Milliardenaufträge für ZF

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Der ZF-Konzern baut weltweit Stellen ab, große Aufträge im Bereich der Elektromobilität könnten aber auch neue Jobchancen eröffnen. Archiv-
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Trotz hoher Verluste im Corona-Jahr 2020 trägt die Neuorientierung hin zur E-Mobilität erste Früchte. Am Standort Alfdorf will man die Transformation mitgestalten.

Alfdorf

Der Automobilzulieferer ZF blickt trotz hoher Verluste im Corona-Jahr 2020 optimistisch in die Zukunft: Grund sind neue Milliardenaufträge für elektrische Antriebskomponenten. Wie ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider bei der Vorstellung der Jahresbilanz erklärte, könnten durch die geglückte Transformation hin zur Elektromobilität der im vergangen Jahr kommunizierte Abbau von weltweit 15 000 Stellen teilweise abgefedert werden. Am Standort Alfdorf, wo ZF mit 1700 Mitarbeitern Insassenschutzsysteme für die Automobilindustrie entwickelt und produziert, hofft man trotz hohen Kostendrucks die Belastungen für die Beschäftigten so gering wie möglich zu halten.

"Wir entwickeln keine Produkte mehr, die ausschließlich für konventionellen Antrieb geeignet sind", gab Scheider die Marschrichtung vor. Stattdessen versucht sich der Konzern unter anderem als Softwareanbieter, hat in derr Division Electrified Powertrain Technology konventionelle, Hybrid- und rein elektrische Antriebstechnologien für Pkw gebündelt und setzt auf ein großes E-Mobility-Schulungsprogramm für die Mitarbeiter. Kern des Produktprogramms für die E-Mobilität seien die Wechselrichter (Inverter) als zentraler Bestandteil der Leistungselektronik. "In diesem Segment wollen wir Marktführer in Europa werden und unter den Top-Anbietern weltweit sein", betonte Scheider.

Bis Ende 2020 hat ZF Aufträge für elektrische Antriebskomponenten mit einem Umsatzvolumen von 14 Milliarden Euro für die Jahre bis 2025 gewonnen. Dieser positive Trend habe sich in den ersten Monaten dieses Jahres mit weiteren neuen Aufträgen fortgesetzt. Die langfristige strategische Neuausrichtung von ZF werde nun in den Bereichen Elektronik, Software und autonomes Fahren weiter forciert.

Die schrittweise Abkehr vom Verbrennungsmotor betrifft den Standort Alfdorf nicht direkt. Allerdings ist auch hier die Transformation spürbar. Der Wandel führt hier zu intelligenten, "mitdenkenden" Sicherheitssystemen. "Außerdem werden aufgrund der Elektromobilität Komponenten wie Sicherheitsgurte für niedrigeres Geräuschverhalten optimiert", so ein ZF-Sprecher auf Anfrage: "Zudem arbeitet der Standort eng mit anderen Konzernbereichen daran, die passive Sicherheitstechnik über Software-Plattformen eng mit aktiver Sicherheitstechnik und der entsprechenden Sensorik zur Erfassung des Fahrzeugumfelds und des Fahrzeuginnenraums zu vernetzen. Hier sieht ZF sich als Systemanbieter für das Software-definierte Fahrzeug der Zukunft."

Im Alfdorfer Betriebsrat sieht man den konzernweiten Transformationstarifvertrag als geeignetes Instrument, um negative Folgen für die Beschäftigten gering zu halten. Er sieht unter anderem einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2022 vor.

Unser Standort ist jeden Cent wert.

Daniel Sauerbeck Betriebsrat ZF Alfdorf

Zukunftsstrategie ausgehandelt

Laut dem Alfdorfer Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Betz haben vergangenes Jahr weit über 100 Beschäftigte die sozialverträglichen Möglichkeiten für Altersteilzeit und Abfindungen angenommen. "Wir arbeiten während der Laufzeit des Tarifvertrages Transformation daran, dass so wenig wie möglich Beschäftigte von einem Abbau betroffen sein könnten", so Betz. Für die Zeit nach 2022 werde man allerdings "mit Personalveränderungen rechnen müssen".

Konzernweit wurden vergangenes Jahr 6450 Stellen reduziert, davon rund 2000 in Deutschland. Weil aber gleichzeitig Stellen in den Bereichen Elektromobilität, autonomes Fahren und Softwareentwicklung geschaffen würden, werde es "unter dem Strich" wohl nicht zu dem vormals kommunizierten 15 000 Stellen kommen, so Konzernchef Scheider.

In Alfdorf wertet es der Betriebsrat positiv, dass gemeinsam mit dem lokalen Management über eine Zukunftsstrategie bis zum Jahr 2025 und bis zum Jahr 2030 verhandelt wird. "Unser Standort ist jeden Cent wert", wendet sich stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Daniel Sauerbeck gegen Niedriglohn-Diskussionen. Pluspunkte in Alfdorf seien unter anderem das große Entwicklungs-Knowhow und die hohe Fertigungstiefe.

ZF beschäftigt weltweit 153 522 Mitarbeiter. Der Konzernumsatz lag im Jahr 2020 mit 32,6 Milliarden Euro um 11 Prozent unter dem Vorjahreswert von 36,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2020 war er sogar um 27 Prozent gefallen, erholte sich aber im zweiten Halbjahr – besonders durch anziehende Märkte in China. Das bereinigte operative Ergebnis betrug 1,0 (2019: 1,5) Milliarden Euro; die bereinigte Ebit-Marge lag bei 3,2 (2019: 4,1) Prozent. Der Verlust nach Steuern betrug 741 Millionen Euro.

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