Neue Fabrik auf dem SHW-Areal

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Gruppenbild mit Scheck bei ZEI-Tec (von links): Geschäftsführer Dr. Bertram Ehmann, Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, OB Thilo Rentschler und Produktionsleiter Ulf Schmidtgen.
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Am wohl traditionsreichsten Industriestandort des Landes will ZEI-Tec eine innovative Fertigung aufbauen, die nicht nur Jobs schaffen, sondern eine Zeitenwende in der Energiebranche einläuten soll.

Aalen

Dank rund sechs Millionen Transformatoren fließt in ganz Europa der Strom. In diesen Geräten sind derzeit überwiegend Kerne aus Elektroblech im Einsatz. Das Problem: Dadurch geht eine riesige Menge an Energie verloren, die Produktion dieser Bleche verbraucht zusätzlich Rohstoffe und Ressourcen. Ein junges Unternehmen hat dafür eine Lösung entwickelt: Die ZEI-Tec setzt auf neuartige weichmagnetische Eisenkerne, eine Art Folie, die halb so dick ist wie ein menschliches Haar. Diese sollen bald auf einer hochmodernen Produktionsanlage in Aalen hergestellt werden. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit rund 7,4 Millionen Euro, einer außergewöhnlich hohen Fördersumme.

Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter übergab den Scheck an Dr. Bertram Ehmann, Gründer und Chef von ZEI-Tec. Der macht deutlich, dass seine Firma erst am Anfang stehe. In Aalen sollen in den kommenden Jahren viele Millionen Euro investiert werden, weitere Produktionslinien folgen, bis zu 350 Arbeitsplätze entstehen. „Die Technologie ist ein Quantensprung“, sagt Ehmann, der früher hochrangige Führungspositionen bei Siemens und ABB innehatte und danach die ZEI-Tec aufgebaut hat. Die Eisenkerne sollen mittelfristig nicht nur in Transformatoren, sondern auch in Elektroautos zum Einsatz kommen. „Alleine dadurch kann die Reichweite um durchschnittlich 15 Prozent steigen“, sagt Ehmann. Weiterer Vorteil: Bei der Herstellung wird im Vergleich zur Fertigung von Elektroblech 60 Prozent weniger Energie verbraucht.

Das Marktpotenzial ist groß. Kein Wunder also, dass nicht nur das Umweltministerium in das Start-up investiert, ebenso sind zahlreiche Energieversorger wie E.ON über ihre Betreibergesellschaften bei ZEI-Tec engagiert.

Als Standort hat die junge Firma einen geschichtsträchtigen Ort gewählt: das SHW-Areal in Wasseralfingen. Wo vor wenigen Jahren die inzwischen insolvente SHW CT ihre Gießerei betrieben hat, soll jetzt die neue Produktionsanlage für die weichmagnetischen Eisenkerne entstehen. „Es ist eine große Ehre, Freude, aber auch Verpflichtung, am wahrscheinlich ältesten Industriestandort Deutschlands die Tradition der Eisenverarbeitung aufrechtzuerhalten“, betont Ehmann. Doch nicht nur die Industriegeschichte lockte ihn und seine Firma nach Aalen.

Ein weiterer Standortvorteil ist die Hochschule, genauer das jüngst in Betrieb gegangene „Zentrum innovativer Materialien und Technologien für effiziente elektrische Energiewandler-Maschinen“ (ZiMATE). „Das ZiMATE ist eine wichtige Infrastruktur für uns. Es verfügt über eine Ausrüstung, wie sie teilweise nicht mal große Konzerne besitzen“, so Ehmann. Im Herbst kommenden Jahres soll die Serienproduktion starten.

Herzstück ist die Gießanlage, die mit einer Geschwindigkeit von rund 90 Stundenkilometern die 35 bis 40 Mikrometer dicke und 20 Zentimeter breite „Folie“ herstellt. Jährlich sollen davon 250 Millionen Kilometer produziert. Bis zu vier Produktionslinien sind am Standort Aalen denkbar, sagt Ehmann, der für diesen Fall mit 300 bis 350 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von rund 250 Millionen Euro rechnet.

„Die Ansiedlung von ZEI-Tec ist ein wichtiges Signal zum richtigen Zeitpunkt“, erklärt Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler. Aalen-Wasseralfingen sei der perfekte Standort für die Firma. „Ich bin froh über das Investment, die neuen Arbeitsplätze und die Technologie, die am Standort entsteht. Der Transformationsprozess, den die gesamte Wirtschaft derzeit durchläuft, wird hier in Wasseralfingen durch die Ansiedlung von ZEI-Tec beflügelt.“

Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter sagt: „Das Projekt ist vorbildlich: Es spart Energie, Wasser und weitere Ressourcen.“ Technologien wie diese seien wichtiger Bestandteil des Plans der deutschen Bundesregierung bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Dr. Fred Öchsle von der Netze BW in Stuttgart betont wiederum, wie wichtig es sei, eine solche Technologie in Deutschland zu haben. „Wenn diese Eisenkerne im Inland hergestellt werden, sind wir unabhängig von Lieferketten im Ausland.“

Ebenfalls ein Geldgeber des Projekts ist die Kreissparkasse Ostalb, deren Vorstandsmitglied Dr. Christof Morawitz die Standortentscheidung von ZEI-Tec als „Meilenstein“ lobt und anfügt: „Wir wollen gemeinsam das Projekt zum Fliegen bringen.“

Die beiden Bundestagabgeordneten Leni Breymaier und Roderich Kiesewetter hatten sich bei Umweltministerin Svenja Schulze für die Förderung eingesetzt. „Mit ZEI-Tec zeigt ein hochinnovatives Unternehmen, dass Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum gut zusammenpassen. Diese Investition wird den Standort Aalen nachhaltig prägen“, erläutert Breymaier. Kiesewetter ergänzt: „Wenn wir über Transformation und Strukturwandel sprechen, dann ist ZEI-Tec ein optimistisches Beispiel, diese Herausforderung für unser Land anzugehen.“

Die Technologie ist ein Quantensprung.“

Dr. Bertram Ehmann, Gründer von ZEI-Tec

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