Palm testet durch

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Auch Firmenchef Dr. Wolfgang Palm lässt sich am Einlass des Betriebs regelmäßig von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Johanniter Pflegedienstes testen.
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Die Papierfabrik in Neukochen bietet Mitarbeitern seit Januar wöchentliche Corona-Tests an. Wer auf der Megabaustelle arbeitet, muss sich ein negatives Ergebnis bescheinigen lassen.

Aalen

Einer nach dem anderen. Geduldig wartet ein Dutzend Arbeiter in Schutzkitteln, Bauhelmen und Masken am ehemaligen Pförtnerhäuschen vor der Papierfabrik Palm in Neukochen. Mit einer Zeltkonstruktion und weiteren Aufbauten ist es zum Corona-Testzentrum umfunktioniert. Bereits seit Januar bietet Palm nicht nur allen Beschäftigten wöchentliche Tests auf Covid 19 an. Auch, wer auf der derzeit größten Baustelle der Ostalb für die neue Papiermaschinenhalle arbeiten will, muss vorher in einem gezimmerten Verschlag Platz nehmen.

So wie Martin Aust, der für eine Augsburger Brandschutzfirma tätig ist. Er nimmt's gelassen. "Wir müssen uns in letzter Zeit öfter ein Stäbchen in die Nase stecken lassen", sagt er. Tanja Kraus von den Johannitern Aalen führt ihm langsam das Stäbchen ins Nasenloch. Mit geübtem Handgriff: Schließlich sind es zwischen 240 und 360 Personen, die hier Tag für Tag getestet werden.

Die Wartenden in der Schlange füllen derweil Fragebogen aus: Wer angibt, blutverdünnende Medikamente zu nehmen, dem darf der Abstrich nur aus dem Rachenraum, nicht aus der Nase genommen werden.

Ilona Weber vom Johanniter Pflegedienst nimmt das Stäbchen in Empfang. Sie stellt es in ein Reagenzglas, in dem sich bereits Flüssigkeit befindet. Ein Teststreifen kommt hinein, das Glas mit einer Nummer für jeden Getesteten wandert in ein Holzgestell. Während die Getesteten im Zelt oder im Freien warten, hat das Johanniter-Team die Teststreifen im Blick. Nach 10 bis 15 Minuten kommt meist die Entwarnung. Erscheinen jedoch statt einem zwei rote Streifen auf dem Testpapier, so ist das Ergebnis positiv.

"Die positiv getestete Person wird sofort aus dem Wartebereich geleitet und das Testen weiterer Personen wird eingestellt", beschreibt Ilona Weber, was dann passiert. Fällt auch ein anschließender zweiter Test – die Gegenprobe – positiv aus, geht es mit dem mutmaßlich Infizierten in ein von zwei Unterkochener Arztpraxen.

Positiv? Das ganze Team muss in Quarantäne

Wir wollen ein Maximum an Sicherheit für unsere Beschäftigten.

Dr. Wolfgang Palm Geschäftsführender Gesellschafter

Diese kümmern sich umgehend um einen PCR-Test. Nicht nur der Betroffene, auch das ganze zugehörige Team muss dann für eine Woche in Quarantäne. Während der Test für die Baustellenarbeiter verpflichtend ist, nehmen die Palm-Beschäftigten, etwa aus Verwaltung und Vertrieb, freiwillig an der Aktion teil, die mit dem Betriebsrat vereinbart ist. "Aber es machen alle mit", sagt Firmeninhaber Dr. Wolfgang Palm. Bislang gab es bei den Beschäftigten - in Neukochen arbeiten 300 Menschen - keinen einzigen Fall. Unter den Bauarbeitern – rund 1200 Personen sind auf der Baustelle tätig – wurden aber bereits positive Fälle entdeckt.

Die große Vorsicht sorgt dafür, dass die Megabaustelle, in die Palm rund 500 Millionen Euro investiert, weiterlaufen und die Papiermaschine bald in Betrieb gehen kann.

Natürlich lässt sich auch Wolfgang Palm selbst regelmäßig testen. "Wir wollen ein Maximum an Sicherheit für unsere Beschäftigten gewährleisten", betont er. Aber auch die Kunden und Geschäftspartner profitierten von dem Mehr an Sicherheit. "Das ist relativ teuer bei dieser großen Menge an Getesteten, aber das ist es uns wert", sagt Palm, der auch in anderen Werken, etwa in Wörth am Rhein, auf Testungen setzt.

Auch auch in Impfungen setzt Palm große Hoffnungen. Als systemrelevanter Produktionsbetrieb habe man bereits beim Landratsamt für die Mitarbeiter die Genehmigung beantragt, sich freiwillig impfen lassen zu dürfen. Palm ist es wichtig, dass die Geschäftstätigkeit ungehindert weiter geht: Schließlich läuft die Produktion in Zeiten, da der Onlinehandel das Geschäft mit Verpackungen aus Wellpappe boomen lässt, auf Hochtouren.

Webinare: Eine Testpflicht für Unternehmen besteht derzeit noch nicht – dennoch sei die Erwartungshaltung der Bundesregierung an Unternehmen hoch. Darauf weist die IHK Ostwürttemberg hin und bietet zwei kostenlose Webinare zum Thema an. Das erste Webinar beschäftigt sich mit der Organisation und Durchführung der Tests, das zweite behandelt schwerpunktmäßig rechtliche Fragestellungen. Nähere Informationen und Anmeldung zu den Webinaren am 17. März gibt es unter www.ostwuerttemberg.ihk.de, Veranstaltungsnummern 135148010 bzw. 135148013. Folgetermine sind ebenfalls bereits verfügbar.

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