„Sind für jegliche Überlegung offen“

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Kurt Abele, Vorstandschef der VR-Bank Ostalb.
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Kurt Abele, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Ostalb, spricht im Interview über mögliche Fusionen, die Auswirkungen der Pandemie und das BGH-Urteil zu Bankgebühren.

Aalen

Die regionalen Banken sind im Umbruch. Kurt Abele, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Ostalb, spricht im Interview über die aktuelle Lage.

Wie ist die VR-Bank Ostalb durch die Pandemie gekommen?

Wir sind gut durchgekommen. Es ist uns gelungen, mit den entsprechenden Hygienekonzepten die Betriebsbereitschaft aufrecht zu erhalten und für die Kunden erreichbar zu bleiben. Diese wiederum haben die Umstellung – etwa auf Gespräche mit Plexiglas-Abtrennungen und Masken – gut angenommen.

Erholt sich ich die Wirtschaft nach der Pandemie nun wieder?

Einen richtigen wirtschaftlichen Dämpfer durch die Pandemie konnten wir eigentlich nicht feststellen. Unsere Kunden haben sie gut verkraftet, auch dank staatlicher Hilfen für besonders betroffene Branchen wie Einzelhandel und Gastronomie. Auch die befürchtete Insolvenzwelle blieb aus. Die derzeitigen Materialengpässe kommen denjenigen entgegen, die frühzeitig Lagerhaltung betrieben haben. Einzelhändler berichten uns, dass die Kunden nun wieder gern kommen, sich etwas leisten wollen.

Hat die Pandemie das Bankgeschäft verändert?

Insgesamt hat die Digitalisierung einen Schub bekommen. Es wird häufiger bargeldlos bezahlt, die Online-Nutzung von Konten nimmt zu.

Wenn die Menschen nun alles online erledigen können, worin liegt noch der Vorteil einer regionalen Bank wie der VR-Bank Ostalb?

Wir sind ein Anbieter auf allen Kanälen, kein Nischenanbieter und wir sind für alle Kundengruppen da. Unsere Kunden können sich entscheiden, ob sie heute eine Überweisung online tätigen und morgen vielleicht ihre Baufinanzierung im persönlichen Gespräch klären. Wir bieten auch Beratung per Video an, aber die ganz große Mehrzahl entscheidet sich für das persönliche Gespräch. Was auffällt, ist, dass sich die Kunden schon im Vorfeld von Gesprächen gründlich online informieren.

Während der Pandemie wurde viel Geld auf die Seite gelegt.

Die Sparquote ist vergangenes Jahr auf 16 Prozent geradezu explodiert. Das dürfte sich ein Stück weit zurückentwickeln. Es wird sicher weiterhin gespart, aber größere Investitionen, etwa für Urlaubsreisen, sind nun wieder möglich.

Vieles wird teurer – steigt die Inflation und im Nachgang die Zinsen?

Die Inflation steigt leicht, auch wenn ich mir dauerhaft keine 4 Prozent Teuerung vorstellen kann, wie sie für einzelne Monate – auch wegen statistischer Effekte – prognostiziert wird. Bei den Zinsen gab es einen minimalen Anstieg, allerdings immer noch im negativen Bereich. Auch hier wird es, gewollt und unterstützt durch die Europäische Zentralbank, keine Steigerung geben – alleine schon, weil verschuldete Staaten vom niedrigen Zinsniveau profitieren.

Was heißt das für die Bank?

Als Bank ist das Zinsergebnis unsere Haupteinnahmequelle. Wenn es unter Druck steht, bedeutet das eine Vielzahl an Hausaufgaben für uns. Zum einen gilt es, Wachstum zu generieren. Wir sind gezwungen, an allen Feldern intensiv zu arbeiten. Wir müssen in manchen Bereichen schneller und effizienter werden und unsere Mehrleistungen auch entsprechend verkaufen.

Bedeutet Effizienzsteigerung auch, dass die Filialstruktur auf dem Prüfstand steht?

Wir haben bewusst nach der Pandemie alle unsere Filialen wieder geöffnet. Aber wir haben laufend einen Blick auf das Kundenverhalten und die Frequenz in allen Filialen. Wo ist welche SB-Ausstattung sinnvoll? Unsere Modell- Beratungsgeschäftsstelle in Unterkochen eröffnet voraussichtlich Mitte September. Allgemein ist immer der Spagat zwischen Nähe und dem Zwang, Kosten zu sparen, nötig. Gleichzeitig ist die Geschäftsstelle ja auch ein Kontaktpunkt. Wer neu an einen Ort zieht, wählt wahrscheinlich die Bank, die mit einer Filiale vor Ort ist.

Durch Fusionen entstehen immer größere regionale Banken. Auf der Ostalb existieren noch etliche kleine Volks- und Raiffeisenbanken. Stehen hier Fusionen bevor?

Größe ist nicht per se ein Faktor, der über Erfolg entscheidet. Jeder macht seinen Job bestmöglich. Und Größe bringt ja auch neue Herausforderungen. Andererseits können größere Einheiten die regulatorischen Anforderungen besser meistern als kleine. Der Trend zu Fusionen wird durchaus weitergehen. Wir sind für jegliche Überlegung offen, es gibt aber keine Gespräche in irgendeine Richtung.

Der Bundesgerichtshof hat die Praxis, ein Schweigen des Bankkunden zu einer anstehenden Gebührenerhöhung als Zustimmung zu werten, für unwirksam erklärt. Was hat dieses Urteil für Auswirkungen?

Dieses Urteil hat uns überrascht. Schon bisher gab es bei Änderungen der AGB acht Wochen Zeit für die Kunden. Das erschien uns ausreichend. In Zukunft wird es komplizierter: Die VR Bank Ostalb führt 65 000 Girokonten. Für jedes dieser Konten ist nun bei einer Änderung der AGB eine Einzelzustimmung notwendig.

Was bedeutet das für anstehende Gebührenänderungen?

Sie liegen vorerst auf Eis. Eine Online-Zustimmung über einen Klick wird es in Zukunft geben, aber das ist nicht für alle Kunden geeignet. Der Aufwand wird größer, das Produkt Konto wird dadurch teurer. In Österreich, wo seit 2014 eine Einzelzustimmung notwendig ist, sind die Kontoführungsgebühren eher höher. Wohl gemerkt: Der BGH kritisiert nur die Art der Zustimmung, nicht die Gebühr selbst. Schließlich werden steigende Gebühren ja auch für immer neue Mehrleistungen erhoben: So wurden in jüngster Zeit etwa die digitale Girocard, Apple Pay, Echtzeitüberweisungen und Betrugserkennung mit KI eingeführt.

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