Rekordbilanz bei KSK Ostalb

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Der Vorstand der KSK Ostalb (von links): Dr. Tobias Schneider, Markus Frei (Vorsitzender) und Dr. Christof Morawitz.
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Die Kunden sparen wie nie, die Firmen sind zurückhaltend bei Investitionen. Warum man bei der Kreissparkasse Ostalb mit dem Jahr 2020 dennoch zufrieden ist.

Aalen

Erstmals in ihrer Geschichte weist die Kreissparkasse Ostalb eine Bilanzsumme von mehr als sechs Milliarden Euro aus – zudem vermeldete das Institut bei der Vorlage der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres weitere Rekordzahlen. "Die Kreissparkasse ist weiter Stabilitätsanker und sicherer Hafen in einer unruhigen Zeit", erklärt Vorstandschef Markus Frei. Der Großteil des Zuwachses resultiere aus dem Kundengeschäft. Unter dem Strich sank jedoch der Gewinn, den die Bank erzielt hat.

Maßgeblicher Treiber des Wachstums waren die Kundeneinlagen. Denn auch die Kunden der Kreissparkasse haben im vergangenen Jahr so viel Geld gespart wie lange nicht mehr. "Das ist allerdings kein Angstsparen. Es bleibt wegen der ausgebliebenen Ausgaben einfach Geld übrig", erklärt Dr. Christof Morawitz, Vorstandsmitglied der KSK. Vielmehr legten viele Menschen ihr Geld zur Seite, um es später wieder auszugeben, so Morawitz weiter. Das gelte für Privat- wie Firmenkunden im Ostalbkreis. Das Einlagevolumen stieg entsprechend um acht Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. "Früher wären wir mit einem solchen Ergebnis sehr zufrieden gewesen", sagt Frei. Doch damals hätte die KSK dies über das Kreditwachstum "veredeln" können, wie Morawitz erklärt, also wieder zurück in den Markt bringen. Das funktioniert nun nicht mehr ohne weiteres.

Das Geschäft mit Baufinanzierungen boomt zwar ungebrochen, 2020 betrug das Bruttogeschäftsvolumen rund 300 Millionen Euro. Für 2021 erwartet die KSK eine dynamische Nachfrage. "Der Trend zum Eigenheim, zur Investition in Betongold ist ungebrochen", sagt Morawitz. Das werde sich 2021 fortsetzen. Doch vor allem die Firmen agieren zurückhaltender und investieren weniger. Zudem steigt durch die große Anzahl an Förderkrediten der Druck auf die Zinsmarge der KSK.

Viele Firmen lösten etwa Teile ihrer Kontokorrentkredite durch Förderkredite mit niedrigeren Zinsen ab, wie Dr. Tobias Schneider, seit Oktober Mitglied des Vorstands der KSK, erläutert. Mehr als 100 Millionen Euro an Förderkrediten vergab die KSK im vergangenen Jahr.

Durch die Corona-Krise sei die Wirtschaft in der Region besser gekommen als vor einem Jahr von vielen befürchtet. Ausnahmen sind die besonders betroffenen Branchen wie etwa Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie sowie einige Handwerkersparten. 700 Tilgungsaussetzungen gewährte die KSK 2020. Bei den meisten Firmen rechnet Vorstandschef Frei indes mit einer baldigen Erholung, ab dem zweiten, spätestens ab dem dritten Quartal dürften viele Firmen wieder kräftiger investieren.

Die niedrigen Zinsen, mit denen die EZB die Wirtschaft am Laufen hält, treffen Sparer und Banken, die das angelegte Geld verwalten müssen. Zwischenzeitlich musste die KSK laut Frei "notgedrungen" fast 600 Millionen Euro bei der Bundesbank lagern, das kostet die Sparkasse Geld. Deshalb hat sie 2020 Minuszinsen für vermögende Sparer eingeführt. Ab einem Betrag von 100 000 Euro verlange man ein sogenanntes Verwahrentgelt. Mit den entsprechenden Kunden habe die KSK laut Morawitz bereits Gespräche geführt.

Um 5,5 Prozent ist der Zinsüberschuss gesunken. Für 2021 rechnet Schneider mit einem weiteren Rückgang. Das Plus beim Provisionsergebnis glich – "obgleich", so Schneider, "trotz Corona vollumfänglich im Plan" – den Rückgang nicht aus. 2021 plant die KSK hier mit einer Steigerung. Die Personalkosten blieben stabil, die Sachkosten waren rückläufig. Im Endergebnis weist die Bank einen operativen Gewinn von 32,4 Millionen Euro aus, ein Minus von zehn Prozent.

An der Filialstruktur will die KSK Ostalb festhalten. Nach Ende des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 habe die Nachfrage der Kunden nach persönlicher Beratung zugenommen. "Die Filialen haben ihren zweiten Frühling erlebt", sagt Markus Frei. So werde man 2021 mehrere Millionen Euro in den Neubau oder die Modernisierung von Niederlassungen investieren.

Vieles neu ist in den Führungsgremien: Seit Juli 2020 führt Markus Frei als Vorsitzender den Vorstand, nachdem Andreas Götz die Bank verlassen hatte. Den freien Posten im Vorstand besetzt Dr. Tobias Schneider. Der promovierte Atomphysiker wechselte von der Sparkasse Esslingen/Nürtingen auf die Ostalb, zuvor war der Südbadener zehn Jahre bei der Volksbank Freiburg tätig. Der Verwaltungsrat hat nach dem Abschied von Klaus Pavel in den Ruhestand mit Landrat Dr. Joachim Bläse einen neuen Vorsitzenden. "Das Jahr 2020 war auch deshalb für uns ein besonderes Jahr", sagt Frei, der sich für 2021 optimistisch zeigt. "Den Blick in die Glaskugel beherrscht bei uns zwar niemand, aber wir sind trotz der aktuell teils noch herrschenden Unsicherheit in den Unternehmen zuversichtlich."

Wir sind trotz der Unsicherheit zuversichtlich,

Markus Frei Vorstandschef KSK Ostalb

KSK in Zahlen zum 31.12.2020 (in Euro, in Klammern Vorjahr)

  • Bilanzsumme 6,056 Mrd. (5,491)
  • Einlagen 4,703 Mrd. (4,355)
  • Kredite 3,585 Mrd. (3,472)
  • Zinsüberschuss 79,4 Mio. (84,0)
  • Provisionsüberschuss 31,7 Mio. (30,8)
  • Betriebsergebnis (vor Bewertung) 32,4 Mio. (36)
  • Eigenkapital 670,8 Mio. (643,8)

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