Ringen um die Zukunft des Standorts von Andritz Ritz

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IG Metall und Betriebsrat wehren sich gegen die geplante Schließung und Neustrukturierung des Standorts Schwäbisch Gmünd.
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Die Sparpläne des Konzerns gehen weiter als bisher kommuniziert. Die Arbeitnehmervertreter wollen mit einer eigenen Lösung kontern.

Schwäbisch Gmünd

Der österreichische Konzern Andritz Ritz will Kosten sparen – und deshalb den traditionsreichen Standort in Schwäbisch Gmünd umbauen. Bisher war man davon ausgegangen, dass Andritz die Produktion in Schwäbisch Gmünd an andere Standorte verlagern, andere Funktionen jedoch in der bestehenden Fabrik behalten will. Rund die Hälfte der aktuell 120 Stellen soll dabei wegfallen. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern stocken – auch weil die Österreicher wohl weitreichendere Pläne haben.

Wie IG Metall und Betriebsrat mitteilen, hat Andritz die Anwaltskanzlei Noerr damit beauftragt die Arbeitgeberinteressen zu vertreten. Noerr beharre, so die Darstellung der Arbeitnehmervertreter, auf der Schließung des Andritz-Ritz-Standortes auf dem Gügling. Der Vorschlag der Kanzlei Noerr sehe eine neu zu gründende Firma in Schwäbisch Gmünd vor. Nur noch ein Teil der aktuellen Beschäftigten von Andritz Ritz soll ein Übernahmeangebot erhalten. "Eine Sicherheit auf alte Besitzstände soll nicht garantiert werden", teilen Gewerkschaft und Betriebsrat mit. Der Konzern ließ eine Anfrage dieser Zeitung zum Stand der Verhandlungen und zu den Details des Abbaus bis Redaktionsschluss am Freitag unbeantwortet.

Der Betriebsrat von Andritz Ritz in Gmünd hat daher seinerseits in einem ganztägigen Workshop über Ideen und Ansätze beraten, wie eine Alternative zum Vorschlag der Arbeitgeberseite aussehen könnte. "Die Ritz-Pumpen-Manufaktur mit der bestehenden Produktvielfalt, insbesondere im Unterwasserbereich, zu erhalten wäre die Herzensangelegenheit des Betriebsrats", erklärt der Betriebsratsvorsitzende von Andritz Ritz, Thimo Schabel. Er betont weiter: "Wenn das nicht möglich sein soll, bedarf es jedoch eines anderen Vorgehens als eine bloße Schließung des Gmünder Standortes."

Es bedarf eines anderen Vorgehens als eine bloße Schließung.

Thimo Schabel Betriebsratschef Andritz Ritz

Vielmehr müsse ein geordneter Transfer sowie eine klare Beschreibung der bestehenden Funktionen am Standort Gmünd mit dem Arbeitgeber verhandelt und vereinbart werden. "Letztendlich müssen doch die Beschäftigten das Vorgehen mittragen, damit die Kundenwünsche und Anforderungen weiter im Zentrum stehen können. So hätte der Konzern einen kalkulierbaren Prozess mit beherrschbaren Risiken", sagt Schabel.

Fest an der Seite des Betriebsrats steht auch Kai Burmeister, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Aalen und Schwäbisch Gmünd, der sich heuer beim Betriebsrat nach dem Stand der Gespräche und dessen Vorstellungen erkundigte. "Es ist beachtlich, dass die Beschäftigten in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat der zerstörenden Schließungsabsicht des Konzerns trotzen und sich für einen geordneten Prozess und Perspektiven stark machen."

Der Betriebsrat und die IG Metall wollen am Montag zusammen mit ihren Beratern der Arbeitgeberseite einen geordneten Prozess vorschlagen. "Es zeigt sich ein hoher Grad an Solidarität, dass sich die Belegschaft jetzt nicht durch einseitige Arbeitgeberabsichtserklärungen spalten lässt", erklärt Burmeister weiter.

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