Mapal: „Noch nicht da, wo wir hinwollen“

+
Der Standort von Mapal in Altenstadt wurde kräftig ausgebaut.
  • schließen

Die Firma hat ein „ordentliches Jahr 2021“ hinter sich. Die Herausforderungen für den Präzisionswerkzeughersteller werden wie auch für alle anderen Unternehmen größer – und vielfältiger.

Aalen

Dr. Jochen Kress hat sich alle Mühe gegeben. „Ich habe sie ordentlich geputzt, aber aus meiner Glaskugel werde ich nicht schlau“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Präzisionswerkzeugherstellers Mapal lächelnd und meint damit: Prognosen sind in diesen Tagen für Unternehmen so gut wie unmöglich. Mapal fährt wie viele anderen Firmen derzeit auf Sicht, zu drastisch sind die Veränderungen der Rahmenbedingungen, sei es klimatischer, geopolitischer oder brancheninterner Natur. Das Jahr 2021, das die Aalener Firma mit einem soliden Wachstum von 14 Prozent und einem Umsatz von 524 Millionen Euro abgeschlossen hat, ist dafür ein gutes Beispiel.

So konnte Mapal in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres richtig gute Geschäfte machen. Dann ließ die Chipkrise die Nachfrage aus der Automobilindustrie, die zu den größten Abnehmern von Mapal-Produkten gehört, erheblich einbrechen. Zum Jahresende wuchs der Bedarf an Reibahlen und Co wieder deutlich an. Am Ende steht ein Ergebnis, mit dem Kress zufrieden ist. Zahlen zum Gewinn lässt er sich zwar nicht entlocken, aber er sagt: „2021 war für uns ein sehr ordentliches Jahr, ohne Chipkrise wäre es sogar ein super Jahr geworden. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.“

Das Auf und Ab ist inzwischen zur Gewohnheit geworden: 2017 war Mapals bislang bestes Jahr gewesen, danach lief es durchwachsen, erst kam die Nachfragekrise in der Autoindustrie, 2020 Corona, 2021 der Halbleitermangel und 2022 der Ukraine-Krieg, dessen Folgen nicht absehbar sind. „Ich mag das Wort Herausforderung eigentlich nicht, aber deren Zahl ist so groß wie selten zuvor.“ Kress nennt zuerst den Klimawandel. „Dieser wird sich fundamental auf alle Lebensbereiche und auch alle Wirtschaftsbranchen auswirken. Das wird auch unsere Firma verändern.“ Geopolitisch sei „die Stabilität weg“. Der demographische Wandel verschärfe den Fachkräftemangel. Und die Energieversorgung? Die werde „auf einmal zum Kostenfaktor“.

Mapal hat sich angesichts der Herausforderungen bereits 2020 neu aufgestellt, dazu gehört eine neu strukturierte Geschäftsführung, die am 1. September durch Dr. Karin Jenuwein als Personalchefin und Matthias Cöster als Finanzchef komplettiert wird. Neben der noch immer wichtigen Autoindustrie erschließen sich die Aalener neue Branchen. Im Bereich Fluidtechnik hat man laut Kress bereits „ein Verständnis für den Markt entwickelt und schöne Erfolge erreicht“. Für den Zielmarkt Werkzeug- und Formenbau hat Mapal sich mit einem verschlankten Produktportfolio, einem neuen Online-Vertrieb und einer Firmenübernahme gut aufgestellt.

Trotz der ungewissen Entwicklung investiert Mapal weiter in seine Standorte, 2022 summieren die sich auf insgesamt rund 34 Millionen Euro. In Indien wird derzeit der Standort in Coimbatore erweitert. „Indien wird angesichts der Entwicklung in Asien an Bedeutung gewinnen“, erläutert Kress. Künftig könne man durchaus sowohl von einem chinesischen als auch einem asiatischen Markt sprechen, so unterschiedlich entwickelten sich die Regionen zuletzt. Ebenfalls investiert wird in Polen, wo Mapal zuletzt einige Erfolge erzielte, sowie im schwäbischen Altenstadt, wo die Fabrik der Tochterfirma Miller zu einem Kompetenzzentrum für Vollhartmetallwerkzeuge ausgebaut wurde.

Trotz der defekten Glaskugel wagt Kress einen Ausblick für die Entwicklung im aktuellen Jahr. Er rechnet mit einem Umsatz von etwa 560 Millionen Euro, was einem Wachstum von 5 bis 6 Prozent entsprechen würde. „Bis jetzt ist die Entwicklung gut. Wir wissen aber nicht, wie’s wird“, erklärt er. Immerhin: Die Effekte der Chipkrise ließen derzeit nach – doch die Liste der Risiken und Herausforderungen ist (siehe oben) lang.

Hinzu gesellt sich die aktuelle Tarifrunde: die IG Metall hatte 8 Prozent mehr Lohn gefordert – für viele gebeutelte Zulieferer könnte das Folgen haben. „Die Lage in der Metallbranche und den Betrieben ist momentan sehr unterschiedlich“, sagt Kress. Während die Autobauer trotz langer Lieferzeiten Rekordgewinne einfahren, steht anderen, kleineren Betriebe in der Lieferkette zuvor „das Wasser bis zum Hals“, wie er formuliert. Die Abhängigkeit von der Autoindustrie will die Aalener Firma weiter reduzieren, auch wenn der Mapal-Chef betont, dass sie ein wichtiger Kunde bleibe. Insgesamt gilt: „Die Richtung, in der wir unterwegs sind, passt.“

Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Gesellschafter von Mapal.
Wird am 1. September neuer Finanzchef von Mapal: Matthias Cöster.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Kommentare