch kein Ende abzusehen. Uns liegen bereits Ankündigungen für weitere Preiserhöhungen vor. Die Frage ist nicht, ob, sondern lediglich, wann diese kommen werden – und wie hoch sie ausfallen.

Wie stark belastet diese Entwicklung das operative Ergebnis?

Dazu werde ich keine Zahlen nennen. Die Belastung ist schmerzhaft, aber wir sind dennoch ein gesundes Unternehmen.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Geschäftsjahr 2021? Wie hat sich der Küchenmarkt insgesamt entwickelt?
2021 war ein gutes Jahr. Wenn man die jüngsten Statistiken zu Grunde legt, sind wir besser als der Markt gewachsen. Sogar deutlich besser als der Markt hat sich Leicht vor allem im Auslandsgeschäft entwickelt.

Am Stammsitz Waldstetten gab es nach Eröffnung von Werk 2 in Gmünd 2021 einige Veränderungen…

Das vergangene Jahr war geprägt von der Inbetriebnahme von Werk 2 am Gügling, wo wir hochautomatisch Korpen herstellen. Die Fronten werden von Waldstetten dorthin transportiert, im Werk 2 findet auch die Verladung stattfindet. Die Verlagerungsarbeiten, etwa im Bereich der Logistik, von Werk 1 nach Werk 2 werden noch bis zum Sommer andauern. Nach außen sichtbar ist, dass kaum noch Lkw oder Container in Waldstetten zu sehen sind. Innen bauen wir das Stammwerk derzeit zurück und treiben die Planungen für den Ausbau des Standorts zum Kompetenzbereich für die Fertigung von Fronten, Wangen, Abdeckböden oder Regalen voran. Das wird der künftige Schwerpunkt des Waldstetter Werks als Zulieferbetrieb für Werk 2. Entsprechend werden wir in den kommenden Jahren in dieses Werk investieren.

Wie hoch ist die Investitionssumme?

Das kann ich jetzt noch nicht beziffern. Und wenn ich es könnte, würde ich es nicht hier nicht sagen (lächelt). Es wird durchaus eine größere Summe werden. 

Wie läuft die Produktion am neuen Standort auf dem Gügling?

Das Jahr des Anlaufs war wie zu erwarten sehr herausfordernd. Ein komplett neues Werk mit einer Vielzahl von neuen Maschinen, sehr hoher Automatisierung und mit einem neuen Datenmodell während einer globalen Pandemie samt Lieferkettenproblematik in Betrieb zu nehmen, hat uns schon stark gefordert. Aber Stand heute sind wir sehr glücklich über das Werkskonzept und über das, was wir da gebaut haben. Es ist ein toll funktionierendes, sehr effizientes Werk.

Welche Bedeutung hat das Online-Geschäft für Leicht?

Keine. Eine Online-Vermarktung von Leicht Küchen könnte nur funktionieren, wenn wir einfache Produkte herstellen würden – und für einfache Dinge sind wir nicht gemacht. Nichtsdestotrotz haben wir unsere Online-Aktivitäten ausgebaut, generieren über unsere Webseite sehr viele Suchanfragen nach Händlern und erzeugen so eine große Nachfrage nach Leicht bei den Händlern. Das praktizieren wir bereits mit gutem Erfolg und wollen das weiter vorantreiben. Aber der direkte Verkauf von Küchen über das Internet ist für uns kein Ansatz.

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