Richtig auf die Inflation reagieren

+
Das Schreckgespenst vieler Sparer geht wieder um: Die Inflation lag im August bei 3,9 Prozent.
  • schließen

Das Schreckgespenst der Inflation ist zurück. Zwei Bankenchefs erklären, ob das von Dauer sein könnte – und was Sparer nun beachten müssen.

Aalen

Auf 3,9 Prozent ist die Inflationsrate im August gestiegen. Es ist der höchste Wert seit 28 Jahren – nachdem die Teuerung bereits im Juli bei 3,8 Prozent lag. Vor allem die gestiegenen Preise für Energie haben daran ihren Anteil. Markus Frei, Vorstandschef der Kreissparkasse Ostalb, und Kurt Abele, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb, erklären, ob das Schreckgespenst Inflation gekommen ist, um zu bleiben, welche Rolle die Europäische Zentralbank (EZB) spielt und was Sparer nun beachten müssen.

Die Ursachen. Es sind nicht nur gestiegenen Preise für Energie, die zur Inflation von 3,8 Prozent geführt haben. Laut Abele ist es „ein Strauß von Ursachen“. Er führt etwa die ausgelaufene Reduzierung der Mehrwertsteuer an. Frei erklärt: „Da die Inflation gegenüber dem Vorjahresmonat berechnet wird, lässt sich zumindest ein Teil auf diesen Fundamentaleffekt der Steuererhöhung zurückführen.“ Zudem begünstige die EZB mit ihren geldpolitischen Maßnahmen, etwa mit Anleihekäufen, ein inflationsfreundliches Umfeld. Wie Abele erläutert, wirken sich zudem die aktuellen Lieferengpässe preissteigernd aus.

Droht ein Inflationsschock? Klar ist: „Die Inflation wird die nächsten Monate erhöht bleiben“, erklärt Abele. Entlastend könnten zum Jahresende allein statistische Effekte wirken. Nicht absehbar sei zudem ein Ende der Lieferengpässe. KSK-Chef Frei geht davon aus, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Momentan prognostizieren wir für das Gesamtjahr 2021 in Deutschland eine Inflation von 3,0 Prozent“, so der KSK-Chef. „Im Vergleich zu den extrem niedrigen Inflationszahlen in den vergangenen Jahren lässt sich dies durchaus als Inflationsschock bezeichnen.“ Langfristig geht Frei von einer Rate von zwei Prozent aus.

Die Folgen für die Sparer. Das lässt sich relativ leicht zusammenfassen: „Das Ersparte verliert schlicht jeden Monat an realem Wert“, sagt VR-Bank-Chef Abele. „Der Realzins bewegt sich momentan deutlich im negativen Bereich, nämlich bei minus vier Prozent“, fügt Frei an. Heißt: Wer sein Geld in Sicht- und Spareinlagen hält, verliert erheblich an Vermögen.

Wie sollen Sparer reagieren? Dass Sparbücher und Tagesgeldkonten in naher Zukunft positive Zinsen einbringen, ist angesichts der EZB-Politik ausgeschlossen. „Für kurzfristige Gelder wird es auf absehbare Zeit weiter keine Zinsen geben können bzw. es besteht zunehmend die Notwendigkeit für Banken und Sparkassen Verwahrentgelte zu erheben“, sagt Frei. Bedeutet: „Ohne die Beimischung von Aktien, Gold und Immobilienwerte lässt sich im aktuellen Zinsumfeld keine positive Realrendite für das Ersparte erwirtschaften“, erklärt Abele.

Ein Patentrezept gibt es hier nicht, Abele und Frei verweisen auf individuelle Beratungsgespräche. Auch für Frei bieten „Engagements an den Aktienmärkten (vor allem Unternehmen mit Preismacht reagieren auf die Inflation mit Preiserhöhungen) sowie in Sachwerte und Edelmetalle bieten einen gewissen Inflationsschutz“. Der KSK-Chef ergänzt: „Gelder, die für die längerfristige Lebensplanung und Alterssicherung gedacht sind, sollten deshalb breit gestreut in andere Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien investiert werden.“ Für viele Kunden bedeutet das: Umdenken.

Die Rolle der EZB. Dass Christine Lagarde mit der expansiven Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi brechen würde, galt schon vor ihrem Amtsantritt als ausgeschlossen. „Die Hauptaufgabe der EZB ist es die Preisniveaustabilität zu gewährleisten“, erläutert Frei. Dieses Ziel sei in der Vergangenheit erreicht worden, wenn die Inflationsrate bei zwei Prozent oder leicht darunter lag. Aktuell plagen nicht nur die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Wirtschaft in der Eurozone. Frei: „Dies berücksichtigt die EZB bei ihrer Geldmarktpolitik und hat klar kommuniziert, dass auch ein Überschreiten des Inflationsziels temporär akzeptiert werden wird.“

Abele merkt an, dass die die EZB ihr Inflationsziel von zuvor nahe 2 Prozent auf durchschnittlich 2 Prozent geändert habe. Eine kleine, aber wichtige Nuance. Somit könne sie ihre Preisstabilitätsziel auch bei vorübergehend höherer Inflation einhalten, erklärt Abele. Die EZB erreiche damit, „die Zinslast für - auch bedingt in Coronahilfen - hoch verschuldete Staaten gering zu halten.“ Andererseits werde der Anstieg der Staatsverschuldungsquoten durch Wirtschaftswachstum, das durch die Inflation unterstützt wird, gebremst.

Das Ersparte verliert schlicht jeden Monat an realem Wert."

Kurt Abele, Vorstandschef VR-Bank Ostalb

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare