Palm: Ohne Erdgas läuft nichts

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Papierfabrik Palm
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Der Chef der Aalener Papierfabrik vertraut darauf, dass seinem neuen Gaskraftwerk auch im Fall der Fälle der Hahn nicht zugedreht wird.

Aalen

Die Angst vor einem russischen Erdgas-Lieferstopp geht um in der heimischen Industrie. Die Frühwarnstufe ist in Kraft: Nun, so wird berichtet, berät ein Krisenstab in der Bonner Bundesnetzagentur, welche Betriebe im Fall der Fälle vom Netz gehen und welche nicht. Zu den energieintensiven Industriebetrieben gehört die Papierfabrik Palm in Aalen-Neukochen.

Hier ist erst vor wenigen Tagen ein leistungsstarkes Gasturbinen-Kraftwerk in Betrieb gegangen. Firmenchef Dr. Wolfgang Palm glaubt jedoch nicht, dass seinem Unternehmen bald der Gashahn zugedreht wird: „Wir fühlen uns relativ sicher, weil wir zur kritischen Infrastruktur gehören.“

Erdgas ist die einzige Energiequelle für die Papierfabrik, die mit ihrer neuen Maschine bis zu 750.000 Tonnen Wellpappenrohpapier jährlich produziert. Das neue Kraftwerk erzeugt mit einer hochmodernen, in Schweden gefertigten Siemens-Gasturbine Strom und Dampf. Wolfgang Palm lobt diese Anlage für ihren hohen Wirkungsgrad von über 90 Prozent. Mit dem aus Erdgas erzeugten Strom wird nicht nur die komplette Fabrik versorgt, sondern bei Bedarf – wenn wenig oder kein Strom aus Sonne und Wind zur Verfügung steht – auch weite Teile des Ostalbkreises. Umgekehrt kann die Stromproduktion auch heruntergefahren werden.

Dampf zur Papiertrocknung wird mit Gasturbine erzeugt

Außer dem Strom erzeugt das Kraftwerk aber auch Dampf. Mit seiner Hilfe wird Papier im Herstellungsprozess getrocknet. Ohne Erdgas stünden die Turbine und damit auch die Papiermaschine still. Firmenchef Palm sieht keine Alternative zum Erdgas als umweltfreundlichem Energieträger für eine kontinuierliche Versorgung: Öl, Kohle oder Müllverbrennung seien hier problematischer. Zwar könnte das neue Kraftwerk bei Palm ebenso mit Wasserstoff betrieben werden – eine weltweite Neuerung. Das hilft aber nichts, weil Wasserstoff derzeit nicht zur Verfügung steht.

Wie andere Betriebe hat Palm in den vergangenen Jahren unter der starken Verteuerung beim Erdgas gelitten. Wie sich nun die Lage entwickele, bleibe abzuwarten: „Derzeit gibt es ja noch genügend Erdgas, und der Anteil Russland ist zuletzt auf unter 50 Prozent gesunken“, so Palm. Selbst, wenn es zu Einschränkungen komme, sei er sicher, dass die Papierfabrik nicht unter die ersten Betriebe falle, denen das Gas abgedreht wird. „Wir gehören zur kritischen Infrastruktur, weil Papier für die Verpackungen von Lebensmitteln und Arzneien zwingend erforderlich ist“, so Palm. Selbst Joghurtbecher benötigten eine Umverpackung aus Pappe, nennt er ein Beispiel: „Sie können schließlich nicht einzeln im Lkw transportiert werden.“

„Wir gehen davon aus, dass wir ganz am Ende der Kette stehen.“

Dr. Wolfgang Palm, Geschäftsführender Gesellschafter

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