Mit grünen Ideen gegen die Großen

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Gründer und Unternehmer Julian Hauber hat sich mit seiner Firma ehrgeizige Pläne.
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Stödtlen

Den einen Moment, ab dem klar war, dass er Unternehmer werden will, den gab es bei Julian Hauber nicht. „Während meines Studiums habe ich Praktika in vielen großen Konzernen in Süddeutschland gemacht“, erzählt der Gründer und Geschäftsführer von JH-Computers aus Stödtlen. Eines erlebte er immer wieder: „Firmen dieser Größe wenden viel Zeit für die Organisation oder die Definition von Prozessen auf“, so Hauber.

„Standardisierte Prozesse sind zwar wichtig, auch für uns. Aus meiner Sicht haben viele große Unternehmen jedoch extrem überladene Prozesse. Schlanke und agile Abläufe sind das Ziel und diese leben wir in unserem Unternehmen“, sagt der 28-Jährige. „Ich komme aus der Technik, hier müssen Prozesse effizient und schnell sein.“

Parallel zu seinem Studium an der Hochschule Aalen und an der Technischen Universität in München baut Julian Hauber deshalb seine eigene Firma auf. Die betreibt Rechenzentren für kleine und mittelständische Firmen, beschäftigt inzwischen sieben Mitarbeiter und soll am vor kurzem neu errichteten Standort in Stödtlen weiterwachsen. Hauber tritt damit in einem Markt an, der von den großen Tech-Konzernen dominiert wird: Amazon, Microsoft oder Google stellen ihre Rechenkapazitäten Firmen zur Verfügung. Viele der Rechenzentren sind global verteilt. Dort lagern riesige Datenmengen, auch von deutschen Firmen. Das führt immer wieder zu Schlagzeilen. „Es vergeht kaum eine Woche ohne Meldungen von Sicherheitslecks und Hackerangriffen“, erklärt er und erzählt von einer Firma, deren Informationen über eine monatelange Produktentwicklung deshalb einem chinesischen Konkurrenten in die Hände gefallen sind. „Wir setzen auf IT made in Germany“, sagt er. Der Bedarf an diesen Dienstleistungen wächst, kleine Mittelständler wollen sich keine eigene IT-Abteilung leisten – und wenn doch, liegt die Priorität nicht auf dem Betrieb von Servern.

Die Daten der Kunden, die vornehmlich aus dem süddeutschen Mittelstand stammen, lagern im sicher geschützten Rechenzentrum in Stödtlen. „Im Gegensatz zu den Großen bieten wir unseren Kunden nicht nur standardisierte Pakete an, sondern erarbeiten eine individuelle Lösung.“ Das mag sich zunächst wie ein Allgemeinplatz aus dem Marketing des ausgehenden 20. Jahrhunderts anhören, doch im Falle von JH-Computers ist das die halbe Miete, zu unterschiedlich sind je nach Größe oder Branche die Anforderungen der Firmen. Neben dem klassischen Rechenzentrumsbetrieb kümmert sich die Firma um die Themen IT-Sicherheit, die Vernetzung von Standorten oder das intelligente Auslagern von Servern.

In den Standort hat Hauber kräftig investiert. „Vor knapp drei Jahren stand ich vor der Entscheidung: Entweder wir machen das nur ‚a bissle‘ so weiter oder wir gehen aufs Ganze.“ Die Wahl fällt auf Letzteres. Nachdem eine regionale Bank ihr Okay für den Kredit gibt, nimmt der Bau Fahrt auf. In nur einem Jahr wird das Rechenzentrum erstellt. „Normalerweise dauert ein solches Projekt zwei bis drei Jahre“, erzählt Hauber stolz. Den Standort wählt er bewusst: „Ich komme aus der Gegend, die Gemeinde stand voll hinter uns und nicht zuletzt führt eine Glasfaser-Backbone-Trasse durch Stödtlen.“ Die braucht JH-Computers, um die Daten in höchster Geschwindigkeit zu verarbeiten.

„Deutschland ist als Standort für ein Rechenzentrum eigentlich nicht gerade prädestiniert“, sagt der Unternehmer – zu hoch ist der Stromverbrauch am Standort, entsprechend treiben hierzulande immer weiter steigende Strompreise die Kosten in die Höhe. Zwischen fünf und zehn Gigawattstunden Strom verbraucht JH-Computers pro Jahr – das entspricht ungefähr dem Bedarf einer Stadt mit rund 10 000 Einwohnern. Allerdings produziert JH-Computers den benötigten Strom komplett selbst. „Wir betreiben eine PV-Anlage und ein Blockheizkraftwerk“, erzählt der Gründer. „Die entstehende Wärme von Rechenzentrum und Kraftwerk wird in den Wintermonaten zu 100 Prozent in das Nahwärmenetz der EnBW ODR eingespeist. In den Sommermonaten wird die gesamte Wärme mit Hilfe einer Adsorptionskälteanlage zur Kühlung des Rechenzentrums verwendet.“ Allein dadurch spart Hauber pro Jahr 1500 bis 2000 Tonnen CO2 ein, bei maximaler Auslastung des Rechenzentrums können es sogar bis zu 30 000 Tonnen werden. Den Großen in der Branche setzt er also auch ein grünes Angebot entgegen.

JH-Computers wächst, im Oktober stößt der achte Mitarbeiter hinzu, 2022 will Hauber ausbilden. „Wir brauchen top qualifizierte Mitarbeiter“, sagt er. Dafür nimmt er gerne die Bürokratie auf sich – auch wenn es um Zertifizierungen etwa des BSI oder des TÜV geht. „Die helfen uns natürlich, besser als valider Geschäftspartner im Markt wahrgenommen zu werden.“ Überdies hat Hauber neue Geschäftsfelder im Blick. Gemeinsam mit Software-Anbietern arbeitet er an einem Angebot, das sich vor allem an kleinere Firmen richtet.

In fünf Jahren, so formuliert er die Ziele, sollen in Stödtlen 20 bis 25 Menschen für seine Firma Unternehmen arbeiten. Gründen und dann schnell verkaufen, wie es andere Gründer häufig tun, will er nicht. „Wichtig ist: Wir wollen nachhaltig und organisch wachsen und auch die Region weiter nach vorne bringen.“ Ob er in einigen Jahrzehnten dann selbst einen Konzern führt und Prozesse definiert, die Studierende in die Selbstständigkeit treiben könnten: Das wird die Zeit zeigen.

Anlässlich der MAKE Ostwürttemberg am 25. und 26.9. an der Hochschule Aalen stellen wir wöchentlich ein Start-up aus der Region vor. Am kommenden Samstag erklärt Torsten Becker, Gründer der Carbonauten aus Giengen, wie Biokohlenstoffe nicht nur die CO2-Bilanz verbessern sollen.

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