Neues Kraftwerk bei Palm kann fast alles

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Firmenchef Dr. Wolfgang Palm (Mitte) und Mit-Geschäftsführerin Marina Palm (links) präsentierte Landrat Dr. Joachim Bläse (Zweiter v. links) und Aalens OB Frederick Brütting (Zweiter v. rechts) das soeben in Betrieb gegangene Kraftwerk mit wegweisender Gasturbine.
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Turbinen erzeugen aus Erdgas oder Wasserstoff Dampf und Strom zur Versorgung der Papierfabrik, aber auch fast des ganzen Ostalbkreises.

Aalen. Das neue Kraftwerk der Papierfabrik Palm in Aalen-Neukochen ist ein Alleskönner. Firmenchef Dr. Wolfgang Palm und seine Tochter Marina Palm, seit März Mitglied der Geschäftsführung, nahmen die Energiezentrale jetzt im Beisein von Landrat Dr. Joachim Bläse und Aalens OB Frederick Brütting in Betrieb: Mithilfe einer neu entwickelten Siemens-Gasturbine erzeugt sie nicht nur Dampf, mit dem das Papier im Herstellungsprozess getrocknet wird. Sie versorgt die Fabrik – und bei Bedarf auch weite Teile der Ostalb – mit Strom. Dampfschwaden über der Fabrik sollen Vergangenheit sein. Und weil die Gasturbine nicht nur mit Erdgas, sondern auch mit Wasserstoff funktioniert, könnte Aalen bald an eine Wasserstoff-Pipeline angeschlossen werden – und Ulm aus dem Rennen werfen.

Palm schwelgte bei der Eröffnung in Superlativen: „Die erste Papierfabrik weltweit ohne sichtbare Dampfschwaden“ – dank der neu entwickelten Siemens-Gasturbine SGT-800. Die Papierfabrik Palm ist weltweit das erste Unternehmen, das diese Turbinen erhält, und zwar gleich dreimal: Neben Aalen bekommen auch die Standorte in Wörth und Eltmann diese Kraftzentralen, die mehr Leistung bringen und weniger Abgase herauspusten als Vorgängermodelle. „Auch die Stadtwerke Aachen wollten diese Turbinen, aber wir waren schneller“, triumphiert Palm. Dass die Anlage ein halbes Jahr später als geplant in Betrieb geht, lag daran, dass bei Siemens noch weiterentwickelt wurde. „Hinter unserem Rücken“, so Palm augenzwinkernd. Heraus kam eine Gasturbine, die nicht nur mit Erdgas, sondern auch bis zu 75 Prozent mit Wasserstoff laufen kann. Und auch hier wurde Palm tätig: Eine Wasserstoff-Pipeline ist bereits im Netzentwicklungsplan vorgesehen. Sie soll auch auf Betreiben der Papierfabrik von Karlsruhe nach Bayern nicht über Ulm, sondern über Aalen verlaufen. „Wenn die Leitung da ist, werden viele davon profitieren“, freute sich Landrat Bläse.

Das Kraftwerk erzeugt bis zu 200 Tonnen Dampf stündlich und bis zu 78 Megawatt Strom. Es soll Schwankungen im Stromnetz durch die erneuerbaren Energien ausgleichen: Liefern Wind und Sonne mehr Strom, als die Ostalb benötigt, dann fährt Palm die Gasturbine komplett herunter. „Den Strom ziehen wir dann zur Entlastung vom Netz und produzieren den Dampf zur Versorgung der Papiermaschine mit zwei Großwasserraumkesseln“, so Palm. Umgekehrt könne das Papierfabrik-eigene Kraftwerk 80 bis 90 Prozent des Ostalbkreises mit Strom versorgen, wenn Wind und Sonne gerade Mangelware sind. Bevor die Wasserstoffleitung da ist und mit ihr der Einstieg in die laut Palm „weltweit erste karbonfreie Papierproduktion“, soll Erdgas als Brückentechnologie genutzt werden. „Die EU hat im Februar 2022 die Stromerzeugung durch Erdgas in ihrem Regelwerk der Taxonomie als nachhaltig eingestuft“, so das Unternehmen: „Damit wird unser Kurs einer hoch effizienten und umweltfreundlichen Energieerzeugung als zukunftsfähig bestätigt.“

Oberbürgermeister Frederick Brütting lobte Palm für die insgesamt 500 Millionen Euro schwere Investition in die Papierfabrik: „Aalen und die Region waren Keimzelle der Industrialisierung in Süddeutschland. Es ist wichtig, dass dieser industrielle Kern in die Zukunft geführt wird.“

Turbinen erzeugen aus Erdgas oder Wasserstoff Dampf und Strom zur Versorgung der Papierfabrik, aber auch fast des ganzen Ostalbkreises.
Turbinen erzeugen aus Erdgas oder Wasserstoff Dampf und Strom zur Versorgung der Papierfabrik, aber auch fast des ganzen Ostalbkreises.
Turbinen erzeugen aus Erdgas oder Wasserstoff Dampf und Strom zur Versorgung der Papierfabrik, aber auch fast des ganzen Ostalbkreises.

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