„Robust in die Zukunft“

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Von links: Kurt Abele, Matthias Hillenbrand und Jürgen Hornung. Das Trio bildet den aktuellen Vorstand der BZV.
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Die sieben Genossenschaftsbanken im Ostalbkreis haben 2021 stark abgeschnitten. Die Nachfrage nach Baufinanzierungen war ein Grund. Diese könnte aber bald sinken.

Ellwangen

Die sieben Volks- und Raiffeisenbanken im Ostalbkreis haben Bilanz für 2021 gezogen. Unterm Strich steht „ein gutes Jahr“, wie der Vorstandsvorsitzende der Bezirksvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken (BZV) und Vorstandssprecher der VR-Bank Ellwangen, Jürgen Hornung, bei einer Pressekonferenz in Ellwangen erklärte. So stechen vor allem das Wachstum auf der Einlagen- wie auch auf der Kreditseite hervor: Die Genossenschaftsbanken im Kreis haben 2021 rund 4200 neue Kredite vergeben. Das lag natürlich auch am Bauboom auf der Ostalb.

Wie lange dieser anhält, ist jedoch angesichts der gestiegenen Baukosten, der Inflation sowie der unsicheren konjunkturellen Lage noch nicht abzusehen. „Aktuell spüren wir noch keine Auswirkungen auf die Nachfrage nach Baufinanzierung“, sagt Hornung. Auf der einen Seite stehe der nach wie vor immer noch große Bedarf an Wohnraum und die solide finanzielle Ausstattung der Haushalte auf der Ostalb, wie Matthias Hillenbrand, Vorstand der Raiffeisenbank Rosenstein, erklärt. Doch ein weiterer Faktor neben den gestiegenen Kosten ist der gestiegene langfristige Zins, etwa für einen zehn Jahre laufenden Kredit für eine Baufinanzierung. Dieser hat trotz der fortgesetzten Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zuletzt kräftig zugelegt. Die Erklärung: „Der Zinsanstieg spiegelt die Erwartungshaltung der Märkte und ist auch eine Folge der anziehenden Inflation“, erklärt Kurt Abele, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb. Die amerikanische Zentralbank hat den Leitzins kürzlich angehoben und weitere Erhöhungen angekündigt. Viele Experten gehen daher davon aus, dass auch die EZB diesem Beispiel folgen dürfte. Folge: Die Zinsen steigen, obwohl der Leitzins aktuell noch bei 0 Prozent liegt.

Im vergangenen Jahr hat das Nullzins-Umfeld zu kräftig steigenden Kreditvolumina geführt. Die 7 Genossenschaftsbanken haben derzeit mehr als 4 Milliarden Euro an Krediten in den Büchern, ein Plus von 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Wir haben damit maßgeblich zur Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft in der Region beigetragen und vielen Bürgerinnen und Bürgern den Weg ins eigene Heim geebnet“, erklärt Hornung. Auf der Einlagenseite wiederum steigt die Nachfrage nach Aktien. Das Volumen ist 2021 um rund ein Fünftel gestiegen, auch dies eine Folge von niedrigen Zinsen und steigender Inflation.

Auf fast sieben Milliarden Euro (oder neun Prozent) steigt das gesamte Volumen, das Kundinnen und Kunden bei den Genossenschaftsbanken angelegt haben – „ein Ausdruck des Vertrauens“, so Hillenbrand. Heißt aber auch: „Das Sparverhalten der Kunden ist ungebrochen“, so Hornung. Die gesamte Bilanzsumme der 7 Banken – neben den 3 genannten sind das die Abtsgmünder Bank, die Bopfinger Bank Sechta-Ries, die Raiffeisenbank Mutlangen sowie die Raiffeisenbank Westhausen – beträgt rund 4,9 Milliarden Euro.

„Alle sieben Banken haben sehr erfolgreich gewirtschaftet und gehen robust in die Zukunft“, betont Abele. Das spiegelt sich auch im Ergebnis wieder. Selbst der chronisch unter Druck stehende Zinsüberschuss ist dank der guten Kreditnachfrage auf rund 66,7 Millionen Euro gewachsen, der Provisionsüberschuss legt auf 36,8 Millionen Euro zu. Vor Bewertung haben alle Genossenschaftsbanken ein operatives Ergebnis von 33,2 Millionen Euro erzielt, was nicht nur den Mitgliedern über Dividenden, sondern auch der Eigenkapitalausstattung der Banken zu Gute kommt. Insgesamt rund 8 Millionen Euro haben die Genossen wiederum an Gewerbesteuern abgegeben, wie Hornung betont. Abele: „Wir sind Bestandteil des regionalen Wirtschaftskreislaufs.“ Zu diesem gehören auch Spenden und Sponsorings, die sich 2021 auf 740 000 Euro summierten.

Überrascht wurden die Genossen im vergangenen Jahr indes von den Fusionsbestrebungen der Raiffeisenbank Mutlangen, die sich noch in diesem Jahr mit der Volksbank Welzheim zur VR-Bank Schwäbischer Wald zusammenschließen wollen. Die Entscheidung nennt Hillenbrand „Ausdruck der genossenschaftlichen Vielfalt“. Abele ergänzt: „Die Entscheidung für eine Fusion hat oftmals nicht betriebswirtschaftliche Gründe, sondern ist eher ein Ergebnis der steigenden regulatorischen Herausforderungen“, so der Vorstandschef der VR-Bank Ostalb. „Es ist bedenklich, wenn die Bürokratie die Landschaft der Genossenschaftsbanken maßgeblich mitgestaltet.“ Laut Hornung werde über die Vorgaben, etwa aus Brüssel, „ein gewisser Druck aufgebaut“.

Das laufende Jahr sehen die Banken angesichts der dramatischen Ereignisse in der Ukraine mit Ungewissheit. „Die menschlichen Schicksale bewegen uns alle“, sagt Abele. „Die wirtschaftlichen Konsequenzen und die Folgen für die Ostalb sind aktuell nicht absehbar.“ Klar sei nur: „Jeder wird diese Krise spüren.“

2021 war ein gutes Jahr.“

Jürgen Hornung, Vorstandsvorsitzender, BZV

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