Schüle setzt auf Flüssiggas

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Am Schüle-Standort in Schwäbisch Gmünd wurden Tanks für die Flüssiggasversorgung installiert.
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Die Schüle-Gruppe rechnet mit massiven Mehrkosten für Energie. Das Unternehmen hat sich frühzeitig – auch auf einen etwaigen Gaslieferstopp - vorbereitet.

Schwäbisch Gmünd

Als Hersteller von Druckgussteilen hat die Schüle-Gruppe einen hohen Energiebedarf. Die aktuelle Energiekrise trifft das Gmünder Traditionsunternehmen wie die gesamte Branche an einer empfindlichen Stelle. Schüle hat deshalb frühzeitig auf die veränderte Marktsituation reagiert, die Gespräche mit den Kunden wegen der empfindlich gestiegenen Energiepreise laufen. Auch vor einem möglichen Gaslieferstopp ist der Firma nicht bange: Sie hat bereits im Sommer dafür gesorgt, künftig unabhängiger von der aktuellen Liefersituation zu werden.

Doch zuerst der unangenehme Teil: Für 2023 drohen dem Unternehmen Mehrkosten von Strom und Gas in Millionenhöhe. Lag der Anteil der Energiekosten an den Produktionskosten früher bei knapp 15 Prozent, liege man künftig bei weit über 20 Prozent. An der eigenen Effizienz arbeitet Schüle zwar seit vielen Jahren, für die Druckgussherstellung ist aber nun mal Energie nötig. „Wir versuchen die Preissteigerungen deshalb an unsere Kunden weiterzugeben“, sagt Geschäftsführer Klaus Bruchner. Dazu gehören zum Beispiel Auto-, Maschinen- und Anlagenbauer, die von Gmünd aus mit Präzisions-Druckgussteile in verschiedenen Aluminium-Legierungen beliefert werden.

Gas und Strom sind für Schüle entsprechend unabdingbar. Was die Stromthematik anbetrifft ist die Hauptursache: im Strommarkt fehlt die verfügbare Menge. Eine Photovoltaikanlage löst das Stromproblem nicht. „Rüsten wir unsere gesamten Hallendächer am Standort in Gmünd mit PV-Flächen aus, decken wir im Idealfall nur zwei Prozent unseres Energieverbrauchs.“

Klar ist zudem: Ohne Gas geht’s nicht bei Schüle. Bei einem etwaigen Lieferstopp wegen einer Gasmangellage wäre das Unternehmen direkt betroffen. „Wir haben bereits vor Monaten reagiert, uns unabhängiger gemacht und sofort investiert, um produktions- und lieferfähig zu bleiben.“ Das Unternehmen hat in eine Ersatzversorgung mit Flüssiggas (LPG) aufgebaut. Die nötigen Tanks wurden bereits installiert, ebenso die nötige Infrastruktur. „Im Bedarfsfall können wir innerhalb einer Stunde auf LPG umstellen“, sagt Bruchner. „Wir haben diese Investitionsentscheidung getroffen, um den Betrieb – als klares Bekenntnis zum Standort Schwäbisch Gmünd - auf alle Szenarien vorzubereiten.“

Das Flüssiggas wird von einem Lieferanten geliefert, entsprechend langfristige Lieferverträge wurden geschlossen. Unterschreitet die Gasmenge im Tank ein bestimmtes Level, wird automatisch nachgeordert. Je nach Auslastung müsste dann einmal pro Woche ein Lkw die Tanks befüllen. Bereits im Herbst will Schüle bis zu 100 Prozent der Schmelz- und Gießkapazität mit LPG abbilden können. Für die Standorte in Polen und der Slowakei arbeite man an ähnlichen Konzepten.

Trotz der Energiekrise müsse sich um Schüle laut Bruchner niemand sorgen, schließlich sei das Familienunternehmen äußerst stabil aufgestellt: „Schüle wird auch diese Situation meistern – so, wie wir schon in der Corona-Phase frühzeitig eigene Konzepte umgesetzt haben“, sagt Bruchner. Mit Sorge blickt der Geschäftsführer allerdings dennoch auf die Entwicklung: „Die Metallverarbeitenden Betriebe werden diese Krise nicht alle unbeschadet überstehen.“ Erste Firmen mussten bereits Insolvenz anmelden, weitere dürften folgen. Für betroffene Firmen droht ein Teufelskreis: Ist die Insolvenz angemeldet, findet sich erst kein Energieversorger, der die Firmen beliefert. So droht aus der Zahlungsunfähigkeit die schnelle Pleite zu werden. Umso wichtiger sei es für die Schüle-Gruppe, weiter an neuen Konzepten und Maßnahmen zu arbeiten, alle Marktentwicklungen genau zu beobachten und dann schnell und flexibel darauf zu reagieren, so Bruchner.

Info: Schüle stellt seit der Firmengründung durch Julius Schüle im Jahr 1951 hochwertige Druckgussteile aus Aluminiumlegierungen her. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen in der Automobilbranche, Pneumatik und Gasheiztechnik. Das Unternehmen betreibt drei Standorte, neben Gmünd in Polen und der Slowakei. Die Unternehmensgruppe beschäftigt aktuell mehr als 800 Menschen.

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