Palm sieht Überkapazitäten

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Aalener Papierfabrik wächst über deutschem Durchschnitt. 2017 soll das Wachstum schwächer ausfallen. Werk in Gelsenkirchen schließt.

Aalen-Neukochen

Die Papierfabrik Palm hat sich in schwierigem Marktumfeld 2016 gut behauptet. Firmenchef Dr. Wolfgang Palm berichtet von einem Umsatzwachstum von 4 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. "Strukturelle Veränderungen setzen sich aber fort. Das deutschlandweite Wachstum lag bei der Papierproduktion bei 0,5 Prozent", sagt er. Für 2017 erwartet er ein Abschwächen des Wachstums in Deutschland auf rund 1,3 Prozent. "Das merken wir als Indikatorbranche vor allem bei Wellpappe bereits ein halbes Jahr im Voraus."

Die Palm-Gruppe rechnet 2017 mit relativ konstantem Umsatz. Palm: "Die Jahre des stürmischen Wachstums – auch durch Akquisitionen – sind vorbei. In den vergangenen zehn Jahren wuchs unser Umsatz um 84 Prozent oder 640 Millionen Euro." Gerade bei Wellpappenrohpapier würden bis 2018 "völlig überzogene Überkapazitäten auf den Markt gebracht, die eine zerstörerische Wirkung haben", lautet seine Einschätzung. Palm rechnet mit dem Stilllegen von rund 30 älteren Papiermaschinen. "Es wird eine bittere Auslese geben. Wir sehen uns gut gerüstet und wintertauglich aufgestellt und werden uns behaupten", ist sich Palm sicher.

In Neukochen blieb die Zahl der Beschäftigten 2016 konstant bei 300. Insgesamt beschäftigt die Gruppe in Deutschland, Italien, Frankreich, der Schweiz und Großbritannien 4000 Mitarbeiter. "2016 haben wir einen dreistelligen Millionenbetrag in die Erhöhung der Leistungsfähigkeit unserer Betriebe gesteckt", sagt Palm weiter.

Die Palm-Gruppe habe das Know-how, um Papierfabriken zu sanieren. Dies habe man in den letzten Jahren in den Wellpappewerken in Schwepnitz und Höchstädt bewiesen. Palm verschwieg nicht, dass dies in Gelsenkirchen nicht gelungen sei (siehe Info). "Das Stilllegen des Werks mit 96 Beschäftigten war bedauerlich und ein herber Schlag. Der Maschinenpark dort ist total veraltet", sagt Palm.

Neuer Geschäftsführer

Artur Stöckler, seit neun Jahren technischer Geschäftsführer, geht zum Jahresende in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird mit dem 41-jährigen Stephan Gruber ein Palm-Eigengewächs. Gruber war zuletzt Produktionsleiter sowie technischer Geschäftsführer im englischen King's Lynn, wo die modernste und leistungsfähigste Papiermaschine Europas läuft. Ab Januar verantwortet er alle fünf Papiermaschinen der Palm-Gruppe.

Wellpappe Gelsenkirchen: Ende 2016 ist Schluss

Ende Oktober hat die Firmenleitung des Palm-Tochterunternehmens Wellpappe Gelsenkirchen mit 96 Mitarbeitern das Eröffnen des Insolvenzverfahrens beantragt. Daraufhin gab es heftige Proteste der Belegschaft. "Bis Ende Dezember ist Insolvenzgeld organisiert. Danach soll die Insolvenz eröffnet und den 96 Mitarbeitern gekündigt werden", sagt Betriebsratsvorsitzender Bodo Steigleder. Ob es eine Transfergesellschaft geben wird, ist noch fraglich. "Unsere Belegschaft ist relativ alt, die Situation in Gelsenkirchen mit einer Arbeitslosenquote über 14 % schwierig", sagt er.

Für Dr. Wolfgang Palm ist die Sanierung des Werks, die seit 30 Jahren andauere, gescheitert. "In Gelsenkirchen gelang es uns nicht, Betriebsrat und Beschäftigte zu überzeugen. Gegen den erbitterten Widerstand der Mitarbeiter geht es nicht, Konzepte durchzusetzen", sagt Palm.

Dem widerspricht Steigleder. Prämien seien gestrichen, drei Stunden pro Monat unentgeltlich gearbeitet worden. Von 2005 bis 2014 habe es einen Sanierungstarifvertrag gegeben. Palm habe 2015 das Wechseln in den Chemie-Tarifvertrag abgelehnt. sk

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