Mit Innovationen gegen die Krise

  • Weitere
    schließen
+
Dr. Matthias Metz, Mitglied des Vorstands der Zeiss-Gruppe und Vorsitzender der Geschäftsführung der Carl Zeiss Vision International GmbH.
  • schließen

Umsatzeinbruch, Kurzarbeit, Aufholjagd: Die Corona-Krise hat auch einige Zeiss-Sparten gefordert. Dr. Matthias Metz erklärt, wie der Konzern auf die Pandemie reagierte.

Oberkochen Die Corona-Pandemie hat auch den Veranstaltungskalender des Marketing-Clubs Ostwürttemberg durcheinandergewirbelt. Und so lud der Verein erst heuer, Ende April, zum traditionellen Jahresauftakt, dafür allerdings mit einem hochkarätigen Gast zum virtuellen Kaminabend bei Zeiss in Oberkochen. Dr. Matthias Metz, Vorstandsmitglied des Konzerns, erklärte, wie Zeiss durch die Corona-Krise kommt, welche Sofortmaßnahmen ergriffen wurden – und welche Rolle Innovationen bei der Krisenbewältigung spielen.

„In Summe sind wir gut durch die Pandemie gekommen“, sagt Metz im Gespräch mit Moderator Henrik Rupp und verweist auf den Umsatz, der im Geschäftsjahr 2019/20 um lediglich zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken ist. Und das, obwohl gerade nach Ausbruch des Corona-Virus in vielen Märkten „teils chaotische Zustände“ geherrscht hätten. „Wir wussten damals nicht, was auf uns zukommt“, sagt Metz. Das Frühjahr 2020 entwickelt sich etwa für die Sparte Vision Care, die unter anderem im Aalener Werk Brillengläser herstellt, unheilvoll. Viele Optiker auf der ganzen Welt schließen. „Wir hatten uns bis dato hervorragend entwickelt. Von einem Tag auf den anderen sind die Umsätze in den Keller gerauscht“, konstatiert Metz, Chef der Sparte. Um bis zu 80 Prozent brechen die Erlöse ein. Das Unternehmen reagiert, schickt einen Teil der Belegschaft in Kurzarbeit. Inzwischen ist der Einbruch überwunden, die Geschäfte laufen wieder sehr gut – auch dank der Innovationen, die man während der Zeit entwickelt hat. „Rückblickend kann man sicher sagen, dass wir richtig reagiert haben.“

Metz erklärt, dass Zeiss vor allem vier Felder identifiziert hat, die für die Bewältigung der Krise entscheidend gewesen seien. „Die Sicherheit der Mitarbeiter steht über allem“, sagt er. Noch immer arbeiten ein Großteil des Managements und der Verwaltung im Home-Office, die Mitarbeiter werden zweimal in der Woche getestet, die Menschen in der Produktion, die nicht mobil arbeiten können, sogar dreimal, bei Bedarf häufiger. Auch die Kontinuität, also das Aufrechterhalten der Geschäftsfähigkeit, sei eines der zentralen Felder gewesen. Weiter nennt Metz die Schlagworte Stabilität und Erholung. „Hier geht es zum einen zum Beispiel um das Sicherstellen der eigenen Logistik, hier haben wir höhere Kosten in Kauf genommen, um die Lieferketten aufrecht zu erhalten.“ Zum anderen habe man noch intensiver als sonst über neue Geschäftsideen nachgedacht. „Hier kam uns entgegen, dass wir schon vor der Krise auf die Megatrends Digitalisierung, Globalisierung und demografischem Wandel ausgerichtet waren.“

Die Corona-Pandemie führt indes auch bei den gewerblichen Kunden zu einem Umdenken, wie Metz erklärt. Ein Beispiel von vielen seien etwa die Remote Services (also Fernbedienung von Produkten, Maschinen und Anlagen), die angesichts der Kontaktbeschränkungen vermehrt von den Firmen nachgefragt werden, eine Entwicklung, die so nicht absehbar gewesen sei, wie der Zeiss-Vorstand erklärt. Dieser digitale Ansatz werde bleiben, glaubt Metz. „Die Welt wird nach der Pandemie hybrider sein“, sagt er.

Natürlich ging es bei dem Kamingespräch des Marketingclubs auch um die Marke Zeiss. Die ist sowohl dem Konsumenten wie auch der Industrie ein Begriff. „Über alle Bereiche rücken wir vor allem drei Aspekte in den Mittelpunkt: Unsere Produkte haben einen klaren Kundenfokus, sie müssen Konsumenten und Unternehmen dabei helfen, besser zu werden.“ Zeiss forscht zudem intensiv an Innovationen, hat dafür allein im vergangenen Geschäftsjahr 2019/20 mehr als 800 Millionen Euro ausgegeben. Wichtig sei auch hier der Fokus: „Wir forschen nicht für die Universität, sondern für unsere Kunden. Innovationen müssen unsere Produkte besser machen. Wir investieren viel in Forschung und Entwicklung, um unser Leistungsversprechen auch in Zukunft halten zu können.“ Zu guter Letzt sei ein Kern der Marke auch deren Zuverlässigkeit.

Trotz der Pandemie und deren Auswirkungen hält Zeiss an der Expansion am Standort Oberkochen fest, sucht derzeit 600 neue Mitarbeiter. „Dieses enorme Wachstum ist nicht leicht zu realisieren“, sagt Metz. Wichtig sei deshalb, dass die Region Zeiss unterstütze. „Der jüngst beschlossene Mobilitätspakt für den Lebens- und Wirtschaftsraum Aalen/Heidenheim ist ein wichtiges Signal.“ Der Pakt will die Verkehrsprobleme in der Raumschaft lösen. Ein weiteres drängendes Thema für Zeiss ist der fehlende Wohnraum. „Aber auch hier ist sich die Politik der Probleme bewusst.“

„Rückblickend kann man sicher sagen, dass wir richtig reagiert haben.“

Dr. Matthias Metz

Zeiss-Vorstandsmitglied

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL