Pack die Opernbühne ein

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„Viel Muskelkraft“: Aufbau der Opernbühne im Rittersaal von Schloss Hellenstein.
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Das Team der IVH Industrieverpackung Heidenheim GmbH hat die Kulissen für die diesjährigen Opernfestspiele Heidenheim geschaffen.

Heidenheim

Es sind wieder Opernfestspiele in Heidenheim. Und wenn die Sängerinnen und Sänger in der Rittersaalruine von Schloss Hellenstein dieses Jahr Richard Wagners „Tannhäuser“ geben und Arien wie „Dir töne Lob“ schmettern, dann stehen sie auf Industrieverpackungen aus Heidenheim. Besser gesagt, auf Kulissen, die das Team von IVH Industrieverpackung Heidenheim eigens für das Opernevent gefertigt hat. Wie schon 2017 und 2019 schuf der Logistik- und Fertigungsbetrieb eine ansprechende Umgebung für die musikalische Inszenierung.

Das vor  fast 20 Jahren von Dieter Pichler in Heidenheim-Mergelstetten gegründete Unternehmen produziert normalerweise Holzverpackungen für bis zu 120 Tonnen schweres Großgut. Kolossale Walzen und mächtige Maschinen erhalten hier ihre Transporthüllen, aber auch ganze Fassadenteile samt Glasscheiben, wie etwa diejenigen, die in die kalifornische Apple-Zentrale geliefert wurden.

Mit mehreren Standorten in Heidenheim beschäftigt das Verpackungsunternehmen 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Firmengruppe, zu der auch ein Logistikunternehmen gehört, zählt insgesamt 110 Beschäftigte. Dass die Verpackungsspezialisten ihr Know-how in den Dienst der Kunst stellen, hat auch mit der Opernbegeisterung  seines Schwiegervaters Dieter Pichler zu tun, erzählt IVH-Geschäftsführer Peter Hoffmann-Pichler. Doch im Grunde begann alles, als vor mehr als fünf Jahren der Leiter des Heidenheimer Kulturbüros, Oliver von Führich, gemeinsam mit dem Bühnenteam auf das Unternehmen zukam. Man brauche Kisten, große Kisten. Genauer gesagt: 19 Meter lange Kisten. Aufgeführt wurde Wagners „Fliegender Holländer“. Die Behälter sollten für stimmiges Hafen- und Seefahrerambiente sorgen.

„Wenn's um Kisten geht, gibt's in Heidenheim nur eine Adresse“, meint Hoffmann-Pichler. Zudem hätten die Opernmacher Partner gesucht, die künstlerischen Anspruch und technische Seite vereinbaren können sowie eine Ahnung von „Projektlogistik und Projektgeschäft“ haben. Dass Letzteres dringend nötig war, ging den Verpackungsprofis bald auf: Professionelle Bühnenbauer in Opern und Theater gehen oft minimalistisch vor, nutzen bedruckten Stoff, bedruckte Pappe, Pappmaschee. Eine 19 Meter lange Kiste in die Rittersaal-Ruine zu transportieren – ohne leistungsfähigen Kran, ohne großes Tor – erwies sich dagegen als Herkulesaufgabe. „Das kriegen sie da oben nicht gehandelt“, sagt Hoffmann Pichler.

Nur wenige Teile konnten die Verpacker bereits in den Fabrikhallen auf Maß schneiden und zusammenfügen. Den Rest erledigten „viel Muskelkraft“ sowie „Tricks und Kniffe“: Metalltraversen zum Beispiel, Trag- und Stützkonstruktionen. Das schräge Bühnenbild musste schließlich zeitweise 19 Personen tragen. Nun ist ausgeklügelte Statik aber auch das tägliche Geschäft von IHV. Denn: Ist die Verpackung nicht absolut sicher, nimmt das verpackte Gut Schaden. „Alles, was vorher engineert wurde, kann dann Makulalatur sein“, verrät Hoffmann-Pichler. Er vertraut ganz auf Holz als Verpackungsmaterial: Es ist leichter als Metall, trotz aller Preissteigerungen der vergangenen Jahre relativ kostengünstig und nachhaltig.

2017 kamen Sperrholzplatten zum Einsatz – ebenso wie 2019, als IVH für die Inszenierung von Jacques Offenbachs Pique Dame wiederum angefragt wurde und eine 16 Meter lange und  vier Meter hohe Holzwand schuf. Im Jahr 2022 sind OSB-Platten Grundlage der Bühne. Diesmal musste ein Podest als Unterbau her, in das die Kulissenschieber einen bespielbaren Swimmingpool fahren können. „Die 4,70 Meter hohe Bühne verfügt über viele Gimmicks“, beschreibt sie Hoffmann-Pichler. Erste Gespräche zur Planung liefen bereits vor der Corona-Zwangspause. Der Aufbau im Mai musste in zwei bis drei Tagen vonstatten gehen. Schließlich probten die Akteure schon auf der Bühne, während jene noch den Feinschliff erhielt.

Ein weitere Herausforderung: Die Bühne muss zwischen den Spieltagen viermal auf- und wieder abgebaut werden. Obendrein existiert sie ein weiteres Mal als identische Kopie im Congress Centrum Heidenheim. Dort lief in diesem Jahr wetterbedingt auch die Premiere ab.

Für Peter Hoffmann-Pichler schlägt aber nichts die Freilichtaufführungen, wenn das Werk seines Teams auf dem Schloss während der blauen Stunde leuchtet und voll zur Geltung kommt. „Dazu sind echte Musiker und top-professionelle Akteure zugange, dieses Liveerlebnis ist sensationell.“

Die Opernfestspiele Heidenheim sind noch bis 31. Juli zu erleben. Infos unter www.opernfestspiele.de

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