Region: Startschuss für die Zukunft

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Mit einer Zukunftsoffensive will die Region die Kräfte bündeln. Mit dabei beim offiziellen Auftakt: Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut.

Schwäbisch Gmünd

Vor mehr als 200 Teilnehmenden im Gmünder CCS gab es an diesem Montag den offiziellen Startschuss: Mit einer gemeinsamen Zukunftsoffensive will sich die Region fit für die Zukunft machen. Schirmherrin der Aktion ist Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, die beim Auftakt als Gastrednerin die Initiative der Region lobt: „Ostwürttemberg geht seinen eigenen Weg und nimmt sein Schicksal selbst in die Hand.“ Gemeinsam mit Vertretern der IHK, der Landkreise, der großen Kreisstädte und weiterer regionaler Wirtschaftsorganisationen unterzeichnet Hoffmeister-Kraut symbolisch eine entsprechende Urkunde – nimmt aber auch einige Forderungen der Region mit zurück nach Stuttgart.

„Die Wirtschaftsministerin verleiht unserer Offensive ein besonderes Gewicht“, erklärt IHK-Präsident Markus Maier, der auf die Herausforderungen für die Betriebe hinweist. Corona-Krise, steigende Inflation, dynamische Megatrends wie die Digitalisierung oder gestörte Lieferketten sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise beeinflussen die Entwicklung der Wirtschaft. „Wir sind mittendrin in einem Lern-, Anpassungs- und Erneuerungsprozess“, sagt Maier.

Für IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler ist der jetzige Transformationsprozess in der Automobilindustrie „fundamentaler als jeder andere Strukturwandel zuvor“. Er erklärt: „Wir brauchen Gemeinsamkeit, das Bündeln aller Kräfte und eine Innovations-, Qualifizierungs- und Standortoffensive“, so der Hauptgeschäftsführer. „Ohne Unterstützung und Rückenwind aus Stuttgart und Berlin wird uns das nicht gelingen.“

Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold formuliert klare Forderungen an die Landesregierung: „Ostwürttemberg ist aus der Sicht Stuttgarts weit weg. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir dort die erste Geige spielen.“ Es brauche eine wirksamere Strukturpolitik zur Überwindung etwa der Krise in der Automobilwirtschaft, die nicht nur 1900 Stellen bei Bosch AS in Gmünd gekostet hätte. „Vielleicht sollten wir als Region frecher und auch aggressiver sein Richtung Berlin und Brüssel. Es braucht eine aktivere Industriepolitik!“, sagt der OB und verweist auf Bundesländer, die deutlich forscher auftreten.

Die Wirtschaftsministerin verspricht, beim kommenden Wirtschaftsgipfel der EU in Brüssel gemeinsam mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann voranzugehen und Unterstützung einzufordern. „Wir müssen angesichts der Transformation im Land rechtzeitig gegensteuern“, sagt sie. Sie werde die Zukunftsoffensive „flankieren und unterstützen“. Sie verspricht: „An Unterstützung wird es Ostwürttemberg nicht mangeln.“

Wie die Region die Zukunftsoffensive vorantreiben will, verdeutlicht die Podiumsdiskussion. So verrät Bosch-AS-Chefin Dr. Gerta Marliani, dass ihr Unternehmen offensiv auf die Halbleiterkrise in der Branche reagiere. „Wir setzen künftig auf unsere eigene Halbleiterentwicklung.“ Bereits bei der nächsten Produktgeneration will Bosch AS auf eigene Chips zurückgreifen. Von der Elektrifizierung werde die Firma profitieren, AS habe bereits viele Aufträge erhalten. Dennoch stehe die Firma vor der Herausforderung, sich wirtschaftlich erfolgreich aufzustellen. Von Vorteil sei, dass die Firma den Handlungsbedarf bereits vor zwei Jahren erkannt und reagiert habe. Trotz des Stellenabbaus gelte: „Der Standort Gmünd bleibt die Basis unseres weltweiten Erfolgs“, sagt Marliani.

Dr. Matthias Metz, Vorstandsmitglied bei Zeiss, erläutert, wie wichtig es sei, die Digitalisierung als Chance für das Unternehmen zu begreifen. „Dazu braucht es eine große Offenheit, Dinge auch mal in Frage zu stellen.“ Voith-Chef Dr. Toralf Haag betont, wie essenziell Klima- und Umweltschutz für Firmen seien. „Künftig werden Nachhaltigkeit-Ratings genauso wichtig sein wie heute das Finanz-Rating.“

Michael Salomo, Oberbürgermeister von Heidenheim, sieht die Digitalisierung vorrangig als kommunale Aufgabe, wünscht sich aber eine bessere Unterstützung, während die beiden Landräte der Region, Dr. Joachim Bläse und Peter Polta, die Bedeutung der Kreise in Fragen der Netzwerke und Infrastruktur hervorheben.

Frederick Brütting, Aalener Oberbürgermeister, stellt nicht nur den geplanten Digital Innovation Space in Aalen vor, sondern verbindet mit dem Abend auch eine klare Botschaft. „Wir können als Region selbstbewusst sein – und müssen die Unterstützung auch selbstbewusst einfordern.“

Ostwürttemberg nimmt sein Schicksal selbst in die Hand.“

Dr . Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin
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