Säbelrasseln in Osteuropa und steigende Inflation – so wird das Börsenjahr 2022

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Herbert Fischer.

Aktienexperte Herbert Fischer, Vorstand des Wasseralfinger Aktienclubs, nimmt im Gespräch Stellung zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten.

Aalen.

Herr Fischer, in unserem letzten Interview haben Sie den DAX bei 16.000 Punkte am Jahresende prognostiziert. Chapeau, das war fast eine Punktlandung. Wie sind die Märkte ins neue Jahr 2022 gestartet?

Herbert Fischer:  Bis einschließlich 11. Januar hatten wir nur sechs Handelstage. Dass nach einem sehr erfolgreichen Börsenjahr 2021 ein leichtes Abschwächen der Kurse erfolgte, ist noch keine Tragik. Bei den bedeutenden Indizes lagen sie im Euroraum unter einem Prozent. Bei den USA  Indizes lässt allerdings der Nasdaq 100  aufhorchen. Hier verzeichnen wir im gleichen Zeitraum einen Kursrückgang von 5,4 Prozent.  Offensichtlich reagieren die Technologiewerte stark auf die von der USA-Notenbank FED in Etappen angekündigten Zinserhöhungen.

Das neue Jahr ist noch keinen Monat alt, schon warnen viele Experten vor eskalierenden Spannungen in der Ostukraine und Kasachstan. Müssen Anleger sich da auf was gefasst machen?  

Kasachstan ist reich an Ressourcen. Warum eine korrupte Regierung mit Energiepreiserhöhungen die Bevölkerung in zusätzliche Armut und in Protest treibt, bleibt unverständlich. Aktuell laufen in Genf Gespräche zwischen Russland und den USA über die Situation in der Ostukraine. Das ist ein Abklopfen gegenseitiger Positionen. Solange Gespräche stattfinden, wird nicht geschossen. Von der Situation in Kasachstan sehe ich kaum Auswirkung auf die westlichen Börsen. Das Spannungsfeld Ukraine kann je nach Stimmungslage die Volatilität an der Börse verstärken.

Der Europäischen Zentral Bank (EZB) ist nun seit Ende 2019 Christine Lagarde vorstellig und hat derzeit mit einer historischen Inflation im Euro-Raum zu kämpfen. Wie sollte man als privater Investor mit dieser Situation am besten umgehen?

Als privater Investor kann ich den Kaufkraftverlust nur mit einer Kapitalanlage bekämpfen, die Renditechancen aufweist, die besser sind als die Inflation. Hier ist die Auswahl bescheiden und weitgehend auf die Kapitalanlage in Aktien bzw. in einen gut gemanagten Investmentfonds konzentriert.

Die aktuellen Pläne der EU-Kommission Gas- und Atomstrom als grüne Energien einzustufen, stoßen hierzulande auf viele kritische Stimmen. Da Deutschland aber aller Voraussicht überstimmt wird, gelten die Pläne bereits als gesetzt. Wie ist diese Einstufung zu verstehen und können Anleger möglicherweise profitieren?

Unter unseren Anlegern registrieren wir eine Zunahme an Stimmen gegen Firmen, die im Bereich der Stromproduktion aus Kohle, Atomkraft oder Gas aktiv sind.  Aktien dieser Firmen, aber auch aus der Rüstungsbranche, meiden wir. Aufmerksam verfolgen wir die Entwicklung der Aktien aus dem Bereich Windkraft, Solartechnik oder Wasserstoffproduktion. Überzeugende Kursgewinne haben wir noch nicht vernommen. Wir haben die negativen Ergebnisse aus dem Neuen Markt noch im Gedächtnis, deshalb unsere Vorsicht.

Inflation, Omikron und Zinssorgen sind kein gutes Omen für das Börsenjahr 2022. Was erwarten Sie von den bevorstehenden 12 Monaten?

Unsere Glaskugel für eine Jahresprognose ist noch ziemlich leer. Der Kursverlauf an der Börse verläuft nicht linear, sondern mit Schwankungen. Nach dem erfreulichen Ergebnis im Jahr 2021 mit einem Plus von 25,78 Prozent gehen wir von einem moderaten Resultat für 2022 aus.  Es gilt weiterhin, dass Geldwerte einer steigenden Inflation schutzlos ausgeliefert sind. Hilfreich ist die Investition in Sachwerte, dazu gehören Aktien. In einem schwierigen Umfeld  haben Aktien von Firmen mit einer Preissetzungsmacht und wenig Fremdkapitalbedarf Vorrang. Entsprechend ist die Zusammensetzung des Depots zu strukturieren. Die Auswirkung von Omikron auf die Wirtschaft ist bei der zögernden Impfbereitschaft schwer einzuschätzen, deshalb ist ein volatiler Kursverlauf nicht auszuschließen. Da noch viel Kapital im Markt ist und es außerhalb von Aktien an renditeversprechenden Anlagemöglichkeiten weiterhin fehlt, hoffen wir auch 2022 auf ein positives Ergebnis. 

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