Oliver Scholz setzt auf Innovationen: Die Zukunft des Recyclings

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Die Anlage analysiert und sortiert die Schrott dank Lasertechnologie.
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Die Aalener OSR-Gruppe betreibt in Rosengarten eine innovative Anlage, die Schrotte dank Lasertechnologie analysieren und trennen kann.

Aalen

So sieht das Recycling des 21. Jahrhunderts aus: Arbeiter befüllen den Aufnahmecontainer der gewaltigen Anlage in Rosengarten mit Schrottteilen. Über ein Förderband wird das Material nach oben, in die zweite Etage befördert, wo der Schrott in der Anlage verschwindet. Was in dieser dann passiert ist eine Innovation, mit der die Aalener OSR-Gruppe die regionalen Recyclingmärkte revolutionieren könnte.

Per moderner Lasertechnologie erkennt die Anlage wertvolle Materialien wie Vanadium oder Wolfram im Schrott und trennt die Materialien. „Die Anlage ist eine absolute Weltneuheit, die hier zum ersten Mal in der Praxis eingesetzt wird“, sagt OSR-Geschäftsführer und Gesellschafter Oliver Scholz. „Für das Recycling von Schrotten ergeben sich völlig neue Möglichkeiten – sowohl für uns, für die Firmen und für die Nachhaltigkeit.“ So seien komplett geschlossene Wertstoffkreisläufe möglich, „gerade für rohstoffintensive Unternehmen eine Chance auf mehr Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit in Rohstoffbeschaffung und Produktion“, so Scholz.

Rund 3,5 Millionen Euro hat die OSR-Gruppe in die Anlage investiert, mit einer halben Million Euro fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt das Projekt. „Wir haben die Entwicklung der Anlage vorangetrieben, um unser Geschäftsfeld weiter auszubauen und Impulse für die Weiterentwicklung der Recyclingbranche zu geben“, erklärt Scholz. Eine zweite Anlage ist geplant, in Aalen könnten dann Schrotte auf der Ostalb wiederaufbereitet werden.

Die Technologie nennt sich LIBS. Die Abkürzung steht für “Laser-Induced Breakdown Spectroscopy“. „Bei diesem Verfahren wird die Werkstoffanalyse von Metallteilen bestimmt“, erklärt Sebastian Alvensleben, Geschäftsführer der OSR Metallrecycling, die die Anlage betreibt. Die fünf Hochpräzisionslaser säubern die Oberfläche des Metallstückes und dringen dann in dieses ein. „Dadurch entsteht ein Plasma. Durch die Verdampfung des Plasmas bekommt der Laser die Rückmeldung und wertet dieses aus“, so Alvensleben. Die Analyse eines Metallteil dauert nur 1,4 Millisekunden. Dann wird das Material sortiert: Eine Druckluftleiste bläst die gewünschten Metallteile vom Band. Programmiert werden kann die Anlage auf alle Elemente, die sie vom Gesamtmaterial trennt. Pro Stunde können fünf bis sechs Tonnen recycelt werden.

„Mit der Anlage ist High-End-Technologie endlich auch in der Recycling-Branche angekommen“, betont Scholz. Bislang kämen vornehmlich bewährte Techniken zum Einsatz, etwa Röntgentechnik oder optische Systeme. Die neue Lasertechnik könne ein echter Gamechanger werden. Mit der Anlage sei es sogar möglich, moderne Verbundwerkstoffe zu trennen, die in der Autoindustrie zum Einsatz kommen.Heute bestehen etwa Karosserieteile aus verschiedenen Materialien und Legierungen. Damit reduzieren die Autobauer zwar das Gewicht von Fahrzeugen und garantieren mehr Sicherheit. Es verkompliziert aber das Recycling. „Im Prinzip bleibt bislang meist nur Einschmelzen“, erklärt Alvensleben. Dabei entsteht meist ein niedrigwertigeres Material, das nicht mehr im ursprünglichen Einsatzgebiet verwendet werden kann. Die teils höherwertigen Rohstoffe gehen verloren. „Mit der LIBS-Anlage können wir diese Stoffe trennen und sauber wiederaufbereiten“, so Scholz.

Für die Pilotanlage hat OSR den Standort Rosengarten gewählt. Hier betreibt die HoRec Hohenloher Recycling GmbH eine 30 000 Quadratmeter große Recycling-Anlage. Die OSR ist mit 40 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. „Auf dem Gelände gab es die nötigen Kapazitäten und die nötige Genehmigung für den Betrieb“, so Alvensleben. Läuft alles wie geplant, soll eine zweite in Aalen folgen.

„Mit der LIBS-Anlage halten wir Hochtechnologie in Ostwürttemberg und stärken den hiesigen Wirtschaftsstandort“, erklärt Alvensleben. In Aalen hat die OSR Metallrecyling GmbH & Co. KG, deren geschäftsführende Gesellschafter Sebastian Alvensleben und Tobias Doneit sind und zu 60 Prozent der OSR GmbH & Co. KG gehört, auf dem ehemaligen Wöhr-Areal ihren Standort, der erweitert werden könnte. Derzeit werden auf dem Gelände pro Jahr 65 000 Tonnen Schrott aufbereitet. „Zu unseren Kunden gehören Industriebetriebe und Gewerbetreibende, aber auch Handwerker und Privatpersonen“, erläutert Alvensleben. „Wir sind kein klassischer Schrotthändler, sondern sowohl Recyclingunternehmen als auch zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb“, betont Doneit.

Die OSR GmbH & Co KG mit den Geschäftsführern Oliver Scholz und Thomas Grötzinger wiederum fokussiert sich auf das Streckengeschäft von der Anfallstelle (wo die Schrotte als Abfall entstehen) bis zum Endabnehmer (der Stahl- und Gießereiindustrie) und ist mit ihrem Konzept unter anderem in der Autoindustrie gut vertreten. „In den vergangenen drei bis vier Jahren gab es in der Branche einen Boom, der durch den Trend zur Nachhaltigkeit befeuert wird“, erklärt Scholz. Die OSR ist stark gewachsen, wickelt pro Jahr ein Volumen von über 700 000 Tonnen Schrott und Metalle ab und erreichte einen Jahresumsatz von über 300 Millionen Euro. Mit der LIBS-Anlage dürfte sich diese positive Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen.

Von links: Oliver Scholz, Thomas Grötzinger, Sebastian Alvensleben und Tobias Doneit.

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