Mürdter ist verkauft

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Am Stammsitz in Mutlangen beschäftigt Mürdter aktuell 280 Menschen.
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Eine britische Firma übernimmt das Familienunternehmen aus Mutlangen. Was das für den Stammsitz mit aktuell 280 Mitarbeitern bedeutet.

Mutlangen

Bereits seit einiger Zeit hatten sich Normann und Robert Mürdter Gedanken über die Zukunft ihres Unternehmens gemacht. „Da es keine Nachfolgelösung gibt, haben wir uns entscheiden, unsere Firma in eine größere Unternehmensgruppe zu integrieren und sie an Xandor zu verkaufen“, erklärt Normann Mürdter. Xandor, ein britisches Unternehmen, sei der „Wunschpartner“ gewesen. „Wir haben bereits vor einigen Jahren einige Projekte zusammen verfolgt“, erklärt der Geschäftsführer. Er ist sicher: „Das passt!“ Die Brüder bleiben ihrem Unternehmen verbunden und werden für mindestens drei Jahre die vier Standorte in Deutschland und Tschechien weiter operativ leiten.

Am Stammsitz in Mutlangen, wo 280 Menschen arbeiten, soll sich wenig ändern. „Wir behalten unsere operative Eigenständigkeit, werden jedoch verstärkt im Verbund agieren“, erklärt Normann Mürdter. Weder sei ein Abbau von Stellen noch die Hebung größerer Synergien, etwa durch die Zusammenlegung von Abteilungen, geplant. Robert Mürdter: „Xandor passt vom strategischen Ansatz sehr gut zu Mürdter. Die Produktionsnetzwerke ergänzen sich sehr gut.“ Während die Briten über Fertigungsstandorte auf der britischen Insel verfügen, bringe Mürdter ein neues Netzwerk um die Standorte in Mutlangen und Tschechien in die neue Firma ein.

Bei Xandor wird der Mürdter-Verbund in die Plastik-Sparte integriert. Diese firmiert künftig als Xandor Mürdter Automotive GmbH und wird von Gunter Hiller, dem neuen Chef der Mürdters, geleitet. Der Geschäftsbereich erwirtschaftet einen Umsatz von jährlich mehr als 200 Millionen Euro. Der neue Eigentümer Xandor wurde selbst vor kurzem von der Quantum-Gruppe übernommen. Zu der Münchner Beteiligungsgesellschaft gehören wiederum unter anderem Firmen wie Revell oder Carrera.

Vorstandschef Steffen Görig kommentiert den Mürdter-Kauf wie folgt: „Die Familie Mürdter hat einen führenden Automobilzulieferer aufgebaut, der in der Branche für sein qualitativ hochwertiges und technisch anspruchsvolles Produktportfolio an Spritzgusskomponenten und Baugruppen bekannt ist. Gemeinsam mit dem derzeitigen Management-Team von Xandor Automotive und dem Mürdter-Management freuen wir uns darauf, das Geschäft innerhalb von Xandor Mürdter weiterzuentwickeln und sein volles Wachstumspotenzial zu realisieren.“

Die Suche nach einem Übernehmer hatten Normann und Robert Mürdter bereits vor einigen Jahren angestoßen. Die Corona-Krise hat die Suche nochmals intensiver werden lassen, denn die Pandemie hat den Automobilzulieferer aus Mutlangen schwer getroffen. „Während 2020 die Corona-Krise zu einem Umsatzminus von bis zu 30 Prozent geführt hat, wirken sich aktuell die Logistik-, Zuliefer- und Chipkrise auf unser Geschäft aus“, erklärt Normann Mürdter. Auch 2021 werde man rund 20 Prozent unterhalb des Niveaus von 2019 abschließen. Für 2022 sind Normann und Robert Mürdter optimistischer. „Die Abrufsituation hat sich etwas stabilisiert, so dass wir generell von einem Anstieg ausgehen“, erklärt Normann Mürdter. Durch die Übernahme versprechen sich beide weitere positive Effekte auf den Umsatz und die Auftragssituation.

Mürdter stellt Kunststoffspritzgussteile mit anspruchsvollen Geometrien in Verbindung mit komplexen Montage-, Klebe- und Schweißprozessen her. Die Produktpalette des Unternehmens umfasst sowohl Oberflächenteile als auch Struktur-/Funktionsteile. Zudem verfügt Mürdter über einen eigenen Werkzeugbau. An den Standorten in Mutlangen und Tschechien beschäftigt die Firma 585 Mitarbeiter.

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