So gelingt digitale Arbeit

  • Weitere
    schließen
+
Die Digitalisierung hat durch die Pandemie neue Dynamik gewinnen. Symbolfoto: Pixabay

Beim Digitaltag ging es um die Zukunft der Arbeit. Digitale Modelle eröffnen Firmen neue Perspektiven in einer Welt, die sich drastisch verändern wird.

Aalen

Die Digitalisierung ist nicht so schwer wie manche annehmen. Vielmehr eröffnen sich Firmen neue Perspektiven. Dies ist die Kernaussage des Digitaltags 2021 „Future of Work“ des Digitalisierungszentrums (digiZ) der IHK und der Landkreise Heidenheim und Ostalb.

Laut den Bopfinger Unternehmern Sarah und Timo Lenz von Veroo hat die Pandemie zu einem digitalen Sprung geführt. Man habe umdenken und Firmenphilosophien umstellen müssen, konstatierten die beiden Gründer von Veroo. Nun müssten es die Firmen hinbekommen, dass die Zusammenarbeit der Mitarbeiter vor Ort und im Homeoffice funktioniert.

Sie stellten das System Microsoft Viva für die hybride Zusammenarbeit vor. Dazu brauche es etwa einen Meeting Room, in dem die Mitarbeiter zusammenarbeiten können und nicht nur zuhören. Timo Lenz: „Das muss so funktionieren, wie wenn man beieinander sitzen würde.“ Um diesen Effekt zu erreichen, brauche es intelligente Kameras und Lautsprecher. Man müsse die Büroräume neu denken, sagte Lenz, gleichzeitig aber auch alle Abläufe digitalisieren. Analoge Prozesse und Papier im Büro seien Vergangenheit, man könne einen digitalen Posteingang schaffen, so dass alle Zugriff auf die Post haben, ohne ins Büro kommen zu müssen. Überhaupt rücke der Mensch in den Fokus, unterstrichen beide. Die Leute sollten sich wohlfühlen. Im Homeoffice müsse man Vereinsamung und Burnout verhindern. Das geschehe etwa durch regelmäßige automatische Erinnerungen an fällige Pausen oder an den Feierabend. Nicht zuletzt brauche es in der virtuellen Welt den „Flurfunk“, der sicherstellt, dass Mitarbeiter Informationen aus der Firma mitbekommen.

Millionen mussten mit dem Ausbruch der Pandemie ganz oder teilweise ins Homeoffice, ohne darauf vorbereitet zu sein, blendete Dr. Andreas Hollstein zurück. In Deutschland sei die Digitalisierung damals weniger vorangeschritten gewesen als in vielen anderen Ländern. Man habe improvisieren müssen. Dennoch, ist er überzeugt, geht die Entwicklung hin zu hybriden Arbeitsplätzen, Büroflächen werden wegfallen. Was aber nach wie vor gelte, seien die Gebote der sozialen Sicherheit, Mitbestimmung und Arbeitsschutzgesetze. Die Pflicht zur Sicherstellung der Arbeitssicherheit bleibe, Prävention und Unterweisung seien unabdingbar. Dies alles gehe aber nicht, indem der Sicherheitsingenieur in die Privatsphäre eindringe. Die Digitalisierung helfe hier weiter. Mitarbeiter könnten so geschult und ihre Lernfortschritte digital abgefragt werden. Sie seien eigenverantwortlich und ihre Zufriedenheit steige. Für die Firmen, davon ist Hollstein überzeugt, ergeben sich neue Perspektiven. Dank der digitalen Arbeitsplatzsicherheit könnten sie die besten Köpfe an beliebigen Orten der Welt gewinnen. Es fehle jedoch noch an der Bereitschaft und Offenheit, diese Prozesse zu betrachten.

Alle Menschen tragen Verantwortung für den Planeten und die kommenden Generationen, war die These von Michael Belko. Er ist Vorsitzender des IHK-Digitalausschusses und betonte, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Green Deal seien ohne Digitalisierung nicht möglich. Hier gebe es Handlungsbedarf. Belko warnte davor, Nachhaltigkeit und Klimaschutz gleichzusetzen. Letzterer sei nur eines von 17 Zielen, die die Vereinten Nationen für Green Deal und Klimaneutralität ausgegeben hätten. Zu den weiteren gehörten sauberes Wasser ebenso wie hochwertige Bildung. Um Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Unternehmen zu werden, brauche eine langfristige Ausrichtung unternehmerischen Handelns und eine andere Perspektive.

Schließlich ging es beim Digitaltag um Microsoft. Das Erfolgsgeheimnis lüftete Matthias Reith, der erinnerte, dass Bill Gates und Paul Allen Microsoft 1975 in einer Garage gegründet haben – ein typisches Start-up. Während andere Tech-Firmen in der Versenkung verschwunden seien, habe Microsoft nun 160 000 Mitarbeiter. Dass es sich so würde etablieren können, sei aber nicht sicher gewesen. „Wir hatten einen schlechten Ruf, keine wirklich gute Presse und mussten viele Tiefschläge einstecken.“ Die Wende sei 2014 gekommen, als man daraus Schlüsse gezogen und sich neu erfunden habe. Die Unternehmenskultur habe sich geändert. Man kümmere sich um die Mitarbeiter und bringe ihnen Wertschätzung entgegen. „Wir sind jetzt auf einem erfolgreichen Weg und unsere Reise ist noch nicht beendet!“

Das muss so funktionieren,

Timo Lenz, Bopfinger Unternehmer

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft Regional

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL