Mapal kürzt auch in Pforzheim

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Bei Mapal WWS protestierten laut der Gewerkschaft IG Metall rund 250 Menschen gegen den geplanten Stellenabbau.
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Nicht nur am Aalener Stammsitz fallen Stellen weg. Warum bei der Tochterfirma Mapal WWS 100 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen.

Aalen/Pforzheim.

Der Sparkurs des Traditionsunternehmens Mapal führt auch an weiteren inländischen Standorten zu einem Abbau von Arbeitsplätzen. Bei Mapal WWS in Pforzheim will der traditionsreiche Präzisionswerkzeughersteller rund 101 Stellen streichen. Dagegen haben die Belegschaft sowie die Gewerkschaft IG Metall nun protestiert.

So versammelten sich laut Angaben der Arbeitnehmervertreter rund 250 Beschäftigte, um gegen den Sparkurs zu demonstrieren. Neben den 101 Stellen stehen laut Darstellung von Betriebsrat und Gewerkschaft zudem Bestandteile des Tarifvertrages wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die kommenden zwei Jahre zur Disposition.

Betriebsratsvorsitzender Eduard Dokter erklärt: "Wir haben ein Zukunftskonzept vorgelegt, mit dem betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden können. Es beinhaltet eine Arbeitszeitverkürzung, ein Freiwilligenprogramm, einen Zukunftsprozess und ein Qualifizierungsprogramm über das Qualifizierungschancengesetz. Damit haben wir eine klare Vision, mit einer Zukunft für alle Kollegen."

Mapal hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, wegen der massiven Absatzkrise und des dramatischen Strukturwandels in der Automobilindustrie zum ersten Mal in seiner Geschichte Stellen streichen zu müssen. Die Autohersteller und deren Zulieferer sind für mehr als die Hälfte des Mapal-Umsatzes verantwortlich.

Wir haben ein Zukunftskonzept vorgelegt.

Eduard Doktor Betriebsratschef Mapal WWS

Die für Mapal zweitwichtigste Branche, die Luftfahrtindustrie, steckt ebenfalls in einer tiefen Krise. In Folge dieser Entwicklungen waren die Umsätze von Mapal bereits 2019 unter Druck geraten – nachdem das erste Quartal noch das beste der Firmenhistorie gewesen war. Das Unternehmen reagierte zu Beginn diesen Jahres mit einem Sparprogramm und Kurzarbeit. Die Corona-Pandemie verschärfte die Situation dramatisch, die Erlöse brachen weg. Am Ende steht ein Stellenabbau.

In Aalen werden in den kommenden zwei Jahren rund 320 Stellen abgebaut. Am Standort sind aktuell rund 1800 Mitarbeiter beschäftigt. Am Standort in Pforzheim sind rund 520 Menschen für Mapal WWS tätig.

Wie das Stammhaus war auch die Dependance an der A8 in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Dort werden einfache bis hochkomplexe Hochleistungs- und Hochpräzisionswerkzeuge in der weltweit größten und modernsten Fertigungsstätte für PKD-Werkzeuge entwickelt und produziert. Der Standort fungiert als Kompetenzzentrum für diese Art von Werkzeugen. Das Unternehmen gehört seit 1994 zur Mapal-Gruppe. Gegründet wurde WWS im Jahr 1980 von Werner Stief, der auch nach der Übernahme durch Mapal noch lange am Standort operativ tätig blieb.

Die Protestveranstaltungen bei Mapal WWS fanden im Rahmen der bezirksweiten Kampagne der IG Metall Baden-Württemberg unter dem Motto "Solidarität gewinnt" statt, so der Pressesprecher der IG Metall Pforzheim, Arno Rastetter. Nicht nur bei Mapal WWS wurde protestiert, auch gegen den Sparkurs von Mahle regt sich Widerstand. Insgesamt stehen bei den Autozulieferern im Raum Pforzheim rund 2000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

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