Neue Anlage auf GOA-Areal soll aus Plastikmüll Öl erzeugen

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10 Tonnen Plastik sollen täglich zu Öl recycelt werden.
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Ab kommenden Jahr soll eine innovative Anlage auf dem GOA-Areal Reutehau aus Plastikabfällen wertvolles Öl produziert. Welche Technologie das leisten soll und welche Partner hinter dem Projekt stehen.

Aalen.

Pro Jahr werden weltweit rund 370 Millionen Tonnen Plastik produziert – ein Teil davon, die Schätzungen reichen von 4,8 Millionen bis 12,7 Millionen Tonnen, landet in den Ozeanen. Klar ist: Das Plastikproblem ist eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart. Eine Lösung kann die Kreislaufwirtschaft sein. Deren Ziel: Plastikabfall wieder in den Produktkreislauf einfließen zu lassen, sprich: zu recyceln. Ein wichtiger Schritt hierfür soll nun auf dem Gelände der GOA in Reutehau bei Ellwangen vollzogen werden. Dort will die Schweizer Enespa AG gemeinsam mit dem regionalen Entsorger die deutschlandweit effizienteste Thermolyse-Anlage in Betrieb nehmen: Die Maschine soll aus gemischtem Kunststoffabfall wertvolles Öl produzieren.

Die Schweizer Enespa AG hat sich auf das chemische Recycling von gemischten Kunststoffen spezialisiert und entsprechende Anlagen entwickelt. Die Technik funktioniert so: Mittels Thermolyse, also dem Erhitzen eines Stoffes unter Sauerstoffentzug, wird der Plastikabfall zu Öl. Dieses Öl kann wiederum als Ersatzprodukt für Rohöl dienen, das auch für die Produktion von neuem Kunststoff dienen kann. Statt Plastik zu verbrennen oder zu deponieren, wird es wieder zu einem Bestandteil des Kreislaufs.

In der kommenden Woche startet der Bau der Anlage mit dem Spatenstich auf dem Gelände der GOA. Die Inbetriebnahme soll dann im ersten Quartal 2023 folgen. „Die GOA stellt die Fläche, die Infrastruktur und die Plastikabfälle zur Verfügung, den Betrieb der Anlage übernimmt Enespa“, erklärt GOA-Sprecherin Svenja Schnell die Kooperation. Der regionale Entsorger werde die Anlage pro Tag mit bis zu 10 Tonnen gemischten Kunststoffabfällen beliefern und die Partnerfirma auch bei den Genehmigungen unterstützen, während Enespa den Fokus auf das chemische Recycling lege und Betreiberin der Anlage sei, heißt es dazu von Seiten des Schweizer Unternehmens.

Die Erkenntnisse der Pilotanlage sollen dann direkt in die Forschung und Entwicklung von industriellen Großanlagen mit einem Durchsatzvolumen mit bis zu 100 Tonnen pro Tag fließen. Ebenfalls an diesem Pilotprojekt beteiligt ist die laut eigenen Angaben größte Raffineriegesellschaft in Bayern, Bayern Oil. Das Unternehmen mit Sitz in Neustadt an der Donau wird das produzierte Öl abnehmen. „Durch die lokalen Partnerschaften und kurzen Wege, die die Rohstoffe zurücklegen, erreichen wir auch hier einen möglichst geringen CO2-Ausstoss bei der Transformation von Abfall in wertvolle Rohstoffe“, erklärt Enespa. Weiter soll der Betrieb der Anlage in Reutehau im Vergleich „zur schon existierenden Industrie keine höheren Emissionen verursachen“.

Wie Dominik Widmer, Leiter Marketing und Kommunikation bei der Schweizer AG erklärt, sei die Enespa AG im Jahr 2004 gegründet worden und befasse sich seit längerer Zeit mit grünen Technologien. „Wir sind hauptsächlich durch private Investorinnen und Investoren finanziert und haben uns vor Jahren dem globalen Plastikproblem gestellt und wollen mit technischen Innovationen die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft lösen“, erklärt er. Man habe lange an den Technologien gearbeitet und wolle nun mit den neuentwickelten Anlagen „den Weltmarkt erobern“.

Von dem Projekt soll auch der Enespa-Standort in Aalen profitieren. Dort ist die Maschinenfertigung für den weiteren Ausbau von Thermolyse-Anlagen durch die ENESPA-GRT Innovation GmbH, eine Tochtergesellschaft von AG, ansässig. Laut Enespa würden durch den geplanten Ausbau des Standorts weitere Arbeitsplätze entstehen.

Bereits vor mehr als einem Jahr hatte sich die Biofabrik aus Dresden in Aalen angesiedelt und eine Thermolyse-Anlage in Betrieb genommen. Im Gegensatz zur Maschine, die nun auf dem GOA-Gelände in Betrieb genommen werden soll, hatte diese eine Kapazität von einer Tonne Plastik pro Tag. Die neue Anlage ist laut Dominik Widmer eine „lineare Weiterentwicklung“. Die Biofabrik sei „unser exklusiver Händler, wenn es um den weltweiten Vertrieb der Anlagen geht“, so Widmer weiter. „Das Know-how ist jedoch im Besitz der Enespa.“

Auf dem GOA-Areal Reutehau soll die Anlage aufgebaut werden.
Vorserienproduktion von Enespa am Standort Aalen.

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