Mahle streicht Stellen in Lorch

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Standort von Mahle in Lorch: Hier arbeiten aktuell noch 190 Mitarbeiter für den Stuttgarter Konzern.
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Der Konzern schließt den Standort Gaildorf – auch am Standort im Remstal geht der strikte Sparkurs von Mahle nicht spurlos vorbei. 35 der 190 Stellen sollen wegfallen.

Lorch.

Der Mahle-Konzern hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, in Deutschland 2000 Stellen streichen zu wollen. Nun hat der Zulieferer seine Pläne konkretisiert – mit Folgen für die Fabriken in der Region. Der Standort in Gaildorf soll bis zum Jahr 2023 komplett geschlossen werden, 290 Arbeitsplätze fallen weg. Dort hatten bereits am Donnerstag die Beschäftigten gegen die Pläne protestiert. Die Lorcher Niederlassung soll es zwar weitergeben, allerdings mit weniger Mitarbeitern als bislang.

Aktuell sind dort 190 Menschen beschäftigt, laut einer Anfrage dieser Zeitung bei Mahle sollen 35 Stellen wegfallen. "Der Abbau soll möglichst sozialverträglich ablaufen", sagt Ruben Danisch, Sprecher des Stuttgarter Konzerns. Einzelheiten nannte er mit Verweis auf die nun anstehenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern nicht.

Als Gründe für den Abbau an den Standorten führt Mahle, wie andere Autozulieferer zuvor, die Transformation der Autobranche an. Die habe bereits vor Corona begonnen, aber durch die wirtschaftlichen Belastungen während Pandemie an Dringlichkeit gewonnen. Der Sparkurs zielt darauf ab, "Mahle angesichts einer nachhaltigen Transformation der Branche und einer schwächeren Entwicklung der globalen Märkte in den kommenden Jahren strukturell und technologisch neu aufzustellen und damit die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern", schreibt der Konzern in einer Mitteilung.

Die Niederlassung in Lorch ist das älteste Filterwerk außerhalb Stuttgarts und wurde im Jahr 1954 gegründet. Der Standort fertigt Filter für namhafte Automobilhersteller und den sogenannten Aftermarket (zu deutsch: den Verbrauchermarkt). In der Kunststoffspritzerei werden Kunststoffgehäuse und Komponenten für Aktivkohlefilter und Ölnebelabscheider produziert. Zum Produktportfolio gehören überdies Öl- und Kraftstofffilter, Öl- und Kraftstofffiltermodule, Ölnebelabscheider, Aktivkohlefilter für Kraftstoffdämpfe, Lufttrockner für Bremssysteme, Aggregateträger und Halter sowie Filter für Fahrzeughydraulik. Zudem werden Blechteile für die Produktion hergestellt. Das Werk hat eine eigene Ausbildungsabteilung.

Ebenfalls vom Stellenabbau betroffen ist das Werk in Schorndorf. Hier sollen 95 der bisher 440 Stellen wegfallen. In Schorndorf ist das europäische Zentrallager für den Mahle-Aftermarket angesiedelt. Aktuell umfasst das Produktportfolio Motorenteile, Filter, Turbolader, Thermostate, Kompressoren, Werkstattausrüstung, Starter, Generatoren, Elektromotoren sowie Steuer- und Leistungselektronik.

Der Abbau soll möglichst sozialverträglich ablaufen.

Ruben Danisch Mahle-Sprecher

Schließung des Gaildorfer Werks "unumgänglich"

Neben Gaildorf wird auch das Werk im sächsischen Freiberg geschlossen. Bei beiden Werken sieht Mahle "keine Perspektive für eine wirtschaftliche und nachhaltige Aufstellung im Wettbewerbsumfeld", eine Schließung sei "unumgänglich". Auch an den anderen Standorten in Deutschland fallen Arbeitsplätze weg.

Besonders betroffen sind nach Angaben Mahles die Zentrale in Stuttgart sowie die Produktionsstandorte in Mühlacker/Vaihingen, Neustadt, Rottweil sowie St. Michael in Österreich. Darüber hinaus werde es laut des Konzerns ebenso an den europäischen Standorten zu einem Stellenabbau kommen. Der Konzern hat den Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrates sowie den Europäischen Betriebsrat informiert, nun sollen "zeitnah" die Gespräche mit den jeweils zuständigen Arbeitnehmervertretern vor Ort starten.

Mahle ist mit einem Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro im vergangenen Jahr und weltweit 77 000 Mitarbeitern der viertgrößte deutsche Automobilzulieferer. Der Umsatz war im Vergleich zu 2018 um eine halbe Milliarde gesunken. Das operative Ergebnis (Ebitda) halbierte sich von 1,4 Milliarden auf 700 Millionen Euro. Unterm Strich stand ein Konzernjahresfehlbetrag von 212 Millionen Euro.

Bereits seit zwei Jahren baut der Konzern in Reaktion auf den Strukturwandel Personal ab, weltweit fielen bisher rund 6700 Stellen dem Sparkurs zum Opfer, 7600 sollen nun weltweit folgen, 2000 davon in Deutschland. Zwar investiert Mahle seit Jahren in alternative Geschäftsfelder – unter anderem gibt es ein E-Bike von Mahle – doch noch immer hängen 40 Prozent am Umsatz mit Verbrennern, für die Mahle unter anderem Kolbensysteme, Zylinderkomponenten, Ventiltriebsysteme oder Klimatisierungssysteme entwickelt und herstellt.

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