So arbeitet die ODR in der Region an der Energiewende

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Matthias Steiner (links), Geschäftsführer der NGO Netze, und Sebastian Maier, Vorstand der EnBW ODR.
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Die Ziele sind ehrgeizig, die Hürden hoch, der Umstieg auf grüne Energie ist ein Mammutprojekt, über dessen Erfolg im ländlichen Raum entschieden wird.

Ellwangen

Bis zum Jahr 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Bereits bis 2030 sollen die Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent reduziert werden. Der Energiewirtschaft, und damit dem regionalen Energieversorger EnBW ODR, kommt bei der Erreichung dieser Ziele zentrale Bedeutung zu. „Während wir aktuell den Stromverbrauch in Deutschland bereits zu 50 Prozent aus Erneuerbaren Energien decken, sieht es bei der Gesamtbetrachtung des gesamten Energiesektors mit Strom, Wärme und Mobilität anders aus: Dort liegt Deutschland derzeit hier bei 15 Prozent“, erklärt ODR-Vorstand Sebastian Maier.

In den kommenden Jahren gibt es deshalb viel zu tun, gerade mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektroautos auf die Straßen zu bringen. „Es gibt klare Ziele“, sagt er. „Aber der Weg ist weit und wird uns als Gesellschaft verändern.“ Die ODR wolle bei der dieser Entwicklung „eine Vorreiterrolle einnehmen und Zeichen setzen“, erklärt Maier. Auch wenn die Aufgaben groß sind, gerade beim notwendigen Ausbau der Stromnetze, der auf zahlreiche Hindernisse stößt.

Der Stand in der Region. Für Maier ist klar: „Die Energiewende spielt sich im ländlichen Raum ab.“ Hier sei ausreichend Fläche für EEG-Anlagen. Ans Netz der ODR sind derzeit insgesamt rund 32 000 Anlagen angeschlossen, die pro Jahr rund 976 Megawatt grünen Strom produzieren. „Das entspricht in etwa der Leistung eines Kohlekraftwerk-Blocks“, sagt Maier. Der Anteil an der gesamten Stromproduktion im Gebiet der ODR liegt bei 71 Prozent. „Damit haben wir das Ziel für 2030 bereits erreicht.“ Und die Nachfrage nach weiteren Anlagen wächst – aus verschiedenen Gründen.

Die Photovoltaik-Pflicht für Nicht-Wohngebäude gibt es bereits, hinzu kommt der neu eingeführte CO2-Preis auf Kohle, Benzin, Diesel, Heizöl oder Gas, der seit Anfang des Jahres bei 25 Euro je Tonne liegt und in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Hinzu könnte eine PV-Pflicht für Wohngebäude kommen. „Wir rechnen in jedem Fall mit einem enormen Zuwachs“, erklärt Matthias Steiner, Geschäftsführer des ODR-Netzbetreibers Netze NGO.

Die Herausforderungen. Der ODR-Tochterfirma fällt die Aufgabe zu, die neuen Anlagen ins bestehende Netz zu integrieren. Die Energiewende ist schließlich die Abkehr von der zentralen Stromversorgung – bei der wenige Kraftwerke Energie für viele Verbraucher produzieren – hin zu einer dezentralen, bei der ungleich mehr Verbraucher nun ebenfalls Produzenten sind.

Parallel dürfte der Stromverbrauch in Deutschland von 545 Terawattstunden im Jahr 2020 laut Studien auf 650 bis 780 Terawattstunden im Jahr 2030 steigen. Daran Anteil hat die Elektromobilität, die durch die steigende Anzahl an E-Autos und die notwendige Ladeinfrastruktur zusätzliche Ansprüche ans Netz stellt. Bereits jetzt gelte: „Die Stromnetze sind voll“, sagt Steiner. „Wir müssen deshalb ihren Ausbau forcieren.“

Die Umspannwerke in der Region werden deshalb erweitert, was allerdings nicht ausreichen wird. „Wir müssten theoretisch 10 bis 15 neue Umspannwerke bauen“, erklärt Steiner. Das löst das Problem der Speicherung indes nicht. Bereits jetzt droht grüner Strom verloren zu gehen: Deutschlandweit wurden allein im Jahr 2019 rund 6482 Gigawattstunden Strom aus EEG-Anlagen nicht transportiert, weil diese zuvor abgeschaltet werden mussten. Deshalb bauen die Netzbetreiber Stromtrassen, nicht nur, um den Strom von Norden nach Süden, sondern eben auch vom Land in die Stadt zu transportieren.

Die Hürden. Mehr als sechs Milliarden Euro fließen in Deutschland pro Jahr in den Ausbau der Verteil- und Übertragungsnetze. Doch während die Bundes- und Landespolitik ehrgeizige Ziele und entsprechende Vorgaben formuliert, wächst der Widerstand auf lokaler und regionaler Ebene, etwa in der Bevölkerung. „Es fehlt häufig die Akzeptanz für solche Projekte“, erklärt Maier. Vor allem Stromtrassen sind unbeliebt und entsprechend schwierig zu realisieren.

Ein Beispiel: Das Verfahren für eine Stromtrasse von Goldshöfe ins Ries laufe bereits seit fünf Jahren, erläutert Steiner. „Vielleicht bis Ende des Jahres“ könne es abgeschlossen werden. Auch im Norden der Region gibt es ähnliche Probleme – von der „Strom-Autobahn“ , die Windparks in der Nordsee mit dem Süden der Republik verbinden soll, ganz zu schweigen.

Maier ist dafür, nicht für die Gesetzeslage zu ändern und die Verfahren zu vereinfachen, sondern gleichzeitig die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, etwa indem man die Leitungen unter die Erde bringt, die Trassen also verkabelt. Nachteil hier: Das ist wesentlich teurer als die bisherige Lösung.

Teuer, so viel ist klar, wird die Energiewende in jedem Fall. ODR-Chef Maier erklärt: „Die Kosten dafür werden wir alle tragen. Aber die Alternativen sind begrenzt.“ Er verweist wie Steiner auf den Klimawandel, dessen Auswirklungen ungleich höhere Kosten nach sich zögen. „Die größte Sorge ist nicht das Geld, sondern die Frage, ob wir es rechtzeitig schaffen. Die Zeit wird knapp.

„Wir sehen uns als Vorreiter.“

Sebastian Maier, Vorstand EnBW ODR
  • Zahlen, Daten, Fakten um den Strom in der Region
  • Die Kehrseite des grünen Stroms: Scheint die Sonne und/oder weht der Wind, wird ausreichend Strom produziert, wenn nicht: dann nicht. Die Schwankungen sind groß. Zwei Extreme gab es in diesem Jahr im Gebiet der ODR: Am 10. Februar um 12 Uhr mussten 350 Megawatt aus den überregionalen Netzen bezogen werden. Zweieinhalb Monate später, am 25. April, wurde mehr erzeugt als verbraucht, und zwar satte 385 Megawatt, die in die Netze eingespeist wurden.
  • Investitionen in die Netze: Fast 30 Millionen Euro will die ODR im kommenden Jahr ins Strom- und Gasnetz investieren, rund zwei Drittel davon fließen ins Stromnetz. 2021 belaufen sich die Ausgaben auf 17 Millionen (Strom) und 10,3 Millionen Euro (Gas).
  • Der SAIDI-Wert ist ein Indikator für die Zuverlässigkeit der Stromnetze, gibt die durchschnittliche Stromausfalldauer je versorgtem Verbraucher und wird von der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Laut SAIDI ist die Versorgungsqualität im Netz der ODR überdurchschnittlich hoch: In Baden-Württemberg lag Aufalldauer bei 12,26 Minuten, in der Region bei 10,9 Minuten.
Die Zahl der Photovoltaik-Anlagen in der Region nimmt weiter zu. Deshalb muss das Stromnetz weiter ausgebaut werden.

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